DLD17
16.01.2017

Digitale Renaissance

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16.01.2017

Digitale Renaissance

„… what’s the plan?“, so lautet das Motto von Europas wichtigster Innovationskonferenz, die am Sonntag in München gestartet ist. Gleichzeitig ist „… what’s the plan?“ die zentrale Frage, die die 150 digitalen Visionäre und Macher aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammen mit den rund 1.000 Besuchern diskutieren. Artificial Intelligence oder die Zukunft sind dabei nur zwei Schlagworte einer immer schneller voranschreitenden Digitalisierung, die nicht nur die Gesellschaft und Politik, sondern vor allem den Lebensalltag der Menschen drastisch verändert.

„Die beste Zeit der Menschheit“

Eben diese drastischen Veränderungen in allen Bereichen unserer Gesellschaft erinnern den Oxford-Professor Ian Goldin, der mit seinem Vortrag die DLD-Teilnehmer auf die kommenden Tage einstimmte, an die Zeit der Renaissance, in der das Denken komplett verändert wurde. Voll Optimismus betrachtet der gebürtige Südafrikaner und ehemalige Berater von Nelson Mandela unsere Zeit der Globalisierung. Laut Goldin leben wir in der „besten Zeit der Menschheit.“ Denn trotz der großen Unterschiede zwischen Arm und Reich sei es auch die beste Zeit, um in Armut geboren zu werden. Die soziale Mobilität und Chance, der Armut durch Talent zu entkommen, sei so groß wie nie zuvor. Technische Möglichkeiten lassen es zu, dass viel mehr kreative und talentierte Menschen die Welt mit ihren Ideen bereichern können.

Artificial Intelligence

Die nächste Evolutionsstufe des Internets und die Rolle, die künstliche Intelligenz dabei spielen wird: Darüber diskutierten Jürgen Schmidhuber, Forscher für Artificial Intelligence, und Christopher Schläffer, früherer Digitalchef der Telekom. Sprachbasierte Assistenten, wie Siri oder Cortana, die die Gewohnheiten ihrer Nutzer bereits analysieren und vorhersagen, seien nur der erste Schritt zu einem sich stets verbessernden "Contextual Internet". "Wir kommen irgendwann an einen Punkt, wo wir unsere Privatsphäre ein Stück aufgeben müssen", sagte Schläffer. Schließlich ließe sich diese Technologie nicht ohne persönliche Daten umsetzen.

Selbstfahrende Autos

Autos, die von intelligenten Systemen gefahren werden, während sich der Fahrer entspannt zurücklehnt: Eine Vision, die, wenn es nach BMW-Vorstandsmitglied Klaus Fröhlich geht, bereits in vier Jahren Realität sein soll. Zusammen mit Intel-CEO Brian Krzanich und dem israelischen Gründer von Mobileye, Amnon Shashua, diskutierte er über autonome Autos. „In den kommenden Jahren wird sich die Autoindustrie stärker verändern als in den vergangenen 30 Jahren. Autonomes Fahren ist ein Game Changer und für uns wie ein Flug zum Mars", sagte Klaus Fröhlich. Eine erste Testflotte soll bereits dieses Jahr auf den Straßen fahren. Intel-Chef Krzanich betonte, dass für die Entwicklung autonomer Autos große Tech-Firmen, wie Apple oder Google, zusammenarbeiten müssen, nicht nur um Daten und Ressourcen zu teilen, sondern auch um einheitliche Standards zu schaffen.

Mit Datenanalysen zum Wahlsieg?

Daten analysieren und Menschen anhand ihrer Vorlieben gezielt ansprechen: Das ist die Arbeit von Datenanalysten, denen ein großer Anteil an Donald Trumps Wahlsieg zugeschrieben wird. Alexander Tayler Unternehmen Cambridge Analytica gestaltete während des US-Wahlkampfs eine Kampagne für Donald Trump. "Es war schwierig zu wissen, wer gewinnt, bevor man wusste, wer tatsächlich zur Wahl gehen würde", sagte Talyer im Gespräch mit Steven Haft von Indyworks. Wie präzise die Datenanalysen sind, zeigt Tayler anhand eines Beispiels: „Wir können die Menschen so unterteilen, dass wir extrovertierten Menschen andere Werbung ausspielen können als introvertierten - so können unsere Klienten genau die Menschen ansprechen, die auch mit ihnen interagieren wollen."

Zukunft der Arbeit

Auf der Speaker-Liste des diesjährigen DLD steht neben Größen aus Wirtschaft, Politik und Kultur auch ein Vertreter der katholischen Kirche: Reinhard Kardinal Marx sprach über die Zukunft der Arbeit . Ob es ein Recht auf Arbeit gäbe, wollte Dominik Wichmann wissen. Marx antwortete: „Maschinen verändern das Leben der Menschen, die sich anpassen müssen. Aber warum sorgen wir nicht dafür, dass sich die Maschinen an das Leben der Menschen anpassen?"

Europa und die Datensicherheit

Der Brexit und das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in den USA warfen bei DLD17 viele Fragen auf. Marc Al-Hames, Chef des Internetbrowsers Cliqz, fragt sich, wie Europa mit der Tatsache umgehen wird, dass viele wichtige Firmen, deren Angebote und Produkte die Datensicherheit europäischer Bürger und Unternehmen garantieren, im Ausland sitzen. „Was bedeutet das für die Datensicherheit?“ Eine Frage, die er unter anderem mit Werner Vogels (Amazon) und der Politikerin Viviane Reding diskutierte. Werner Vogels fügte hinzu: „Unser wichtigstes Anliegen ist die Sicherheit unserer Kunden.” Die Regularien umzusetzen sei aber gerade für mittelständische Unternehmen schwierig.

Aenne Burda Award

"Sie ist eine wahre Heldin": mit diesen Worten überreichte Dominik Wichmann den Aenne Burda Award an Prinzessin Auguste von Bayern für die Gründung der „Biotopia“, eines innovativen Naturkundemuseums in Bayern. Der nach der Mutter von Hubert Burda benannte Preis wird an kreative und visionäre Führungspersönlichkeiten vergeben.

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Weitere Impressionen & Downloads

Steffi Czerny eröffnet offiziell DLD17

DLD Chefredakteur Dominik Wichmann begrüßt das Publikum

Oxford-Professor Ian Golding spricht über eine neue Renaissance in den Zeiten der Digitalisierung

Dominik Wichmann überreicht Auguste von Bayern (Biotopia Museum München) den Aenne Burda Award auf der DLD-Bühne

Full House beim Gespräch zwischen John Collison (Stripe) und Ravi Mattu (Financial Times)

Das Southern Super-Hub: Frank Anton (Siemens), Jakob Bitner (VoltStorage), Carolin Fiechtner (leaf republic), Manfred Krischke (CloudEO AG), Lin Kayser (Hyperganic) und Frederik Brantner (Magazino GmbH)

Kara Swisher (ReCode) spricht mit Hilary Rosen (SKDKnickerbocker), Megan Murphy (Bloomberg Businessweek) und Tammy Haddad (Haddad Media) über den neuen amerikanischen Präsidenten

Marc Al-Hames von Cliqz diskutiert über die digitale Wirtschaft Europas in der Zukunft

Gespannte Zuhörer beim DLD17

Timotheus Hoettges (Deutsche Telekom), Ian Goldin (Oxford Martin School) und Niko Mohr (McKinsey) stellen im Panel mit David Kirkpatrick (Techonomy) fest, dass viele Menschen eine gewisse Furcht vor der digitalen Zukunft empfinden

Reinhard Kardinal Marx spricht über die Zukunft der Arbeit

Matt Miller (2.v.r.) moderiert die Diskussion über autonome Autos zwischen Klaus Fröhlich von BMW, Intel-CEO Brian Krzanich und Amnon Shashua, dem Gründer von Mobileye (v.l.n.r.)

Am Abend des ersten Konferenztags traf man sich in der Münchner Residenz zum Chairmen´s Dinner. Brent Hoberman (Founders Factory, Founders Forum, Made.com, Co-Founder) mit Arianna Huffington (Thrive Global, Founder & CEO) und Dominik Wickmann

Steffi Czerny beim Chairman's Dinner mit Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitische Kultusgemeinde und Ilse Aigner, Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie und Stellvertretende Ministerpräsidentin

Pinchas Goldschmidt (4. von rechts), Oberrabbiner von Moskau und Vorsitzender der Europäischen Rabbinerkonferenz, im Gespräch mit Verleger Hubert Burda

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Gemäß dem Motto „DLD tours the world“ geht die Innovationsplattform mit ihrem Networking-Format DLDsalon auf Reisen. Nach London folgt heute Tokio – weitere Ziele sind New York und das Silicon Valley.