Focus
07.09.2019

Millionenfach Daten rechtswidrig erhoben?

Whatsapp, Google & Co. haben von Millionen Nutzern möglicherweise rechtswidrig Daten erhoben. Das legen die Ergebnisse einer Allensbach-Studie im Auftrag des Focus nahe.

Der repräsentativen Umfrage zufolge sind weder die von der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) geforderte Freiwilligkeit noch die Informiertheit der User bei der Einwilligung in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) großer Tech-Plattformen gegeben, sondern laut Allensbach „in der Rechtswirklichkeit weitestgehend eine Fiktion“.

Unverzichtbare Dienste

Laut Allensbach halten 67 Prozent der 14-29-Jährigen Whatsapp und 61 Prozent Google für ,unverzichtbar‘. 77 Prozent der Nutzer von Internetdiensten halten es gleichzeitig für zwecklos, die Bestimmungen zu lesen, denn man muss auf jeden Fall zustimmen, wenn man den lnternetdienst nutzen will.

Starkes Machtungleichgewicht


„Wenn ein so starkes Machtungleichgewicht vorliegt, muss man an der Freiwilligkeit einer solchen Einwilligung zweifeln. Würde die Datenschutzgrundverordnung hier strenger ausgelegt und entsprechend entschieden, wären alle Datenverarbeitungen rechtswidrig — auch rückwirkend“.

 

Boris Paal, Rechtsprofessor und Dekan an der Universität Freiburg


„Ich bezweifele, dass die Einwilligung der Nutzer in die Verwendung ihrer Daten wirksam ist. Wir müssen in Europa gemeinsam dafür sorgen, dass die bestehenden Vorschriften zum Datenschutz auch konsequent durchgesetzt werden.“

Georg Eisenreich, Bayerns Justizminister (CSU)


Zweifel an Informiertheit

Auch an der laut DSGVO zwingend vorgeschriebenen ‚Informiertheit‘ der Nutzer fehlt es der Umfrage zufolge: 73 Prozent der Nutzer von Internetdiensten gaben an, es sei zu mühsam, die Texte zu den Bestimmungen wirklich zu lesen. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) erklärte außerdem, sie stimmten beim Nutzen eines lnternetdienstes den Bestimmungen einfach nur zu, um mit der Nutzung fortfahren zu können.

Skepsis bei Jung und Alt

Junge Menschen sind genauso skeptisch gegenüber der Weitergabe von Daten wie ältere. So sind 62 Prozent der 14 bis 29-Jährigen nicht damit einverstanden, dass sie die Telefonnummern ihrer Freunde über das Adressbuch zur Verfügung stellen. 67 Prozent sind außerdem nicht damit einverstanden, dass ihre Daten in den USA oder anderen Ländern gespeichert und verarbeitet werden.

Und: 14-15-Jährige vertrauen dreimal so oft darauf (33 Prozent) wie Erwachsene, dass sie durch Gesetze geschützt sind.

Für die Allensbach-Studie wurden 2542 Deutsche ab 14 Jahre befragt. Downloaden Sie hier einen Auszug der Studie.

Diskussion bei DLD Europe

Am 9. September 2019 veranstaltet DLD-Gründerin Steffi Czerny zum vierten Mal Burdas Innovationskonferenz DLD Europe in der Vertretung des Freistaates Bayern bei der EU in Brüssel. Die Ergebnisse der repräsentativen Studie werden zu Beginn der DLD-Konferenz von Paul-Bernhard Kallen (CEO Hubert Burda Media), Anne Niedermann (IFD Allensbach), Boris Paal (Universität Freiburg) sowie Axel Voss (Europäisches Parlament) vor internationalem Publikum diskutiert. Weitere Informationen zu Themen und Speakern von DLD Europe finden Sie hier.

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