Burda bewegt
08.04.2020

Alltag mit der Corona-Gefahr: Eine Risikopatientin erzählt

Burda bewegt
08.04.2020

Alltag mit der Corona-Gefahr: Eine Risikopatientin erzählt

Die „Burda bewegt“-Initiative lebt von der Unterstützung unserer Mitarbeiter für soziale Projekte. Im Moment liegen viele der Projekte auf Eis, da diese meist vom Kontakt zu anderen Menschen leben. Was wir aber als „Burda bewegt“-Team tun können, ist Menschen sprechen zu lassen, um die wir uns normalerweise über unsere Stiftungen kümmern und für die die aktuelle Situation eine besondere Herausforderung darstellt. Wir haben mit Susanna Zsoter, der diesjährigen Ehrenfelix Preisträgerin, gesprochen. Mit 32 Jahren ist sie Palliativpatientin. Sie erzählt uns über ihren Alltag, der durch Corona völlig auf den Kopf gestellt wurde, warum ihre Therapie im Moment stillsteht und zeigt auf, wie wichtig gerade jetzt Solidarität und Achtsamkeit ist - insbesondere gegenüber Risikogruppen. Die Ehrenfelix Auszeichnung bekommt Susanna persönlich im Oktober beim Felix Burda Award in Berlin verliehen.

Das Virus macht Angst – auch wenn man gerade 32 Jahre alt ist.

Als „Krebskriegerin“ macht Susanna Zsoter ihre Geschichte öffentlich und unterstützt andere Betroffene. Seit vier Jahren hat sie Darmkrebs und Metastasen. Die Ärzte stufen sie als unheilbar ein. Trotzdem ist sie stark und sagt Sätze wie „Sterben ist nicht mein Lifestyle“. Aber jetzt kommt zur Angst vor dem Krebs eine neue unsichtbare Gefahr hinzu. Der Corona -Virus ist besonders für Menschen wie Susanna, mit einem geschwächten Immunsystem, lebensgefährlich.

Susanna, hat sich dein Alltag durch den Corona-Virus verändert?

Ja, enorm. Ich befinde mich seit einer Weile - wie viele andere - in der Heimquarantäne. Das bringt viele Änderungen mit sich. Ich arbeite im Home-Office und fühle mich teilweise wie in einem Bunker, Normalität findet nicht mehr statt. Alleine einkaufen ist nicht mehr möglich, sondern muss von Familienangehörigen oder Lieferdiensten übernommen werden. Die sozialen Kontakte fehlen extrem. Es erinnert schmerzlich an die Zeit, in der ich durch die Erkrankung eingeschränkt war und zuhause bleiben musste. Das schlimmste ist jedoch, wenn man plötzlich weder seinen Partner noch Freunde oder, wie viele meiner Bekannten aus dem Cancer Unites Netzwerk, die eigenen Kinder nicht mehr umarmen kann. Und das auf unbestimmte Zeit. Das ist psychisch wirklich herausfordernd. 

Wie lenkst du dich ab?

Normalerweise mache ich sehr viel Sport. Für mich ein ganz wichtiges Ventil, um mit meiner Erkrankung oder mit negativen Gedanken klarzukommen. Der Sport fehlt mir jetzt extrem. Nun muss ich auf Home-Workouts umsteigen, das ist zwar auch schön, aber es ist einfach nicht das Gleiche und tut nicht annähernd so viel für meine psychische Gesundheit, wie mein gewohnter Sport. 

Wie wirkt sich die aktuelle Lage auf Dich als Krebspatientin – beispielsweise hinsichtlich Therapien – aus?

Aktuell weiß ich nicht, ob und wie meine Therapie stattfinden wird. Ich muss zur Infusionstherapie in die Klinik und ehrlich gesagt bin ich mir gerade nicht sicher, ob ein Krankenhaus wirklich der beste Ort ist, um sich vom Coronavirus fernzuhalten. Das bringt schon eine gewisse Unsicherheit mit sich. Auch im Cancer Unites Netzwerk gibt es Änderungen bei den Mitgliedern, die in Behandlung sind. Beispielsweise werden Tablettenchemos neuerdings für längere Zeiträume verschrieben und CT-Termine für Verlaufskontrollen von Tumorpatienten verschoben, da der Andrang für bildgebende Verfahren zu groß ist. 

„Du bist doch jung und siehst überhaupt nicht krank aus.“ Was sagst du zu solchen Vorurteilen?

Diese Sätze bekommt man immer wieder zu hören. Oder auch „deine Therapie ist doch schon längst vorbei und du siehst gesund aus.“ Das ist respektlos. Man fühlt sich nicht ernst genommen als jemand, der im Moment einem besonderen Risiko ausgesetzt ist. Nur weil die Erkrankung oder das eingeschränkte Immunsystem nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, bedeutet das nicht, dass die Einschränkungen nicht existieren.


„Wir als Risikogruppe fühlen uns eingesperrt, insbesondere dann, wenn wir sehen, wie andere Social Distancing nicht ernst nehmen und uns damit besonders gefährden. Das macht wirklich traurig.“


Was kannst Du anderen Betroffenen und Angehörigen raten? 

Bitte passt auf, nehmt die Gefahr ernst und schützt euch und die Risikogruppen, indem ihr Rücksicht nehmt. Abstand halten ist die neue Fürsorge für die Mitmenschen. Je schneller wir die Situation in den Griff bekommen, desto schneller kehrt auch wieder Normalität ein. 


 „Wenn ich eines während meiner akuten Krebszeit gelernt habe: Alles geht irgendwann vorbei und auf Regen folgt stets Sonnenschein. Das gilt sicherlich auch für die Situation, in der wir uns gerade alle befinden.“  


 

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Als „Krebskriegerin“ macht Susanna Zsoter ihre Geschichte öffentlich und unterstützt andere Betroffene © Hubert Burda Media

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