Interview
11.09.2018

„Als ich zu Burda gekommen bin, konnte ich nicht vor mehr als drei Personen sprechen“

Interview
11.09.2018

„Als ich zu Burda gekommen bin, konnte ich nicht vor mehr als drei Personen sprechen“

Der beste Weg, seine Karriere zu starten? Sich von Vorbildern, die schon erfolgreich in ihrem Job sind, etwas abschauen. In unserer Interview-Serie haben Volontärinnen der Burda-Journalistenschule die Chance dazu. Dieses Mal trifft Johanna Böshans DLD-Gründerin- und Geschäftsführerin Steffi Czerny und spricht mit ihr über Optimismus, fliegende Untertassen in Israel und was sie gerne noch lernen würde.

Johanna Böshans: Ich stelle mir vor, dass man als Geschäftsführerin von DLD immer die neuesten Themen und Trends im Auge haben sollte. Wie halten Sie sich „up to date“?

Steffi Czerny: In dem ich mit offenen Augen durch die Welt gehen. Ich lese sehr viel – Blogs, News und Magazine – um informiert zu bleiben. Außerdem kann man sich an Menschen orientieren, die man als Trendsetter wahrnimmt. Und eine weitere ganz einfache Methode, die ich genutzt habe, als ich DLD aufgebaut habe, ist, auf Konferenzen zu gehen. Dort habe ich mir Redner angehört, von denen ich noch nie gehört hatte und die sich mit einem Thema beschäftigt haben, von dem ich nichts wusste. Ich finde, man muss über seine Komfortzone hinausgehen, um Neues zu erfahren. Und man muss zuhören und den Mut haben, auf neue Menschen und völlig unbekannte Themen offen zuzugehen.

Haben Sie hier ein konkretes Beispiel?

Ja – ich gehe jedes Jahr zu Yossi Vardis (Chairman DLD) Internetcamp Kinnernet in Israel und vor rund 12 Jahren gab es dort eine Gruppe junger Männer, die gerade aus dem Militär entlassen worden waren und auf dieser Konferenz fliegende Untertassen über den See Genezareth gleiten ließen – damals hat man noch nicht von Drohnen geredet. Erst dachte ich ‚Ach diese Jungs mit ihren Spielzeugen‘, aber dann ist mir gekommen, dass sie das, was sie machen, im Militär gelernt und dort die Technologie entwickelt haben und es nun für etwas ganz anderes einsetzen. Und plötzlich merkte ich, was das für einen riesigen Impact auf die Gesellschaft haben kann. Drohnen in der zivilen Nutzung haben so viel verändert – allein im Hinblick auf Ästhetik und Visualisierung.

Wie schaffen Sie es, den Kontakt zu den vielen Menschen zu halten, die Sie kennenlernen?

Wer sagt, dass ich das schaffe? (Lacht) Wenn jemand wirklich interessant ist, dann hält man doch einfach gerne Kontakt. Man lernt viel von dem anderen, er inspiriert einen, da fällt das Kontakthalten nicht schwer. Dazu kommt, dass man sich oft wieder trifft. Durch DLD hat man etwas, das einen verbindet. Man kann an diese Begegnung immer wieder anknüpfen – das hilft. Wie machen Sie es denn mit Ihren Freunden? Mit denen halten Sie ja auch Kontakt.

Ja, aber mir fällt es manchmal schwer. Alle Freunde leben an unterschiedlichsten Orten. Es ist eine Herausforderung, immer zu schauen, ob ich mich auch gemeldet habe oder wen ich wann treffen kann.

Glauben Sie denn, es fällt Männern generell leichter, Kontakte zu knüpfen und Netzwerke aufzubauen als Frauen?

Ich glaube, es ist eine Frage der Persönlichkeit. Es ist grundsätzlich leichter, wenn man einen gewissen Charme hat, wenn man freundlich ist und nicht ruppig oder arrogant – egal ob Mann oder Frau.

Was braucht es Ihrer Meinung nach, um beruflich erfolgreich zu sein und etwas zu bewegen?

Je älter ich werde, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass man möglichst früh wissen sollte, was man mit seinen Talenten, seinem Können und seinem Wissen erreichen will. Dann weiß man auch, was man bewegen möchte. Es ist wichtig, die Kraft, die Konsequenz und die Persistenz zu haben, sich für ein Thema, das einem am Herzen liegt, mit Leidenschaft zu engagieren. Ich glaube, dass man dadurch viel Selbstbewusstsein entwickelt.

Während meiner Zeit an der Journalistenschule, in meinen verschiedenen Redaktionen und im Burda Bootcamp habe ich viel über mich gelernt. Ich war teilweise ganz schön überrascht, was ich gut kann, obwohl ich so nie damit gerechnet hätte. Wie findet man Ihrer Meinung nach am besten und schnellsten raus, was in einem steckt?

Ausprobieren, Fehler machen und immer wieder von Neuem anfangen. Wenn man Niederlagen erlitten hat oder Absagen hinnehmen musste, darf man sich davon nicht demotivieren lassen. Als ich zu Burda gekommen bin, konnte ich beispielsweise nicht vor mehr als drei Personen sprechen. Inzwischen bin ich ein richtiger Festredner geworden. Warum? Weil ich es immer wieder versucht und festgestellt habe, dass es für mich persönlich wichtig ist, vor einem Publikum sprechen zu können. Ich finde es sehr wichtig, auch Dinge auszuprobieren, die man zunächst nicht gerne macht, von denen man aber weiß, dass sie in der einen oder anderen Weise wichtig für einen sein können.

Das kostet aber auch ganz schön Überwindung.

Klar. Was dabei hilft: Ein Ziel zu haben – zu wissen, warum man sich überwindet.

Was haben Sie denn noch für Ziele, nach allem, was Sie schon erreicht haben?

Ich möchte DLD unbedingt noch weiter entwickeln. Wir sind inzwischen eine bekannte Marke, aber man könnte sie noch viel mehr in die Fläche bringen. Deswegen haben wir DLD Campus gegründet, wo wir in spannenden Universitätsstädten mittelständische Unternehmen mit interessanten Akademikern vernetzen und zusammen mit Menschen aus dem Silicon Valley eine Art Ökosystem schaffen. Aus dieser Idee möchte ich gerne eine flächendeckende DLD Campus-Brand schaffen. Und ich habe das Ziel, auch weiterhin mit den Veränderungen in unserer Welt Schritt zu halten. Damit wir auch in Zukunft die neuen, die spannenden Leute entdecken und zu DLD einladen, dass wir „the next next“ erkennen.

Wie gehen Sie damit um, wenn mal etwas nicht klappt?

Natürlich gibt es auch bei mir Tiefs, mit denen ich umgehen muss und auch ich bin frustriert, wenn ich etwas nicht erreicht habe. Aber glücklicherweise bin ich von Haus aus ein Optimist – für mich ist das Glas immer halb voll. Es geht ja immer weiter, selbst nach dem tiefsten Tief, das sollte man sich vergegenwärtigen, nicht nur im Beruf, auch in Beziehungen, im Privatleben. Positiv bleiben und sich nicht die Kraft rauben lassen, das ist meine Devise.

Apropos positiv: Gibt es einen Zeitpunkt oder einen Kontakt, der ausschlaggebend für Ihre Karriere war?

Mein Fundament war, dass ich eine solide Ausbildung als Journalistin hatte. Man lernt als Journalist ja nicht nur schreiben, man lernt auch, sich mit Themen auseinanderzusetzen. Darauf habe ich meine Karriere aufgebaut. Nach der Ausbildung habe ich allerdings zunächst vier Kinder bekommen und ein ganz normales Familienleben geführt. In der Zeit, in der das Internet aufkam und die ersten Online-Medien entstanden, hatte ich dann das Glück, Dr. Hubert Burda kennenzulernen. Er, als visionärer Verleger, hat schon damals gesagt: ‚Diese neuen Medien werden die Welt verändern‘. Damit hat er mein Interesse und meine Neugierde geweckt. In unserer Unterhaltung darüber, wie die neuen Medien die Welt verändern werden, war irgendwie irgendwann klar, dass ich für ihn arbeiten werde. Das Kennenlernen von Dr. Burda war also eine ganz entscheidende Begegnung für mich.

Gibt es etwas, das Sie gerne schon zu Beginn ihrer Karriere gewusst hätten?

Ich hätte gerne mehr Struktur und Organisations-Knowhow gehabt, das hatte ich nicht. Mit meinem Chaos habe ich meine Kollegen schon in den Wahnsinn getrieben. Mache ich vielleicht heute noch (lacht). Aber andererseits kann aus dem Chaos auch durchaus Gutes entstehen.

(Lacht) Darauf hoffe ich. Ich bin nämlich auch ziemlich chaotisch.

Wenn Sie zurückblicken, gibt es etwas, das Sie gerne anders gemacht hätten?

Was ich gerne besser gekonnt hätte, ist schreiben. Ich war ja auf der Deutschen Journalistenschule und ich war immer gut darin, Themen zu entdecken, aber konnte sie nicht ebenso gut umsetzen. Das finde ich bis heute schade. Wenn ich die Zeit hätte, die ich gerade einfach nicht habe, dann würde ich mich gerne nochmal am Schreiben erproben. Es ist eine tolle Kunst, Menschen, Ereignisse und Themen zu porträtieren. Das kann man auch nur bis zu einem gewissen Grad lernen.

Zum Abschluss: Was ist Ihr Tipp für Berufsanfänger?

Schärfen Sie Ihr Handwerkszeug! Wenn Sie zum Beispiel in die digitalen Medien gehen wollen, lernen Sie so viel über Digitalität wie Sie nur können, bis hin zum Coden. Setzen Sie sich mit dem Thema, das für Sie relevant ist, in allen Dimensionen auseinander. Lernen Sie Menschen zu begreifen, schauen Sie zu, wie sie funktionieren. Und natürlich müssen Sie sich auch mit sich selbst auseinandersetzen, denn wenn man zu sehr mit seinen persönlichen Themen belastet ist, kann man nicht offen auf andere Menschen zugehen.

Steffi Czerny ist Geschäftsführerin von DLD Media und Mitbegründerin der 2005 ins Leben gerufenen DLD-Konferenz in München und deren weltweiten Ausgliederungen, u.a. des DLD New York, DLD Europe in Brüssel und DLD Tel Aviv Festival. Seit ihrem Einstieg bei Burda 1995 hatte sie mehrere leitende Positionen im Bereich New Media inne. Sie besuchte die Deutsche Journalistenschule, ihr wissenschaftlicher Background liegt im Bereich Politik und Kommunikation. Seit über 20 Jahren verfolgt sie die Entwicklung der digitalen Welt.

Johanna Böshans ist gelernte Medienkauffrau und derzeit Volontärin an der Burda Journalistenschule im Jahrgang 2016-2018 mit Stationen bei Meine Familie & ich, dem Burda Bootcamp und dem Korrespondentenbüro von Bunte.de in New York. Nach Abschluss ihres Volontariats wird sie als Head of Content für das Burda Bootcamp arbeiten.

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Volontärin Johanna Böshans © Daniel Grund für Hubert Burda Media

DLD-Gründerin Steffi Czerny © Daniel Grund für Hubert Burda Media

Volontärin Johanna Böshans © Daniel Grund für Hubert Burda Media

Volontärin Johanna Böshans (l.) mit DLD-Gründerin Steffi Czerny © Daniel Grund für Hubert Burda Media

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