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03.07.2024

Burda auf dem Bauernhof

Wie sieht regenerative Landwirtschaft in der Praxis aus und ist klimafreundlicher Landbau Trend oder Zukunft? Wir waren zu Gast bei der Landwirtin Julia Vogt-Selmayr und haben sie genau das gefragt.

Mitten auf dem großen Zuckerrübenfeld des Familienbetriebs Schlossgut Erching im Norden Münchens stehen wir mit Julia Vogt-Selmayr und ihrem Sohn Josef. Unsere Schuhe sind schlammig, der Duft von Erde liegt in der Luft. Julia kennen wir über Klim, unseren Kooperationspartner in Sachen regenerative Landwirtschaft. Sie ist eine der Landwirt:innen, die von Burda über Klim bei der Umstellung ihres Hofs finanziell unterstützt wird. Seit vier Jahren engagiert sich Burda im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie aktiv für den regenerativen Landbau. Doch was bedeutet das genau? Was machen regenerativ arbeitende Landwirt:innen anders als ihre Kolleg:innen? Und vor allem: warum? Genau das wollen wir heute aus erster Hand erfahren.

Julia bewirtschaftet ihren Hof seit vielen Jahren. Den Familienbetrieb gibt es schon 125 Jahre. In dieser Zeit hat sich vieles verändert. Mit Sohn Josef an Bord hat Julia für den Hof einen neuen Weg eingeschlagen: weg von konventionellen Methoden und hin zur regenerativen Landwirtschaft. Warum sie das tut? „Wir Landwirt:innen sind selbst von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen und wir haben die Flächen, über die wir etwas für den Klima- und Umweltschutz tun können. Mit den richtigen Methoden können wir unsere eigenen Erträge sichern und gleichzeitig Treibhausgase reduzieren und abbauen sowie die Biodiversität fördern“, erzählt sie uns.

Mehr als Bio 

Für Julia bedeutet das minimalen Pflugeinsatz sowie die ganzjährige Begrünung der Felder durch die Nutzung von Zwischenfrüchten. Kurz: eine möglichst schonende Behandlung des Bodens, um das Bodenleben und eine gute Durchwurzelung zu fördern. Aber ist das nicht einfach nur eine andere Form des Bio-Landbaus? Nicht ganz. Obwohl beide Konzepte oft in einem Atemzug genannt werden und es Überschneidungen gibt, sind sie sehr unterschiedlich. Während der ökologische Landbau in erster Linie auf die Pflanzengesundheit abzielt, geht es bei der regenerativen Landwirtschaft um die aktive Verbesserung der Bodengesundheit. Das Ziel? Der Boden soll sich selbst regenerieren können, resilienter und fruchtbarer werden und in der Lage sein, möglichst viel Kohlenstoff einzuspeichern.

Vielfalt statt Monokultur

Julia zeigt uns, was das für ihren Acker bedeutet. Statt auf penible Sauberkeit zu setzen, liegen Pflanzenreste auf dem Acker, unter den Hauptpflanzen wachsen Untersaaten. Am Ackerrand stehen Blühstreifen. Was auf den ersten Blick wie bloße Erde aussieht, steckt voller Leben. Unter der Oberfläche finden sich Wurzeln von Zwischenfrüchten, Pilze und Regenwürmer. Hinzu kommen unzählige Mikroorganismen und Bakterien, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Ein Paradies für Pflanzen und Tiere. Diese Vielfalt verbessert die Funktion des Ökosystems. Und das hat positive Auswirkungen: mehr Nährstoffe, mehr Fruchtbarkeit, eine dickere Humusschicht und eine erhöhte Kohlenstoffspeicherung im Boden.

Warum zögern Landwirt:innen?

Wenn die Vorteile so offensichtlich sind, warum machen dann nicht alle Landwirt:innen mit? Eine berechtigte Frage. Julia erklärt: „Es fehlt an Wissen und vor allem an finanziellen Mitteln. Wer sich nicht damit auseinandersetzt, sieht zunächst nur mehr Unkraut, weniger absetzbare Produkte und damit geringere Erträge.“ Hinzu kommen laut Julia weitere Kosten durch Investitionen in neue, bodenschonendere Geräte. Gerade in den Landwirtschaftsschulen werde oft noch auf konventionelle Methoden gesetzt. Für eine Umstellung brauche es vor allem eines: Unterstützung von außen.

Zeit zum Umdenken

Genau hier setzt das Engagement von Burda an. Durch die Partnerschaften mit der Bioland Stiftung und Klim, die Landwirt:innen mit Know-how, aber auch finanziell, beim Umstieg auf regenerative Methoden unterstützen – unter anderem auch Julia. Unser Ziel? Die regenerative Landwirtschaft zu verbreiten. Für weniger CO2 in der Atmosphäre durch humusreichere und fruchtbarere Böden, und damit für eine gesündere Welt.

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