Getting Better
19.06.2024

Da ist der Wurm drin

Ich liege etwa fünf Zentimeter unter schwarzer, feuchter Erde. Um mich herum ist es dunkel und still. Das stört mich nicht, ich habe weder Augen noch Ohren. Die Sonne sehe ich selten, ich mag sie nicht besonders. Ich wohne hier unter einem Feld, der Boden ist locker und feucht – so gefällt er mir am besten. Hier kann ich mich gut bewegen und graben. Das kann ich besonders gut. Mit meinem langen Körper kann ich bis zu fünf Meter tiefe Gänge in die Erde graben. Wer ich bin? Richtig! Ich bin ein Regenwurm und lebe auf einem Hof. Oder besser gesagt: darunter, denn der Boden des Feldes ist mein Zuhause.

Der Hof gehört Julia. Sie hat noch andere Tiere und ganz viel Platz im Grünen. Ich lebe hier mit anderen Regenwürmern zusammen. Und im Gegensatz zu vielen meiner Artgenossen geht es mir bei Julia ziemlich gut. Auf ihrem Hof fahren keine großen Maschinen über unseren Boden. Stattdessen lässt Julia die Natur arbeiten. Das ganze Jahr über wachsen Pflanzen, deren Reste zu uns runterfallen. Das gefällt mir gut. Ich muss keine Angst haben, dass eine scharfe Klinge mich zweiteilt oder ich an die Oberfläche gezerrt werde, wo ich den großen Vögeln als Mittagessen diene. Das ist übrigens auch ein Grund, warum ich lieber nachts aktiv bin. Ungesehen und unter der Erde habe ich meine Ruhe.

Auch wenn es im Boden manchmal eng wird. Hier leben viele von uns, hunderte, tausende. Aber so schlimm ist es nicht. Wir sind gute Gräber und können uns in die Tiefe ausbreiten. Unsere Gänge können unglaublich lang und tief werden. Davon gibt es im Boden unzählige – wie ein riesiges Labyrinth. Wenn es regnet, saugen unsere Gänge das Wasser auf wie ein Schwamm. So bekommen die Pflanzen auch dann Wasser, wenn die Sonne mal länger scheint.

Der Regen ist übrigens nicht der Grund, warum man mich Regenwurm nennt – auch wenn ich ihn liebe. Der Name "Regenwurm" kommt von "Reger Wurm". Also daher, dass ich mich ständig bewege. Wir Regenwürmer sind einfache Tiere. Wir graben viel und fressen gerne – und das den ganzen Tag. Ich schaffe es jeden Tag, etwa die Hälfte meines Körpergewichts zu fressen. Auf Julias Feld gelingt mir das besonders gut. Denn der Boden bleibt unberührt, nichts verdirbt mir den Appetit. So bin ich umgeben von Leckereien, die nur darauf warten, von mir gefressen zu werden: Blätter, Pflanzenreste und andere kleine Tiere, die ihr mit eurem menschlichen Auge nicht sehen könnt. Da ich keine Zähne habe, muss ich warten, bis sie sich zersetzen oder von meinen Freunden, den Pilzen und Bakterien, mundgerecht zerkleinert werden. Dann kann ich die leckeren Blätter in meine Wohnröhre ziehen und fressen.

Jetzt kommt der etwas unappetitliche, aber sehr wichtige Teil: Wenn ich die Leckereien verdaut habe, scheide ich sie in den Boden aus. Was ich ausscheide, gibt der Erde wichtige Nährstoffe zurück. Ihr Menschen nennt das auch: Humus. Je mehr wir Würmer fressen und ausscheiden, desto mehr Humus entsteht. Damit helfen wir den Pflanzen zu wachsen. Außerdem schaffen wir es, dieses farb- und geruchlose Gas im Boden zu halten. Ich meine das Gas, das unsere Erde (im zweifachen Sinne) immer wärmer werden lässt. Die Menschen in den weißen Kitteln sagen dazu „Kohlenstoffdioxid“, schwieriges Wort. Jedenfalls, je mehr wir davon in den Boden bringen, desto mehr helfen wir dabei, dass die Erde kühl bleibt.

Und kühl mag ich's am liebsten. Aber das geht eben nur, wenn ich genug zu fressen habe, und das wiederum geht nur, wenn ihr den Boden ruhen lasst. Ihr nennt das: regenerative Landwirtschaft. Was das genau heißt, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich mich hier sehr wohl fühle. Und deshalb finde ich: Macht weiter damit!

Wieso wir einen Wurm sprechen lassen? 

Ihr kennt sicher alle das Sprichwort „Da ist der Wurm drin“. So ist es auch auf dem Hof von Julia Vogt-Selmayer – aber im positiven Sinn. Seit vier Jahren betreibt die Bäuerin regenerative Landwirtschaft. Sie ist eine von vielen Landwirt:innen, die wir bei Burda über unsere Partnerschaft mit Klim dabei unterstützen, die Umstellung weg von konventionellen Methoden zu realisieren. Wie regenerative Landwirtschaft auf ihrem Hof gelebt wird, durften wir von der Unternehmenskommunikation vor einigen Wochen hautnah miterleben. Dabei haben wir unter anderem erfahren, dass der Regenwurm dabei eine zentrale Rolle spielt. Deshalb lassen wir ihn hier zu Wort kommen.

Schließlich spricht der Regenwurm nicht nur für sich selbst, sondern für die vielen Artgenossen, die auf Julias Hof leben – etwa 200 auf einem Quadratmeter Acker. Sie graben, bauen Gänge und lockern so den Boden auf. Das ist wichtig, denn in der regenerativen Landwirtschaft wird nicht gepflügt. Stattdessen wird der Boden der Natur überlassen und ganzjährig begrünt. So entsteht – auch dank des Regenwurms – Humus, und der ist nicht nur guter Dünger, er hilft auch dem Klima.

Je mehr Humus der Boden enthält, desto mehr Kohlendioxid kann er speichern. Ein Regenwurm allein kann bis zu 1,3 kg CO2 pro Jahr binden, bei 200 Würmern pro Quadratmeter sind das 260 Kilogramm CO2. Das entspricht etwa den Emissionen von 2.000 Kilometern Autofahren.  Das ist eine der Hauptaufgaben der Regenwürmer: Sie speichern CO2 und können damit Gase ausgleichen, die durch Industrie, Landwirtschaft oder durch alltägliche Handlungen wie z.B. Autofahren entstehen. Sie sind also kleine Klimaschützer.

Diese Funktion können sie nur dann erfüllen, wenn die Bedingungen stimmen. Die wichtigste Voraussetzung: wenig bearbeitete Böden. Je mehr Bäuer:innen wie Julia auf regenerative Landwirtschaft umsteigen, desto mehr Regenwürmer können aktiv werden. Und desto besser für unser Klima. Wenn also der Wurm drin ist, ist es eigentlich etwas Gutes. Zumindest im Boden.

 

Im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie fördert Burda seit 2021 die regenerative Landwirtschaft. In Kooperation mit der Bioland Stiftung und dem Agritech-Unternehmen Klim unterstützt Burda Landwirt:innen bei der Umstellung von konventionellen Methoden auf regenerative Praktiken. Denn von einem gesunden Boden profitiert am Ende nicht nur der Regenwurm, sondern auch das Klima und damit wir Menschen.

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