TEC - The Enabling Company
21.09.2020

Corona: Ein Katalysator für den Onlinehandel?

Die Pandemie hat dem Onlinehandel in Deutschland einen kräftigen Wachstumsschub beschert. Vor allem Güter des täglichen Bedarfs wurden im ersten Halbjahr häufiger online gekauft als früher. Doch wird die Krise das Kaufverhalten der Deutschen auch nachhaltig verändern?

Dazu haben wir die beiden Gründer von Vicampo und Roastmarket befragt. Bei beiden ist The Enabling Company (TEC) als Beteiligungsholding der Medienmarken National beteiligt und hat in den letzten Jahren mit der Power der Burda-Medien den nachhaltigen Wertaufbau der Marken unterstützt.

Boris Häfele (Roastmarket) und Max Gärtner (Vicampo) vertreiben zwei Lieblingsgetränke der Deutschen online: Kaffee und Wein. Sie können aus erster Hand berichten wie sich die Pandemie auf ihr Geschäft ausgewirkt hat und eröffnen uns einen spannenden Einblick in die Welt des Deutschen E-Commerce in Krisenzeiten.

Die Pandemie hat den weltweiten Handel mit Konsumgütern kräftig durcheinandergewirbelt. Wie hat sich die Krise auf den Wein- bzw. Kaffeehandel ausgewirkt?

Max Gärtner: Wir lagen schon im Februar ca. 25 Prozent über dem Vorjahr, aber als im März der Lockdown kam, haben wir unseren Umsatz kurzfristig verdoppelt. Ohne Vorwarnung steckten wir plötzlich quasi mitten im Weihnachtsgeschäft.

Boris Häfele: Auch bei uns hat der Lockdown dazu geführt, dass wir deutlich mehr Umsatz generiert haben – ähnlich wie beim Weihnachtsgeschäft. Allerdings vollkommen unvorbereitet, was leider auch dazu geführt hat, dass wir entsprechend höhere Kosten hatten. Wir hatten zu Beginn teilweise mit Kapazitätsproblemen und vereinzelt auch längeren Lieferzeiten zu kämpfen, konnten die Lage aber schnell unter Kontrolle bringen. Insgesamt hat sich die Situation umsatztechnisch für uns aber extrem positiv ausgewirkt.

Könnte man also sagen, dass Corona eigentlich ein Glücksfall für euch war?

Boris Häfele: Das darf man so natürlich nicht sagen. Denn Corona ist insgesamt wahrlich keine schöne Sache. Der Onlinehandel hatte aber das große Glück vom Lockdown nicht direkt betroffen zu sein, bzw. davon sogar teilweise zu profitieren. Ich glaube, der eigentlich positive Effekt ist die nachhaltig gestiegene Wahrscheinlichkeit, dass Leute Lebensmittel im Internet kaufen.

Konntet ihr denn durch Corona neue Zielgruppen erschließen?

Max Gärtner: Absolut. Ich glaube auch, dass die Krise im Endeffekt nur ein Katalysator für eine Entwicklung ist, die es schon seit langer Zeit gibt – nämlich den Wandel hin zu Online. Die Krise hat dazu geführt, dass mehr Menschen die Vorzüge des Online-Handels für sich entdeckt haben. Das halte ich für sehr nachhaltig. Wir haben unsere Neukunden-Zahlen massiv erhöhen können: in nur drei Monaten konnten wir ca. 60.000 Neukunden gewinnen.

Wie sieht es aus mit den Händlern? Schließlich waren die gezwungen sich neue Vertriebswege zu erschließen, als die Gastronomie plötzlich weggebrochen ist. Da hattet ihr doch das Produkt der Stunde, oder nicht?

Boris Häfele: Ja genau: Für die Kaffeebetreiber gab es einen starken Anreiz den Onlinehandel jetzt schnellstmöglich auszubauen. Partner, an denen wir schon länger gearbeitet hatten, konnten wir plötzlich deutlich schneller von den Vorzügen eines Onlinevertriebs überzeugen.

Max Gärtner: Wir hatten einen massiven Zuwachs an Anfragen von Winzern. Auf unserer Plattform bieten wir Weine von knapp 500 deutschen Winzern an. Während der Krise haben uns über 100 neue Anfragen erreicht. Das wird sicherlich noch Monate dauern bis wir das alles abgearbeitet haben. Die wirklich erfolgreichen Partnerschaften entstehen meiner Meinung nach jedoch eher auf der Grundlage strategischer Entscheidungen, weniger impulsgetrieben und situativ.

Wie hat bei euch die Umstellung auf Homeoffice funktioniert? Was sind die Lehren aus dieser Zeit?

Boris Häfele: Das war definitiv ein Sprung ins kalte Wasser: Plötzlich auf 100 Prozent Homeoffice umzustellen. Doch unsere Mitarbeiter haben maximalen Einsatz gezeigt und wir konnten sogar eine bemerkenswerte Effizienzsteigerung feststellen. Daher haben wir entschieden: auch nach Corona wollen wir weiterhin remote arbeiten. Sprich 100 Prozent Flexibilität bei der Wahl des Arbeitsortes. Wir haben auch ein sehr flexibles Urlaubsmodell eingeführt, bei dem die Mitarbeiter zwischen 20 und 50 Urlaubstagen im Jahr wählen können. Diese Neuerungen gehören meiner Meinung nach zu einem modernen Digitalunternehmen dazu, um wirklich attraktiv für Arbeitnehmer zu sein.  

Max Gärtner: Wenn ich etwas aus der Krise mitnehmen kann, dann die Gewissheit, dass wir uns auf unser Team wirklich verlassen können, wenn es darauf ankommt. Wir hatten vorher keinerlei Homeoffice-Regelung und mussten die ganze Belegschaft von einem Tag auf den anderen nach Hause schicken. Hinzu kam noch eine Verdopplung der Anzahl an Bestellungen und gleichzeitig diese massive Unsicherheit. Doch unsere Leute haben teilweise von Zuhause am Küchentisch Überstunden gemacht und haben das Ding gewuppt. Das war nur möglich als absolute Teamleistung. Darüber hinaus war unsere Krankenquote so niedrig wie nie – jeder hat angepackt, jeder hat verstanden: jetzt zählt’s!

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Im Doppelinterview: die beiden Gründer von Roastmarket (Boris Häfele - rechts) und Vicampo (Max Gärtner - links) sprechen über ihre Erfahrungen während der Corona-Krise © Roastmarket/ Vicampo

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