Cinema
16.12.2025

Das erste Filmmagazin Deutschlands feiert 50-jähriges Jubiläum mit eigenem Making-of

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Eine Zeitschrift, die seit einem halben Jahrhundert besteht und bekannt dafür ist, sprichwörtlich hinter die Kulissen zu schauen, lässt selbst tief blicken. In einer Spezialausgabe des Cinema-Podcasts „Making of…“ tauscht Podcast-Host und Cinema-Urgestein Ralf Blau das Mikro mit Cinema-Redaktionsleiterin Lisa Schwarz und teilt jede Menge Kurioses, Überraschendes und Historisches aus 50 Jahren Cinema, der bekanntesten Filmzeitschrift Deutschlands. Zu hören seit 15. Dezember, überall, wo es Podcasts gibt.    

Gleich zu Beginn der Special-Folge „Cinema Classics – Der Making-of-Podcast – 50 Jahre Cinema“ geht es um die Geburtsstunde von Cinema im Jahr 1975. Doch anders, als man es erwarten würde, erschien sie anfänglich nicht in Form eines Magazins, sondern als Taschenbuch. Und wurde da verkauft, wo das Zielpublikum anzutreffen war: an den Kinokassen. Erst 1976 wurde Cinema zur Zeitschrift, die in der Anfangszeit noch in Schwarz-Weiß erschien und ihre Leser in unregelmäßigen Abständen über die Filmwelt informierte. Seit 1979 kam Cinema monatlich in den Handel und entwickelte sich im Laufe der Zeit zur größten Filmzeitschrift in Europa. Eine reife Leistung für ein monothematisches Magazin, die nur möglich ist durch eine ständige Optimierung und Anpassung an die Bedürfnisse der Leser. So ist Cinema heute auch kein reines Filmmagazin mehr, sondern DER Guide für Kino und Streaming. Und damit erste Anlaufstelle für alle Film- und Serienfans, Kino-Puristen, Binge-Watcher und Blu-ray-Sammler. Heute erreicht Cinema 300.000 Leser. In der harten Auflage kann Cinema mit gestiegenen Einzelverkäufen ein Plus von über einem Viertel im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen. Eine beachtliche Entwicklung, nicht nur für Cinema, sondern auch für die unter starken Verkaufsrückgängen leidende Zeitschriftenbranche.   

Die Anfänge und goldene Zeiten  

Mit seinem Angebot, für das sich vor allem männliche Leser interessieren, komplettiert Cinema seit zwei Jahrzehnten das Lifestyle-Portfolio des BurdaVerlags. Doch die Anfänge lagen woanders. Die Filmzeitschrift legte den Grundstein für das kleine Verlagsimperium von Dirk Manthey, der im gleichen Jahr den Hamburger Kino Verlag gründete, der in den 1990er-Jahren zur Verlagsgruppe Milchstraße wurde und 2005 vom BurdaVerlag übernommen wurde.   

Mit dem Mauerfall erlebte Cinema einen regelrechten Auflagen-Boom. Gerade die 80er- und 90er-Jahre prägten die Screens-Marke. Das goldene Zeitalter der Print-Zeitschriften bescherte auch der Cinema-Redaktion schier unbegrenzte Möglichkeiten. Fotoshootings im Ausland waren nun keine Seltenheit mehr. Redakteure waren wochenlang in Hollywood, um vor Ort zu recherchieren – nicht selten unmittelbar am Pool bei bestem Sunshine-Wetter. Auch der Einkauf hochwertiger, ausdrucksstarker Fotostrecken von berühmten Fotografen wie Annie Leibovitz standen auf der Produktions-Agenda. Cinema streckte aber nicht nur für seine Storys und Layouts die Fühler ins Ausland aus, sondern baute sein Markenportfolio aus und erschien in dieser Zeit selbst mit internationalen Ausgaben außerhalb des deutschen Sprachraums. Hinzu kamen Side-Produkte wie Bücher zu unterschiedlichen Themen aus dem Filmbusiness.    

Zwischen 1998 und 2000 wurde Cinema selbst zum Bewegtbild-Thema – mit der TV-Sendung CINEMA TV bei ProSieben, u. a. moderiert von Steven Gätjen, Collien Ulmen-Fernandes, Jochen Schropp und Thore Schölermann.   

Eine Zeitschrift im ständigen Wandel  

Anfänglich besaß Cinema ein hohes Maß an Exklusivität, nicht zuletzt dank des umfangreichen Making-of-Materials, das die Redaktion von den Verleihfirmen bekam. Auch deshalb wurde die Filmzeitschrift gelegentlich als verlängerter Arm der Filmbranche verstanden. Ein Missverständnis, wie Chefredakteur Klaus Dahm unter anderem mit seiner kritischen Berichterstattung über Kevin Costners „Waterworld“ bewies.   

Inhaltlich hat sich Cinema immer wieder den Bedingungen des Marktes und den Interessen seiner Leser angepasst. Die Ausläufer der Sexfilm- und Softpornowelle in den 70ern machte sich auch in der Titelgestaltung bemerkbar: In den Anfangsjahren strahlten einem des Öfteren „Nackedeis“ wie Nastassja Kinski oder Désirée Nosbusch vom Cover entgegen – und verkauften sich wie geschnitten Brot. In den Neunzigern wurde Cinema seriöser, die Blattmacher legten Wert auf eine hochwertige optische Gestaltung. Auch das Bewertungsschema, das man heute aus vielen TV-Zeitschriften kennt, wurde damals eingeführt.   

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich auch das Auftragsvolumen für die Cinema-Redaktion geändert. Während es zu Beginn nur wenige Kinostarts pro Woche gab, so hat sich diese Zahl mittlerweile vervielfacht. Hinzu kommen die Film- und Serienangebote der Streaming-Dienste und TV-Sender. Aus der unüberschaubaren Menge an Bewegtbild-Content filtert Cinema die wichtigsten Neuerscheinungen heraus und stellt sie Monat für Monat vor.   

Unterstützt wird die in Hamburg ansässige Redaktion von einem Korrespondenten mit langjähriger Hollywood-Erfahrung: Scott Orlin, der in diesem Jahr die Präsidentschaft der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) übernommen hat. Durch ihn hat Cinema hervorragende Kontakte zu den Major-Studios, den wichtigsten Machern und den großen US-Stars, hat Zugriff auf exklusives Behind-the-Scenes-Material und Interviews.   

Auch die Arbeitsweise der Cinema-Redakteure unterliegt einem ständigen Wandel. Früher wurden Texte auf der Schreibmaschine getippt, später am Computer geschrieben und ausgedruckt, das Layout wurde auf Pappe aufgeklebt und in die Setzerei geschickt. Kurierfahrer pendelten mehrmals am Tag zwischen Redaktion und Setzerei, mal waren die Texte zu lang, mal zu kurz. Man wundert sich im Nachhinein, wie die Redaktion unter solchen Umständen einmal im Monat ein Heft produzieren und rechtzeitig an die Kioske bringen konnte. 

Schwere Zeiten  

In den vergangenen 50 Jahren musste sich Cinema immer wieder mit gravierenden Veränderungen auseinandersetzen. Das Alleinstellungsmerkmal der Zeitschrift ging verloren, als die privaten TV-Sender in den 90er-Jahren selbst Making-of-Beiträge zu aktuellen Filmen produzierten und ausstrahlten. Wie ein Film entsteht, war nun kein großes Geheimnis mehr. Das Aufkommen des Internets war für Cinema Segen und Fluch zugleich. Denn Informationen und Kritiken zu aktuellen Kinofilmen waren nun jederzeit verfügbar – nicht nur für die Redakteure, sondern auch für die Leser. Und auch die Corona-Krise stellte die Redaktion vor besondere Herausforderungen. Denn in der Welt, über die sie berichtete, herrschte nun absoluter Stillstand. Die Filmstudios und die Kinos waren geschlossen. Und doch entstanden in dieser Zeit einige der besten und originellsten Ausgaben in der Cinema-Geschichte.  Besonders beliebt waren die historischen Interviews mit Hollywood-Legenden wie Alfred Hitchcock, Burt Lancaster oder Rock Hudson, die Scott Orlin in den Archiven der HFPA zutage förderte. Dass mit Disney+ ein weiterer Streaming-Gigant zu Beginn der Pandemie seinen Betrieb aufnahm – und für redaktionellen Input sorgte, war ein Glücksfall für die Redaktion. Kaum war die Corona-Pandemie zu Ende, sorgte auch schon die nächste Krise für Sorgenfalten auf der Stirn des damaligen Chefredakteurs Philipp Schulze: Der lang andauernde Streik der Schauspiel- und Drehbuch-Gewerkschaften sorgte für einen Produktionsstillstand in Hollywood – und Monate später für eine erneute Flaute in den Kinos. 

Highlights aus fünf Jahrzehnten  

Die wohl verrückteste Geschichte entstand 1997, als ein Cinema-Leser der Redaktion berichtete, Filmaufbauten in der Wüste Tunesiens gesichtet zu haben. Ein Redakteur ist sofort ins Flugzeug gestiegen, hat vor Ort einen Fesselballon gemietet und das Filmset von oben in Augenschein genommen. Eine Aktion, die sich lohnen sollte, denn bei den Dreharbeiten handelte es sich um einen neuen „Star Wars“-Film von George Lucas. Heimlich geschossene Fotos und Insider-Informationen einheimischer Taxifahrer lieferten die Grundlage für eine Story, die kurz darauf exklusiv in Cinema veröffentlicht wurde.    

Obwohl Cinema für seriöse Berichterstattung steht, führte sie ihre Leser in der Vergangenheit auch gern mal an der Nase herum. Besonders gelungen war ein Aprilscherz über das neue Filmprojekt von Oliver Stone, der nach „JFK“ einen Enthüllungsfilm über Franz Josef Strauß drehen wollte: Die Hauptrollen in „FJS“ sollten Marlon Brando (als Franz Josef Strauß), Danny DeVito (Helmut Kohl) und Kevin Costner (Willi Brandt) übernehmen.  

Für einen besonderen Kino-Talk war es der Redaktion zum Ende der Corona-Epidemie gelungen, den „Star Trek“-Veteranen William Shatner nach Deutschland zu holen. Eine absolute Seltenheit.  

Cinema – mehr als ein Film- und Serien-Magazin  

Cinema ist eine gestandene Marke, die jeder aus dem Filmbusiness kennt und liebt - für die Jubiläumsausgabe hat beispielsweise Filmregisseur und Drehbuchautor Simon Verhoeven („Willkommen bei den Hartmanns“) eine Ode an SEINE Filmzeitschrift verfasst. Für die Leser besitzt Cinema seit jeher einen hohen Stellenwert. Cinema bietet jene Orientierung, die die Gesellschaft heute – in Zeiten eines absoluten Überangebots an Bewegtbildinhalten – dringender braucht als je zuvor.   

Mit dem Jupiter Award, der von den Leserinnen und Lesern für herausragende Leistungen in nationalen und internationalen Film- und inzwischen auch Serienproduktionen vergeben wird, rief Cinema 1979 den zweiten großen deutschen Publikumspreis nach dem „Bravo Otto“ ins Leben.    

Die faszinierende Welt rund um Serien und Filme bringt Cinema seinen Fans auch in Podcasts, Büchern und mit einem jährlichen Filmplakat-Kalender näher und erweitertet damit stetig seinen Markenkosmos.   

Autor:in
Franziska Hippe
Senior PR Manager | BAMBI, Focus, Bunte, Screens
Franziska.Hippe@burda.com
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Weitere Impressionen & Downloads

Im großen Jubiläumsheft von Cinema hat Simon Verhoeven eine liebevolle Ode an SEINE Filmzeitschrift formuliert © Cinema 

Nicht nur große neue Filmprojekte, sondern Cinema selbst war in diesem Jahr mehrfach Talkthema im Magazin © Cinema 

Unbedingt reinhören! In der Special-Podcast-Folge “Cinema Classics – Der Making-of-Podcast – 50 Jahre Cinema” erzählt Cinema-Redakteur Ralf Blau Cinema-Redaktionsleiterin Lisa Schwarz alles über die spannende Entwicklung der Medienmarke – vom Taschenbuch bis zum multimedialen Produkt © Cinema 

Cinema feiert 50 Jahre! Im Laufe des Jahres hat die Cinema-Redaktion in diversen Specials die bewegende Historie nachgezeichnet © Cinema 

Was wäre ein Magazin über Bewegtbildinhalte ohne direkten Draht nach Hollywood? Für die großen Hollywoodstudios, aber mittlerweile auch die Streaming-Dienste, ist Cinema eine wichtige Säule in der Promotion © Cinema 

Seit 50 Jahren begeistert Cinema seine Fans und Leser:innen mit Einblicken in die Film- und Serienwelt © Cinema 

Oliver Noelle und Lisa Schwarz führen seit 2023 gemeinsam die erfolgreiche Medienmarke © Oliver Walterscheid für Hubert Burda Media 

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