Die Zukunft Europas im Focus
03.02.2020

Der erste EuroMinds Wirtschaftsgipfel

Die Zukunft Europas im Focus
03.02.2020

Der erste EuroMinds Wirtschaftsgipfel

Unter dem Motto „Die Zukunft Europas“ fand der erste „EuroMinds Wirtschaftsgipfel“ an einem denkbar historischen Datum statt: Der erste Konferenztag markierte auch den offiziellen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Wo positioniert sich Europa zukünftig auf dem Weltmarkt? Welche Werte vertreten wir in Europa? Wie sind wir im internationalen Wettbewerb in den Bereichen Digitalisierung, Klimaschutz, Mobilität, Arbeit und Bildung aufgestellt? Diesen und weitere Fragen widmeten sich 47 hochkarätige Panelteilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Rahmen eines zweitägigen Konferenzprogramms.

Den Menschen im Focus

Das Nachrichtenmagazin Focus hat die Veranstaltung gemeinsam mit „Sören Bauer Events" ins Leben gerufen, um Entscheidungsträger mit Menschen aus der Mitte der Gesellschaft zusammenzubringen und die großen Zukunftsthemen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Rund 800 Bürger waren der Einladung in das Helmut-Schmidt-Auditorium der Hamburger Bucerius Law School gefolgt. „Hamburg ist der ideale Ort für einen deutsch-europäischen Wirtschaftsgipfel, weil wir uns durchaus als eine europäische Modellregion verstehen“ erklärte Hamburgs erster Bürgermeister Tschentscher in seiner Eröffnungsrede als Schirmherr des Gipfels. „'EuroMinds' richtet sich an alle Menschen, die die Zukunft mitgestalten wollen und den Wandel als Chance sehen“, sagte BurdaNews-Geschäftsführer Burkhard Graßmann zum Auftakt der Veranstaltung.

Brexit als Neuanfang

Im ersten Panel „Europa im Focus“ diskutierte Sabine Christiansen mit Europa-Experten über die europapolitischen Prioritäten und Herausforderungen für 2020. Optimistisch zeigte sich dabei der ehemalige EU-Parlamentarier Elmar Brok. Neben den negativen wirtschaftlichen Folgen des Brexits sieht Brok darin auch die Chance für einen Neuanfang: „Lass uns jetzt die EU endlich besser machen“, forderte er die Panelteilnehmer auf. Auch der Gesandte der britischen Botschaft Robbie Bulloch schlug in seiner Keynote versöhnliche Töne an: „Wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren, was uns eint, nicht was uns trennt“, so Bulloch. Focus-Money-Redakteur Timo Baudzus sprach anschließend mit Bulloch, Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel und Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann über die Folgen des Brexits für die Finanzmärkte.

Schwachstelle Digitalisierung

Doch auch die Schwachstellen der europäischen Politik wurden klar benannt. Im Bereich der Digitalisierung bescheinigten die Panelteilnehmer der EU sogar einen „Totalausfall“. China und die USA hätten Europa bei zukunftsweisenden Themen wie Big Data oder künstliche Intelligenz längst abgehängt. Der bekannte Philosoph und ehemalige Kulturstaatsminister Nida-Rümelin warnte darüber hinaus vor einer Monopolisierung der digitalen Infrastruktur durch Internetgiganten wie Facebook, Google und Amazon. Der Cambridge Analytica-Skandal hätte gezeigt, dass wir es längst mit einem dramatischen Verfall der politischen Kultur im Netz zu tun haben. Es sei jetzt an der Zeit, einen „europäischen Weg der Digitalisierung“ einzuschlagen, der „humaner, ökonomisch effizient und sozial eingebettet ist“, so Nida-Rümelin auf dem „EuroMinds"-Gipfel.

Die Zukunft der Arbeit

Längst hat die Digitalisierung alle Lebensbereiche erfasst und wird auch die Arbeitswelt und das Bildungssystem in Europa radikal verändern. Was braucht Deutschland, um diesen Umbau erfolgreich zu bewältigen? Darüber diskutierte Jan Wolf Schäfer, Mitglied der Focus-Chefredaktion, unter anderem mit dem SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Box-Legende Henry Maske sowie Christiane Haasis und Angela Nelissen, Vice Presidents Refreshment DACH Unilever. Die beiden Frauen erzählten wie sie bereits vor zehn Jahren das Experiment "Job Sharing" erfolgreich im Unternehmen eingeführt haben und seitdem eine Unilever-Doppelpitze bilden. New Work, flexible Arbeitsmodelle seien richtige Ansätze lobte Lars Klingbeil, aber er sehe vor allem die Schulen in der Pflicht, wenn es darum ginge, die Gesellschaft auf eine moderne Arbeitswelt vorzubereiten. „Der Wettkampf läuft. Der digitale Aufbruch in Deutschland muss jetzt passieren“, mahnte Klingbeil.

Henry Maske plädierte dafür, das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken und Plattformen wie „EuroMinds" dafür zu nutzen. Auch Katharina Fegebank, Hamburgs zweite Bürgermeisterin, forderte mehr Mut zu Verantwortung und „Can-do-Spirit“ von allen Beteiligten, um Veränderungen nicht nur „passieren zu lassen, sondern aktiv und beherzt mitzugestalten“, so Fegebank.

Europas Wertebasis

Ein weiteres zentrales Thema bei „EuroMinds" war die Verteidigung eines gemeinsamen europäischen Wertesystems. Das Bewusstsein für fundamentale Menschen- und Bürgerrechte in Europa sahen die Gipfelteilnehmer als wichtigstes Gut und Rüstzeug an, um die großen Veränderungen dieser Zeit erfolgreich zu bewältigen. Bunte-Chefredakteur Robert Pölzer diskutierte unter anderem mit der SPD-Politikerin Gesine Schwan, der früheren Integrationsbeauftragten Aydan Özoğuz (SPD) und dem Hamburger Unternehmer Ian Karan über Integration und warf dabei einen kritischen Blick auf die deutsche Willkommenskultur. Laut Schwan sei Offenheit und Respekt gegenüber fremden Kulturen sowie eine Verständigungsfähigkeit die wichtigste Voraussetzung, um als Gesellschaft in dieser Welt zu bestehen. Auch Renate Künast beklagte am zweiten Konferenztag einen allgemeinen „Werteverlust und eine Verrohung der Umgangskultur in Europa“. Unternehmen würden hier eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung tragen, der sie in Zukunft besser gerecht werden müssen. Ebenso sei aber auch mehr bürgerschaftliches Engagement gefragt, so Künast zu dem „EuroMinds"-Publikum.

Dauerthema Klimanotstand

Ein allgegenwärtiges Thema, das nicht auf der Agenda Europas fehlen darf: der Klimawandel. Was muss Politik, Wirtschaft, Medien, aber auch jeder einzelne tun, um unseren Planeten zu retten? Oder ist das alles nur „Panikmacherei“? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das letzte Panel zur europäischen Klima- und Umweltpolitik. Die Medienpsychologin Maren Urner forderte zunächst weniger Scheindebatten. Medien sollten ihre Relevanzkriterien neu überdenken und Bürger lösungsorientiert nach vorne schauen. Carsten Liesener, CEO von Siemens Smart Infrastructure Europe, plädierte für mehr Mut mit Blick auf die Zukunft und appellierte an alle Unternehmen, sich ambitionierte Ziele zu setzen. „Wir müssen uns trauen, groß zu denken“, so Liesener. Siemens habe bereits vor sechs Jahren angekündigt, in 2030 komplett klimaneutral zu sein und sei mit gutem Vorbild vorangegangen.

Die Energie- und Mobilitätswende als zentralen Antwort auf den Klimawandel wurde in weiteren hochkarätig besetzten Panels diskutiert. Focus-Chefkorrespondent Daniel Goffart sprach unter anderem mit Schauspieler Francis Fulton-Smith, Aurubis-Manager Ulf Gehrkens und Klimaforscher Manfred Fischedick über das Ende der fossilen Energieträger und die Energiequellen der Zukunft.

Europa als Weltmacht

Bei all den unterschiedlichen Themen, Akteuren und Perspektiven gab es einen Konsens, der sich zum Ende des ersten „EuroMinds" Gipfels abzeichnete: Nur gemeinsam, im Schulterschluss von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft können wir die großen Herausforderungen unserer Zeit wirksam bekämpfen. Auch der ehemalige EU-Kommissar Günther Oettinger sprach sich für einen intensiveren Dialog zwischen den einzelnen Gruppen der Gesellschaft aus. Ein Format wie „EuroMinds" würde hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem der Wirtschaftsgipfel „weit über Hamburg hinausstrahlt“, so Oettinger. Hinsichtlich Europas Zukunft zitierte er abschließend den französischen Präsidenten Macron: „Wenn Europa sich nicht als Weltmacht begreift, wird es verschwinden“, so Oettinger.

Kostenfreies Bildmaterial vom ersten EuroMinds Wirtschaftsgipfel zur redaktionellen Nutzung finden Sie hier auf Flickr.

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Weitere Impressionen & Downloads

Sabine Christiansen moderierte das Panel „Europa im Focus“ mit Christos Stylianides, Prof. Henning Völpel, Peter Jungen, Elmar Brok und Karl Gernandt (c)Sören Bauer Events

Box-Legende Henry Maske mit Christiane Haasis und Angela Nelissen, Vice Presidents Refreshment DACH Unilever (c)Sören Bauer Events

Focus-Strategiedirektor Sebastian Doedens mit dem ehemaligen EU-Kommissar Günther Oettinger (c)Sören Bauer Events

Veranstalter Sören Bauer, BurdaNews-Managing Director Malte von Bülow, Iris Graßmann und BurdaNews-Chef Burkhard Graßmann (c) Sören Bauer Events

Bunte-Chefredakteur Robert Pölzer moderierte das Panel „Werte und Haltung der Gesellschaft im 21. Jahrhundert“ 8c) Sören Bauer Events

Focus-Money-Redakteur Timo Baudzus moderierte das Panel „Wirtschaft und Finanzen“ (c) Focus-Money-Redakteur Timo Baudzus moderierte das Panel „Wirtschaft und Finanzen“

Hamburgs erster Bürgermeister Tschentscher in seiner Eröffnungsrede als Schirmherr des Gipfels (c) Sören Bauer Events

Focus-Chefkorrespondent Daniel Goffart moderierte das Panel „Energiewende“

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