Eatbetter Day
21.06.2021

Die 100 besten Eco-Hacks

None

Save the date! Am 24. Juni ist Eatbetter Day! Das Digital-Event findet in Kooperation mit der BurdaVerlags-Initiative For Our Planet statt und wird dieses Mal live über Facebook gestreamt. Im Rahmen des „3. digitalen Eatbetter Days“ lassen wir Experten zum Thema Food & Nachhaltigkeit sprechen. Mit dabei: Katarina Schickling, Dokumentarfilmerin, Ernährungsexpertin und Sachbuchautorin mit Schwerpunkt auf Nahrungsmitteln und der dazugehörigen Industrie. In ihren Büchern "Der Konsumkompass" und "Die 100 besten Eco-Hacks" nimmt sie unser Einkaufs- und Ernährungsverhalten unter die Lupe und gibt viele praktikable Tipps. Im Interview verrät die Expertin, was wir mit einem geänderten Konsumverhalten alles für die Umwelt bewirken können. Und am Eatbetter Day, um 15.30 Uhr, erzählt sie in Ihrem Vortrag „Konsumkompass – was Sie wirklich für ein nachhaltigeres Leben wissen müssen“ warum wir eine "Verbraucherrevolution" brauchen.

In Ihrem Buch „Die 100 besten Eco Hacks“ geben Sie Tipps zu den Themen Essen, Reisen, Shopping, Energie und Abfall. Klingt, als sei es anstrengend, ein nachhaltiges Leben zu führen...

Ich finde nicht – viele Tipps lassen sich umsetzen, ohne dass man auch nur ein kleines bisschen Lebensqualität verliert. Manchmal muss man einfach die Dinge nur mal durchdenken. Zum Beispiel bei der morgendlichen Dusche: Meine Eltern sind den Schritt von der Seife zum Duschgel nie gegangen und machen dadurch alles richtig – viel weniger Verpackung, weniger Chemie im Abwasser, und auch der Transport ist viel nachhaltiger, weil wir mit Flüssigkeiten ja auch immer überwiegend Wasser und damit unnötiges Gewicht durch die Gegend fahren. Wir brauchen eine Verbraucherrevolution. Denn es lohnt sich, Konsumentscheidungen infrage zu stellen. Benötige ich das wirklich? Oder ist etwas Nachhaltigeres womöglich genauso schön?

Was sind eigentlich „nachhaltige“ Lebensmittel und wo kauft man die am besten ein?

Ganz grob gesagt: saisonale Lebensmittel aus der Region, mit möglichst wenig Stationen zwischen Erzeugung und Verbrauch. Die gibt es in Hofläden oder auf Märkten, wo die Erzeuger ihre Produkte direkt vermarkten. Inzwischen findet man auch viele Obst- und Gemüsesorten im Internet aus Crowdfarming-Projekten. Vorteil: all diese Waren sind auch meistens frischer und damit nicht nur nährstoffreicher, es landet auch weniger in der Tonne. Und dann sind tierische Produkte natürlich ein Thema: Fleisch und Butter haben von allen Lebensmitteln die schlechteste CO₂-Bilanz. Andererseits ist etwa Weidehaltung von Rindern oder Schafen auf vielen Böden, die sich nicht gut für Ackerbau eignen, eine sinnvolle Art der Nutzung. Deshalb würde ich Fleisch und Milchprodukte nicht komplett verteufeln. Aber das sollte mit Augenmaß auf den Tisch. Exotische Lebensmittel, Fleisch und Fisch sollten Delikatessen für besondere Mahlzeiten sein, nicht unsere tägliche Nahrung.

Muss man Veganer werden, um das Klima zu retten?

Man sollte zumindest seinen Fleischkonsum reduzieren – Rind hat die schlechteste CO₂-Bilanz, gefolgt von Schaf, Ziege, Schwein und Huhn. Unbedingt die ganzen Tiere verwerten – da sind Crowdbutchering-Plattformen wie Grutto eine gute Hilfe. Hühner immer im Ganzen kaufen und zubereiten. Fisch ist nur bedingt eine Alternative: Wegen der extremen Überfischung und den problematischen Zuständen in Fischfarmen sind eigentlich nur Karpfen, Wels und Austern wirklich uneingeschränkt zu empfehlen.

Was ist Ihre liebste Food-Sünde?

Ganz klar: die Avocado. Esse ich wirklich gerne, aber auch da muss man sehr genau hinschauen, wo die Früchte herkommen. Ich kaufe meine Avocados während der Saison bei einem spanischen Bio-Crowdfarming-Projekt, die mit sehr nachhaltigen Bewässerungsmethoden arbeiten.

Welche Essensretter-Plattformen können Sie empfehlen?

Die Apps „Too good to go“ und „ResQ“ bieten Gastronomen und Lebensmittelhändlern die Gelegenheit, Speisen kurz vor Ladenschluss zu reduzierten Preisen abzugeben – und Ihnen die Chance, Essen zu retten und gleichzeitig Geld zu sparen. Einfach Postleitzahl eingeben, abholen und genießen! Mit der App „UXA“ können Sie ihre überschüssigen Lebensmittel Nutzern in Ihrem Umkreis anbieten, etwa wenn der Kühlschrank noch halb voll ist und Sie in den Urlaub fahren. Das funktioniert bisher allerdings nur in einigen Großstädten.

Was halten Sie von Fleischersatz-Produkten?

Ich würde, wenn ich auf Fleisch verzichten möchte, lieber einfach etwas Anderes essen. Ersatzprodukte sind in aller Regel stark verarbeitet, und damit das dann irgendwie fleischähnlich schmeckt, brauchen die Hersteller Geschmacksverstärker und Aromen aus dem Chemiebaukasten. Wenn, dann unbedingt auf heimische Ausgangsprodukte achten – also lieber aus Erbsen oder Lupinen als aus Soja. Kleiner Tipp für Gluten-Vermeider: Seitan, aus dem viele Fleischersatz-Produkte bestehen, ist nichts anderes als pures Gluten…

Apropos fleischlos: Warum sind so viele Gemüse – sogar Salatgurken – in Plastik verpackt?

Wenn eine Gurke zwei Wochen unterwegs ist, bevor sie den heimischen Kühlschrank erreicht, hält sie so länger. Und dann verhindern Händler so zuweilen, dass Sie die Bio-Gurke als konventionelle Ware durch die Kasse schmuggeln. Aber glücklicherweise setzt hier gerade wahrnehmbar ein Umdenken beim Handel ein.

Was sind da die typischsten Müll-Trennungsfehler?

Sortiermaschinen können Materialien nicht trennen. Alles, was aus mehreren Komponenten besteht, wird aussortiert und verbrannt. Also, zum Beispiel, unbedingt den Joghurtdeckel vom Becher trennen, auch da wo Alu und Plastik in der gleichen Wertstoffsammlung landen. Übrigens: „Bio-Plastik“ ist Greenwashing in Reinform. Auf vielen Verpackungen steht „kompostierbar nach EU-Norm“. Diese Norm wird aber von praktisch keiner Verrottungsanlage erfüllt. Deshalb muss das ganze vermeintliche Bio-Plastik mühsam aussortiert werden und landet dann in der Müllverbrennung.

Was ist mit vermeintlicher „Bio-Kosmetik“?

Ganz schwieriges Thema: Anders als bei Lebensmitteln gibt es hier keine verlässlichen gesetzlichen Vorgaben. Grundsätzlich darf jeder alles „Bio“ oder „Öko“ nennen und trotzdem problematische Inhaltsstoffe verwenden. Die Verbraucherzentrale Hamburg und das Portal Utopia sind gute Quellen, wenn man herausfinden möchte, wie nachhaltig ein Produkt tatsächlich ist.

Haben Sie auch einen Tipp für nachhaltige Mode?

Ich finde grundsätzlich jede Secondhand-Plattform gut, die dafür sorgt, dass Kleidung ein zweites Leben bekommt. Ich persönlich verkaufe viel über Momox, weil ich nicht die Zeit habe, jedes Stück einzeln zu vermarkten. Meine Tochter hingegen liebt Vinted. Zum Einkaufen bevorzuge ich Second-Hand-Läden – ich möchte gerne Sachen anfassen und probieren, bevor ich sie kaufe.

Und wie geht umweltfreundliches Reisen?

Das ökologisch beste Verkehrsmittel ist ein voll besetzter Reisebus – aber eben auch sehr langsam. Beim Campen hängt es davon ab, wer wohin reist – vier Personen im Campingbus am Bodensee, das ist auf jeden Fall gut. Wer zu zweit mit dem riesigen Campingmobil nach Süditalien fährt, ist schon wieder deutlich schlechter unterwegs. Generell gilt: Bus und Bahn sind besser als PKW und viel besser als das Flugzeug. Und es gibt so viele attraktive Reiseziele, die sich ohne Flug erreichen lassen. Denn an sich ist jeder Flug schlecht. Langfristig hoffe ich, dass die Politik dafür sorgt, dass weniger klimaschädliche Treibstoffe zur Verfügung stehen. Bis dahin sollte man zumindest Flüge kompensieren. Ich mache das über Atmosfair und verdreifache immer den Betrag, den mir die Plattform errechnet. Was man wirklich lassen sollte, sind Kreuzfahrten. Das ist die unökologischste Art zu reisen – und zugleich bringt man kaum Wertschöpfung in die bereisten Länder, weil man ja fast alles an Bord konsumiert.

 Wie ist ihre Meinung zu E-Autos und E-Rollern?

E-Roller sind das überflüssigste Verkehrsmittel von allen. Das ist nur da sinnvoll, wo der Einsatz eine Autofahrt ersetzt. Aber meiner Erfahrung nach ersetzt der Roller eher Wege zu Fuß oder mit dem Rad, und das ist beides ökologisch besser. Der größte Wahnsinn dabei geschieht nachts: wenn Dieseltransporter durch die Stadt fahren und die E-Roller zum Laden einsammeln. Im Moment sind E-Autos die einzige echte marktfähige Alternative zum Verbrenner. Was das Batteriethema betrifft: Da arbeiten hochbezahlte Lobbyisten mit viel Elan an der Diskreditierung der E-Autos. Oft wird mit alten Zahlen operiert und viel getrickst.

Wie kann man daheim am besten Strom sparen?

Die Stiftung Warentest hat zuletzt 2012 Ökostromanbieter getestet. Neueren Datums ist der Test der Zeitschrift Ökotest. Das Umweltportal Utopia hat 2019 sieben besonders sauber arbeitende Erzeuger empfohlen. Wenn Sie die Möglichkeit haben, selbst Strom zu erzeugen, etwa durch ein Solarpanel auf dem Dach, leisten Sie einen wertvollen Beitrag zum Umbau unseres Energiesystems. Beim Umweltbundesamt gibt es eine Broschüre zum Energiesparen im Haushalt, die Sie herunterladen oder per Post bestellen können, mit Zahlen zum Stromverbrauch und guten Praxistipps, die Sie hier finden. Ganz generell gilt: Es gibt keine wirklich umweltverträgliche Weise, Strom zu erzeugen. Strom ist immer böse. Also so wenig Energie verbrauchen wie möglich!

Alle  Infos, Interviews und Tipps für eine umweltfreundliche Ernährung erhalten Sie auf www.burda.com/de/eatbetter/.

PDF
Weitere Impressionen & Downloads

Dokumentarfilmerin, Ernährungsexpertin und Sachbuchautorin Katarina Schickling (c) Michael Jungblut

Passend zu diesem Artikel
Slowly Veggie
Das Rezept für zeitgemäßen Lifestyle
Slowly Veggie
Das Rezept für zeitgemäßen Lifestyle

Zur Premiere in der IVW-Meldung in Quartal II/2021 verzeichnet Slowly Veggie im Schnitt 99.349 verkaufte Exemplare pro Ausgabe. Das entspricht seit dem Launch 2013 einem Wachstum von über 300%.

Eatbetter Day
So geht nachhaltiger Genuss!
Eatbetter Day
So geht nachhaltiger Genuss!

„Gesünder essen und dabei Natur & Klima schonen“ – das war das Motto unseres 3. digitalen "Eatbetter Days“ am 24. Juni.  

Eatbetter
"Wir brauchen eine Ernährungswende"
Eatbetter
"Wir brauchen eine Ernährungswende"

Tanja Dräger de Teran, ist WWF-Referentin für nachhaltige Ernährung und Landnutzung. Am 24. Juni verrät sie im Eatbetter Day-Vortrag, was eine "Planetary Health Diet" ist und was „Besseresser:innen“ anders machen.