Netdoktor
18.11.2020

Dr. Google mit Risiken und Nebenwirkungen

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Da wäre mehr Rat als nur von Arzt und Apotheker notwendig gewesen. Offensichtlich hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Beipackzettel schon mit der Gründung seines staatlichen Gesundheitsportals gesund.bund.de vor zweieinhalb Monaten weggeworfen. Aber die Risiken und Nebenwirkungen seines jüngsten Deals mit Dr. Google sind noch sehr viel weitreichender. Die problematische und hoch umstrittene Sondervereinbarung zwischen Spahn und dem Internet-Suchdienst Google hat sein Gesundheitsportal auf Platz 1 in den Suchergebnissen katapultiert. Das gefährdet nachhaltig die Medien- und Pressefreiheit und bringt nicht nur eine ganze Branche in Rage.


„Es ist auch eine schlechte Nachricht für Rat suchende Internetnutzer, denn an vielen Stellen sind Spahns in Rekordzeit aus dem Boden gestampfte Gesundheitsseiten weder vollständig, noch sind sie frei von dem Verdacht, dass politisch heikle Themen einfach ausgeklammert oder einseitig dargestellt werden.“

Jens Richter, Netdoktor-Chefredakteur, COO und Mediziner


Staatliche Gesundheitsinformationen auf Rezept des Ministers

„Die Voraussetzung für gute Entscheidungen ist nicht nur Qualität der Information, sondern ebenso deren Vielfalt“, betont Richter. „Denn auch in der Medizin gibt es nicht nur eine Wahrheit. Deshalb verspricht Google – und ist auch dazu verpflichtet – alle Informationsangebote nach den gleichen Maßstäben zu behandeln und die jeweils besten in den Suchergebnissen am besten sichtbar zu machen. Doch dieses Versprechen hat Google nun gebrochen: Es hat mit dem Bundesminister für Gesundheit, Jens Spahn, einen Pakt geschlossen, der sicherstellen soll, dass dessen staatliches Gesundheitsportal stets ganz oben in den Suchergebnissen erscheint – ganz unabhängig davon, ob dessen Inhalte tatsächlich besser sind als die von Angeboten wie NetDoktor, die über Jahrzehnte von Medizin- und Digitalexperten für Sie entwickelt wurden. Was Sie jetzt bekommen, ist eine vom Minister verordnete staatliche Gesundheitsinformation.“

Naives Bündnis mit dem Monopolisten

„Ja, der Gesundheitsminister mag Recht haben: Es gibt nur wenige Bereiche unseres Lebens, in denen vertrauenswürdige Informationen so wichtig sind, wie im Bereich Gesundheit. Aber die Behauptung, ein staatliches Informationsangebot sei die beste Antwort, zeugt von einem sehr fragwürdigen Verständnis von der Rolle freier Medien in einer freien Gesellschaft. Und von unfassbarer Naivität gegenüber dem Suchmaschinen-Monopolisten Google, der am Ende vor allem eins will: noch mehr Geld verdienen“. Lesen Sie „Wir informieren Sie weiter rezeptfrei“, den vollständigen Kommentar in eigener Sache von Netdoktor-Chefredakteur Jens Richter hier.

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Jens Richter, Netdoktor-Chefredakteur, COO und selbst Mediziner (c) Netdoktor

Netdoktor.de, das meistbesuchte Gesundheitsportal in Deutschland (c) HBM

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