BurdaVerlag
20.08.2025

„Eine Redaktion der deutschen Einheit” - 35 Jahre SuperIllu

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Vor 35 Jahren erschien die erste Ausgabe von SuperIllu und schnell etablierte sie sich zur meistgelesenen Kaufzeitschrift in den ostdeutschen Bundesländern. Gerald Praschl ist seit der Gründung im Jahr 1990 Teil der Redaktion. Als junger Reporter erlebte er die turbulente Anfangszeit in Ost-Berlin, begleitete den Wandel der Nachwendejahre und prägt bis heute als Politikchef das Magazin. Im Gespräch erinnert sich Praschl an die ersten Redaktionsmonate, an die Rolle der SuperIllu als Kompass für die Ostdeutschen in der Transformationszeit – und blickt auf ein Deutschland, das 35 Jahre nach der Einheit zusammengewachsen ist.  

Zwei Welten prallen aufeinander – und wachsen zusammen 

Im Frühjahr 1990 fand sich eine kleine Truppe von Journalisten aus Ost und West zusammen, um SuperIllu ins Leben zu rufen. Gerald Praschl, damals 22 Jahre alt, war mit Abstand der Jüngste im Team. „Die Redaktion bestand etwa zur Hälfte aus ost- und westdeutschen Journalisten“, erinnert er sich. Viele ostdeutsche Kollegen kamen direkt von DDR-Medien, wie der Programmzeitschrift „FF dabei“ oder dem Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst (ADN). Die westdeutschen Teammitglieder stammten aus Burda-Redaktionen in Westdeutschland oder von anderen Zeitschriften wie der „Quick“, bei der auch Jochen Wolff, der erste Chefredakteur der SuperIllu, lange tätig gewesen war. Der Auftrag für SuperIllu kam von keinem anderen als Verleger Hubert Burda, für den das Projekt ein großes Anliegen war. Er selbst unternahm viele Reisen in den Osten und nach dem Mauerfall bot sich endlich die Möglichkeit, für die ostdeutsche Bevölkerung eine eigene Zeitschrift auf den Markt zu bringen.  

Zunächst fehlte es jedoch an Infrastruktur. Wochenlang traf man sich zu Redaktionssitzungen in improvisierten Büroräumen: Hotelzimmer dienten als Konferenzzimmer, „die einen saßen auf der Couch, die anderen auf der Bettkante.“ Als man einige Wochen später in richtige Büroräume umzog, waren diese ausgerechnet im Gebäude der einstigen SED-Nachrichtenagentur ADN – ein Haus mit symbolträchtiger Geschichte. Zehn Monate zuvor, am 7. Oktober 1989, war genau dort eine Demonstration vorbeigezogen, bei der tausende DDR-Bürger den verängstigten ADN-Redakteuren zuriefen: „Schreibt keine Lügen mehr!“. Freundlich begrüßt von Pförtner Klaus, der schon 20 Jahre zuvor jeden empfing, der das Gebäude betrat, „marschierten wir nun jeden Morgen fröhlich und voller Schaffenskraft zu unseren Redaktionsräumen“, erinnert sich Praschl.  

Das Zusammentreffen von Ost- und West-Journalisten bei SuperIllu war geprägt von Freude über die Einheit, aber auch Skepsis am Gegenüber: „Nach Jahren der Gängelung durch die SED-Zensur genossen die ostdeutschen Kollegen die neue Pressefreiheit ebenso und halfen uns 'Wessis' auch dabei, den Osten zu verstehen“, betont Praschl. Aber wie im Großen gab es auch in der kleinen Redaktion anfänglich Vorbehalte: Manche Ost-Kollegen fühlten sich von den „Wessis“ bevormundet, während einige West-Kollegen „dem Job im 'wilden Osten' bald den Rücken kehrten.” Trotz aller Anfangsschwierigkeiten wuchs jedoch schnell ein gemeinsamer Spirit. „Es war von Anfang an eine Redaktion der Deutschen Einheit“, so Praschl rückblickend.  

Die 90er Jahre  

Von der ersten Ausgabe an positionierte sich SuperIllu als Unterhaltungszeitschrift für die ganze Familie mit politischem Anspruch. Die Mischung kam an: sehr schnell wurde sie zur reichweitenstärksten Zeitschrift Ostdeutschlands, an der in den neuen Bundesländern praktisch niemand vorbeikam – bis heute. „Wer als Politiker im Osten wahrgenommen werden will, wird sich bemühen, dass wir ihn wahrnehmen. Spitzenpolitiker fast aller Bundestagsparteien bemühen sich nicht nur vor Wahlen, mit uns ins Gespräch zu kommen”, erklärt Praschl.  

Neben Unterhaltung setzte SuperIllu in den Anfängen vor allem auf journalistische Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und packte genau die Themen an, die Ostdeutschland in den 90ern bewegten. Gleich in den ersten Jahrgängen veröffentlichte das Magazin Enthüllungen über bislang unbekannte Kapitel der DDR-Zeit. Auch ehemalige SED-Spitzenfunktionäre suchten über SuperIllu den Weg in die Öffentlichkeit – teils, um erstmals Reue zu zeigen. So druckte das Heft reumütige „Beicht-Interviews“ mit hohen SED-Funktionären wie Günter Kleiber oder FDGB-Chef Harry Tisch, die Fehler eingestanden und bei den Ostdeutschen um Verzeihung baten. Weniger reuig zeigten sich andere Interviewpartner wie der letzte SED-Generalsekretär Egon Krenz oder Stasi-Spionagechef Markus Wolf, doch auch ihren Stimmen gab das Magazin Raum. Zugleich wandten sich zahlreiche Opfer des SED-Regimes an die Redaktion, um ihre Geschichten erzählen zu können.  

Diese schonungslose Aufarbeitung war in den Nachwendejahren ein heiß diskutiertes Thema und spaltete bisweilen Familien – die einen wollten Vergangenes lieber ruhen lassen, die anderen drängten auf Aufklärung. Heute, 35 Jahre nach der Wiedervereinigung, wird der Rückblick auf die DDR gelassener und differenzierter geführt. 2019 veröffentlichte SuperIllu ein Sonderheft mit einer großen Chronik der DDR-Geschichte. Überraschenderweise erhielt die Redaktion daraufhin von ganz unterschiedlichen Seiten Zustimmung und Lob. Für Praschl war das „ein Zeichen, dass ein gemeinsames Narrativ nicht mehr weit ist“, zu dem SuperIllu seinen Teil beigetragen hat, wie er hofft.  

Kompass und Sprachrohr im Vereinigungsprozess

Im schwierigen Transformationsprozess der 90er-Jahre war SuperIllu für Millionen Ostdeutsche ein wichtiger Kompass. Das Magazin bot konkrete Orientierungshilfe im neuen Alltag. Vor allem der umfangreiche Ratgeber-Teil erklärte die zuvor unbekannte Welt der Marktwirtschaft und Demokratie, gab wertvolle Tipps und warnte die Leser vor Fallen und Betrügern – gerade in den ersten Jahren nach der Wende leider ein allzu verbreitetes Problem. Doch nicht nur praktische Lebenshilfe zeichnete das Heft aus. Gleichzeitig griff die Redaktion alle wichtigen gesellschaftlichen Debatten jener Zeit auf. „Ein Anwalt des Ostens zu sein, aber auch ein Bote der Einheit, der um gegenseitiges Verständnis wirbt, waren und sind uns ein wichtiges Anliegen“, betont Praschl. Mit anderen Worten: SuperIllu kämpfte für die Interessen der Ostdeutschen, bemühte sich aber zugleich, Brücken zum Westen zu bauen und für gegenseitiges Verständnis zu werben. Dieses Selbstverständnis prägt das Heft bis heute. 

35 Jahre später: Zusammengewachsen – mit neuen Herausforderungen 

Wie steht es nun 35 Jahre nach der Wiedervereinigung um das Zusammenwachsen von Ost und West? Willy Brandts hoffnungsvolle Prognose von 1990 – „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“ – hat sich in weiten Teilen erfüllt, meint Gerald Praschl. Die neuen Bundesländer haben seit 1990 eine enorme Entwicklung genommen. „Aus dem Land, aus dem man Ende der 80er nur noch weglaufen wollte, ist wieder eine lebenswerte Heimat geworden, in der auch junge Menschen gern ihre Zukunft suchen“, sagt er. In vielen Regionen Ostdeutschlands herrscht heute nahezu Vollbeschäftigung; die Lebensverhältnisse sind mit denen im Westen weitgehend vergleichbar. Natürlich gebe es fortbestehend Unterschiede: niedrigere Durchschnittslöhne, weniger große Industriebetriebe und geringeres Privatvermögen im Osten. „Aber das ist kein Wunder, wenn man bedenkt, was 40 Jahre kommunistische Diktatur angerichtet haben“, gibt Praschl zu bedenken. Wichtig sei der Trend: „Es gibt sehr gute Perspektiven, dass sich auch diese ‚kleinen‘ Unterschiede noch angleichen.“ Die großen politischen Themen unterscheiden sich heute jedenfalls nicht mehr zwischen Ost und West. Ob Migration, Landesverteidigung, Russlandpolitik, die Sorgen um die Wirtschaft oder der Streit um die Energiewende – Ost- und Westdeutsche beschäftigen dieselben Fragen.  

Meinungsstarkes, faktenbasiertes Familienmagazin für Ostdeutschland 

Ein Blick auf aktuelle politische Stimmungen zeigt allerdings auch neue Spaltungen im ganzen Land. So erzielt die AfD in Ostdeutschland derzeit deutlich höhere Zustimmungswerte als im Westen. Wie geht die Redaktion damit um? Praschl ordnet zunächst ein: nicht nur im Osten, auch in vielen westdeutschen Regionen feiert die AfD Erfolge – vor allem in ländlichen Gebieten. „Schaut man auf Wahlergebnisse, stellt man fest, dass die AfD in ländlichen Gegenden weit höhere Stimmenanteile erhält als in Großstädten. Das ist in Ost wie West so“, erklärt er. Ostdeutschland ist insgesamt dünner besiedelt und ländlicher strukturiert als der Westen, dadurch komme - neben anderen Einflussfaktoren – in der Summe ein höherer AfD-Wert zustande. Der gesellschaftliche Kulturkampf, der hinter dem Aufstieg der AfD steckt, tobt in ganz Deutschland und ähnlich auch in anderen westlichen Ländern. 

Das Team der SuperIllu möchte weder polemisieren noch moralisieren, sondern vor allem informieren. Praschl beschreibt die Linie so: „Wir liefern in dieser Debatte Fakten zum Mitreden.“ Das heißt, die Redaktion präsentiert neutral und sachlich alle relevanten Fakten: sie legen die unsäglichen Entgleisungen mancher AfD-Funktionäre offen, gleichzeitig berichtet SuperIllu aber ebenso ungeschönt über die Missstände und politischen Versäumnisse, die den Aufstieg der AfD begünstigt haben. Mit diesem umfassenden Ansatz – Kritik an Extremismus auf der einen, Benennen realer Probleme auf der anderen Seite – möchte das Magazin die hitzige Diskussion an Stammtischen und Küchentischen versachlichen und professionalisieren. Praschl ist überzeugt: „Am Ende entscheidet der Bürger, wo es langgeht. Es wäre gut, wenn er das auf der Basis sachlicher Debatten tut. Als Journalisten verstehen wir uns als Moderatoren eben dieser Debatten“, sagt er. Genau diesem Anspruch will SuperIllu auch in Zukunft treu bleiben – als meinungsstarkes, faktenbasiertes Familienmagazin für Ostdeutschland und als Brücke zwischen Ost und West. 

Ein Grund zum Feiern! 

Im Zeichen von 35 Jahren Deutscher Einheit veröffentlichte SuperIllu kürzlich ein Sonderheft. Wer einen Blick in das Heft wirft, findet neben einer umfassenden DDR-Chronik, spannende Rückblicke und eine ehrliche Bilanz zum vereinten Deutschland. Die SuperIllu-Mitarbeitenden sind sich im wahrsten Sinne einig: neben den bekannten Herausforderungen sind 35 Jahre Einheit allen voran „ein Grund zum Feiern“! 

Ansprechpartner:in
Verena Bücher
Senior PR Manager
verena.buecher@burda.com
Autor:in
Maria Elena Köck
Praktikantin
Maria.Koeck@burda.com
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Weitere Impressionen & Downloads

Ein Promotion-Trabi für SuperIllu - die Zeitschrift erschien erstmals am 23. August 1990, sechs Wochen vor der Deutschen Wiedervereinigung, ©SuperIllu

Die SuperIllu-Redaktion im Jahr 1991, die zu Beginn im ehemaligen ADN-Gebäude in Berlin-Mitte ihren Sitz hatte © SuperIllu

Die SuperIllu-Redaktion heute um Chefredakteur Stefan Kobus (1. Reihe vorne, Mitte), ihren Sitz hat sie jetzt in der BurdaVerlags-Dependance am Heiligegeistkirchplatz in Berlin © SuperIllu

Das Cover der SuperIllu-Erstausgabe vom 23. August 1990 © SuperIllu

Das Cover der SuperIllu-Jubiläumsausgabe vom 21.08. 2025 © SuperIllu

Das Cover des SuperIllu-Sonderhefts zu 35 Jahre Deutsche Einheit, das unter der Leitung von Politikchef Gerald Praschl konzipiert wurde © SuperIllu

Das Inhaltsverezeichnis des SuperIllu-Sonderhefts zu 35 Jahre Deutsche Einheit © SuperIllu

Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, Gerald Praschl (links) und SuperIllu-Chefredakteur Stefan Kobus (rechts) im Bundeskanzleramt © Uwe Toelle/SuperIllu

Gerlad Praschl (links) im Interview mit dem ehemaligen Bundeskanzler Olaf Scholz © Andreas Wetzel/SuperIllu

SuperIllu-Politikchef Gerald Praschl und der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck © SuperIllu

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