Florian Weiß - CEO bei Jameda
18.02.2019

„Florian, willst Du mit mir gehn?“

Florian Weiß - CEO bei Jameda
18.02.2019

„Florian, willst Du mit mir gehn?“

Es ist 8:30 Uhr morgens in München. Das Thermometer zeigt -7 Grad an. Ein klirrend kalter Wintertag ist angebrochen. Dick vermummte Passanten latschen lustlos zur Arbeit. Autos mit frostigen, halb aufgekratzten Fensterscheiben ziehen an mir vorbei und plötzlich kommt Florian Weiß, CEO von Jameda, mit seinem Fahrrad angerauscht. Guten Morgen!

Nie im Winterschlaf

Heute begleite ich Florian zur Arbeit - mit einem Leihrad der Stadt, denn mein eigenes liegt noch im Winterschlaf. Florians Rad ist allerdings schon seit Jahrzehnten im Einsatz, verrät er: „Das habe ich von meiner Oma zur Konfirmation bekommen, als ich 14 Jahre alt war“, sagt der gefühlte Zweimetermann. Er war scheinbar schon als Kind groß gewachsen, denn die Rahmengröße des Drahtesels passt noch.

Raum für den Moment

Es geht los. Wir starten an der Isarbbrücke am Baldeplatz. Entlang des Ufers geht es an kahlen Bäumen vorbei. Auf dem breiten Fahrradweg sind wir heute fast die einzigen. Das sind die Momente, in denen Florian nichts tut, außer im Moment zu sein – keine Musik, kein Podcast stört das Rauschen des Flusses. „Die Digitalisierung hat dazu geführt, dass wir jede freie Minute optimieren können. Das ist auch gut so. Aber es lässt wenig Raum für Zufälle und für den Moment." „Transit-Strecken“, wie den Weg zur Arbeit, könne man gut dazu nutzen, mal wieder kurz Zeit mit sich selbst zu verbringen, erklärt er. 

Vernetzen und optimieren

Wenn man so will, ist „Optimieren“ Florians Hauptberuf, er steuert Deutschlands größte Arztempfehlung. Mit Jameda optimiert er das Arzt-Patienten-Verhältnis laufend. Die Arztsuche sowie die Terminverarbeitung bis hin zur Vereinbarung von Videosprechstunden sind auf der Plattform nur wenige Klicks entfernt. Das Team, das das alles ermöglicht, wächst ebenso wie die Nutzerzahlen. Neue Jameda-Standorte entstehen derzeit in Städten wie Frankfurt, Köln, Stuttgart, Berlin und Hamburg.

Wie kann man ein so rasch wachsendes Team auf die gleiche Unternehmensvision einschwören, frage ich ihn. Er kann ja nicht ständig überall sein. Er antwortet mit einem Zitat aus einem Buch, das er gerade liest: „Du kannst einen Pinguin nicht mit 'nem Arschtritt auf den Baum jagen.“ Es sei ihm wichtig, die Menschen so einzusetzen, dass sie in ihrer Aufgabe aufgehen und damit ihr Bestes geben können. Denn mangelnde Leistung basiere meistens auf einem fehlenden Fit zwischen Aufgabe und Persönlichkeit. Doch auch dann sei unternehmerischer Erfolg kein Selbstläufer: „Wir versuchen eine offene und transparente Kultur zu schaffen, in der starke Meinungen gehört und Kontroversen geführt werden. Denn echte Agilität braucht Mitarbeiter, die die übergeordnete Vision und Strategie kennen und Verantwortung übernehmen.

Bergauf

Die Straße wird steiler, es geht den Berg hoch. Das ist Florians erste Hürde des Tages. Wir treten in die Pedale. Mit so manchen Hürden hatte anfangs auch Jameda als junges Startup zu kämpfen. Mittlerweile jedoch, und daran hat Jameda sicher einen großen Anteil, ist ein Umdenken erkennbar. „Die technologische Entwicklung der letzten 10 Jahre ermöglicht es Gründern heute, mit überschaubaren Investitionen echte Veränderungen im Gesundheitsbereich zu bewirken“, erklärt er. Innovationen seien heute eher das Ergebnis einer „Graswurzelentwicklung“ als das politischer Großprojekte.

Bergab

Am Abend wird die steile Straße, die er morgens erzwungen hat, zur Belohnung. Da kann er das Fahrrad einfach bergab laufen lassen, „Und manchmal auch die Gedanken des Arbeitstages abstreifen“, erklärt er.

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