Eatbetter Day
23.06.2021

Food-Tipps vom Olympiasieger

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Save the date! Am 24. Juni ist Eatbetter Day! Das Digital-Event findet am 24. Juni in Kooperation mit der BurdaVerlags-Initiative For Our Planet statt und wird dieses Mal live über Facebook gestreamt. Im Rahmen des „3. digitalen Eatbetter Days“ lassen wir Experten zum Thema Food & Nachhaltigkeit sprechen. Heute: Thomas Röhler. Der Speerwerfer aus Jena war schon 2016 Olympiasieger und träumt auch jetzt wieder davon, das Feuer brennen zu sehen und sich bei der Olympiade in Tokio (23.7.-8.8.) mit den besten Athleten der Welt zu messen. Er hat alles dafür getan, damit er bei den Wettkämpfen ganz vorne dabei sein kann, hat in der Pandemiephase gut trainiert und bewusst gegessen. Seit er im Juli 2020 Vater geworden ist, lebt der Edeka-Botschafter gesünder als je zuvor und beschäftigt sich und sich noch intensiver mit Ernährungs- und Nachhaltigkeitsthemen. Beim Eatbetter-Day am 24. Juni zeigt der 29-Jährige auf dem Eatbetter Facebook-Kanal ab 7.30 Uhr im Morning-Workout, wie er sich fit hält. Und hier im Interview verrät er uns seine Sieger-Diät.

Wie sieht Ihr konkreter Ernährungsplan vor einem sportlichen Großereignis aus? Und wo bleibt da der Genuss?

Speerwerfen bedeutet bewusste, sportgerechte Ernährung, aber ich arbeite nicht strikt nach Plan. Ernährung ist ein sehr großer Performance-Faktor – man isst sehr bewusst und weiß, wie Trainings- und Ernährungsplan zusammenpassen. Fast Food ist also gar nicht meins. Ich bin aber trotzdem jemand, der beim Einkaufen auch spontane Entscheidungen zulässt. Wir essen daheim ganz natürlich und immer mehr Obst und Gemüse aus unserem eigenen Garten. Wir sind echte Selbstversorger geworden! Gerade in den Sommermonaten funktioniert das sehr gut. Wenn es in Richtung Wettkämpfe geht, arbeiten wir mit einer sogenannten „Wohlfühl-Ernährung“. Das ist eine sportgerechte Ernährung, bei der es völlig in Ordnung ist, auch mal ein Stück Kuchen zu essen – als Belohnung für das gute Training.

Sind Süßigkeiten Ihr kleines Laster?

Ich liebe süße Desserts wie Tiramisu! Für mich bedeutet gutes und auch hochwertiges Essen immer ein Stück weit auch Wohlfühlen. Das ist ein sehr wichtiger Teil des Lebens und wir nehmen uns reichlich Zeit dafür. Im Winter trainieren wir mit sehr intensiven Crossfit-Einheiten, bei denen richtig Kalorien drauf gehen: 5.000 – 6.000 Kilokalorien-Verbrauch ist gar kein Problem an solchen Tagen. Also können wir uns auch kleine, süße Sünden mit entspannter Miene erlauben. Im türkischen Trainingslager in Belek zum Beispiel gab es Baklava, das ist auch ein toller Nachtisch!

Wer kocht bei Ihnen daheim – Sie oder Ihre Verlobte Lucia Schauerhammer?

Wir können beide kochen und backen und es ist auch sehr schön, wenn man das miteinander teilt und das Kochen nicht eine Notwendigkeit ist, sondern Entspannung und Hobby. Dann macht das Mittel zum Zweck viel mehr Spaß und man nimmt sich auch die Zeit für ein gutes Lebensmittel.

Was steht bei Ihnen auf der Einkaufsliste? Was ist erlaubt, was nicht?  

Was wir meiden, sind industriell verarbeitete Lebensmittel. Wenn man sie lange genug weggelassen hat, schmecken sie einem auch gar nicht mehr. Wir setzen lieber auf frische Zutaten, viel Gemüse, pflanzliche Lebensmittel und natürlich selbst Angebautes aus dem eigenen Garten. Wir haben sogar frische Eier direkt von unseren glücklichen Hühnern. Strikte No-Gos gibt es an der Stelle nicht, wir essen allerdings wenig weißen Zucker und arbeiten mit Alternativen, um das Süße in Maßen zu halten.

Kaufen Sie mit einem festen Speiseplan im Blick ein oder lassen sie sich vor Ort inspirieren?

Nein, ich habe keinen festen Speiseplan und lasse mich spontan inspirieren. Saisonale und regionale Produkte sind mir wichtig, dafür gehe ich auch gerne mal auf den Wochenmarkt und schaue, was mich anspricht. Somit ist der Speiseplan auch immer abhängig vom Angebot. Ich liebe es, Lebensmittel einzukaufen, auch wenn es im Sportler-Alltag häufig sehr zeitintensiv ist. Ich erledige das gerne vor dem Training. Der Markt öffnet bereits um sieben Uhr, aber für mich als Frühaufsteher ist das gar kein Problem.

Als Sportler ist gesundes Essen ja der „Treibstoff“, der Ihnen Kraft gibt. Wie wichtig ist Ihnen dabei als Vater – auch mit Blick auf kommende Generationen – die Nachhaltigkeit der Lebensmittel?

Das ist ein sehr wichtiger Punkt und auch einer, der uns in der Erziehung unseres Sohnes viel bedeutet. Wir wollen ihm früh zeigen, dass Nahrung nicht immer in der Plastikverpackung zu uns kommt. Für Nahrung muss man arbeiten und da müssen auch andere Menschen für arbeiten. Das sollte, wenn die Wirtschaftskette gesund ist – und das ist sie aktuell definitiv nicht – unter ökologischen Aspekten geschehen. Und zwar so, dass über Generationen hinweg unsere Erde überhaupt noch in der Lage ist, uns mit Nahrung zu versorgen, Es gibt viele Länder, in denen der Joghurt mehr nach Reagenzglas schmeckt als nach Kuh und Weide – da läuft was schief. Und mir, als bewusster Esser, fällt das immer mehr auf. Zum Glück gibt es durchaus den weltweiten Trend hin zu einer nachhaltigen Ernährungsweise. Aber es gibt noch viel Nachholbedarf und da ist, meiner Meinung nach, gerade die Konsumentenscheidung des Einzelnen entscheidend. Mir als Sportler sind hochqualitative Lebensmittel extrem wichtig. Die Tomate, die in meinem Gewächshaus gewachsen ist, die ich selbst gegossen habe, die ist langsam gewachsen und bringt mir einfach mehr Nährstoffe. Als Sportler kann ich das enorm wertschätzen und gerade als Gesundheitsfaktor ist dieses Wissen für jeden da draußen sehr wichtig. Regional und biologisch erzeugte Lebensmittel sind für uns, aber auch für unseren Planeten einfach ein Muss.

Wie unterstützen Sie örtliche Händler, Bauern und kleine Tante Emma-Geschäfte?

Wir kaufen regional und versuchen, so viel wie möglich, selber anzubauen – das ist nachhaltig. Es haben natürlich nicht alle das Glück, einen Garten zu besitzen, aber die Konsumentenentscheidung haben wir alle selbst in der Hand. Das ist nicht preisabhängig, sondern eine Frage des Mindsets. Von wem kaufe ich was? Wo kommt das Produkt her? Wie wurde das Produkt erzeugt? Was kommt da genau auf meinen Teller? Danach sollte man dann die Kaufentscheidung treffen.

Wie kann man den Anteil an verarbeiteten Lebensmitteln verringern, die uns nicht nur durch Zusatzstoffe, sondern auch durch Verpackungsmüll belasten?

Indem man sich Zeit nimmt für die Zubereitung und das Thema insgesamt. Im stressigen Alltag ist es nicht immer leicht, sich damit zu beschäftigen. Viele sagen jetzt bestimmt „Ach der Sportler hat gut reden“ – aber wir Athleten haben einen echt engen Zeitplan. Wir trainieren viel, haben Sponsoren-Verpflichtungen und Medientermine. Für mich ist der Punkt Ernährung aber so eng mit meiner persönlichen Gesundheit und der Gesundheit meiner Familie verkoppelt, dass ich an dieser Stelle keine Abstriche machen und nochmal betonen möchte, dass man sich diese Zeit auch nehmen sollte. Man kann die nötigen Konsumentscheidungen treffen und so die Wertschöpfungskette im Bereich Ernährung positiv beeinflussen. Und so auch positive Folgen erzielen beim Verpackungsmüll und der Umweltbelastung. Durch regionalen Anbau und Viehzucht schafft man mehr Zonen für Natur und das ist essenziell für uns und die nächsten Generationen. Das ist alles sehr eng miteinander verwoben und mir als Sportler ein wichtiges Anliegen. Wir versuchen auf Plastik zu verzichten, indem wir auf Mehrwegprodukte zurückgreifen. Wenn ich zum Bäcker oder auf den Markt gehe, nehme ich den guten alten Stoffbeutel mit – es sind ganz oft auch die einfachen Dinge, die viel bewirken.  

Wie können Sie als Vorbild dazu beitragen, die Welt für uns und unsere Kinder gesünder und nachhaltiger zu gestalten?

Als Sportler ist man automatisch Vorbild, vor allem für junge Menschen, aber auch für Sportfans der älteren Generation. Da können wir mit unserer Stimme viel bewirken. Fakt ist aber, dass wir als Sportler durch das viele Reisen keinen optimalen ökologischen Fußabdruck haben. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie er damit umgeht. Wir können aber in dem Bereich unserer eigenen Handlungsfähigkeit im Privaten, im sportlichen Bereich und bei unseren Konsumentscheidungen agieren und mit dieser Einstellung andere motivieren. Als Sportler sind wir viel in Schulen und Vereinen unterwegs, also ganz nah dran an den Kids – dort können wir unsere Stimme nutzen. Und durch Aktionen, wie den Eatbetter Day, für wichtige Themen sensibilisieren.

Sie lieben die Natur, gehen zur Entspannung oft angeln und fotografieren gerne Tiere. Fast jeder dritte Deutsche lebt allerdings in einer Großstadt und hat weniger Bezug zur Natur wie Landmenschen. Wie kann man Städtern einen besseren Kontakt zur Natur vermitteln?

Ich glaube, das fängt schon früh an. Kinder sind immer sehr angetan, wenn sie in den Streichelzoo gehen, Zeit in der Natur verbringen und dabei Dinge erklärt bekommen. Erwachsene sollten sich die Zeit nehmen, ihren Kindern Zusammenhänge zu erklären: Warum ist der Regenwurm so wichtig dafür, dass eine gesunde Möhre aus dem Boden wächst? So etwas können Kinder schon früh verstehen und da müssen wir ansetzen, um diese Generation mitzunehmen und tatsächlichen Wandel zu schaffen. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass das mediale Bild alle gemeinsam mitgestalten, dass Natur eben schützenswert und ein geteilter Lebensraum ist. Wir teilen Natur mit Wildtieren und Fauna. Im Prinzip sind wir Menschen auch nur Gast. Eben dieses Verständnis müssen wir rüberbringen. Als naturverbundener Mensch weiß ich das und verhalte mich dementsprechend. Nicht jeder mag die Natur, es gibt eben Stadtmenschen. Aber auch denen dem muss klar sein, wie wichtig die Natur ist. Sonst kriegen sie auch nicht mehr gute Lebensmittel im Laden nebenan, Wenn die Natur nicht mehr intakt ist, bekommen sie in der Stadt auch keine guten Lebensmittel mehr. Im Prinzip ist es ein Wissenstransfer, der einfach geschehen muss.

Was glauben Sie, wie wird unsere Ernährung in zehn oder zwanzig Jahren aussehen?

Da gibt es, glaube ich, nur zwei Szenarien: ein sehr düsteres und ein positives. Die Frage ist, wie wird sich die Weltbevölkerung entwickeln und wie schaffen wir es, in einer sehr globalisierten Welt das Thema anzupacken? Auf regionaler Ebene kann man sehr viel erreichen. Meine Verlobte engagiert sich auch in einem regionalen Projekt und tut Gutes im Bereich Ernährung. Ich glaube, wenn viele junge Menschen anpacken und bestehende Landwirtschaften ihr Wirtschaften nachhaltig gestalten, dann kann man ein positives Bild zeichnen. Gerade zeigt der aktuelle Trend aber eher, dass unsere zukünftige Nahrung aus dem Reagenzglas kommt, synthetisch und industriell, um auf Masse zu kommen, weil Flächen beispielsweise für Treibstoff gebraucht werden. Das sehe ich eindeutig kritisch und hoffe wir können die Natur für die nächste Generation bewahren.

Alle Infos, Interviews und Tipps für eine umweltfreundliche Ernährung finden Sie auf www.burda.com/de/eatbetter/.

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