Datenschutz
20.06.2022

#Frag den Chef: Jürgen Kempter

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Wer zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, hat bereits die erste Hürde im Bewerbungsverfahren überwunden. Wie kann man sich nun auf dieses Gespräch vorbereiten? Wie tickt der oder die zukünftige Chefin? Die Serie #FragdenChef gibt einen Einblick in die Arbeit der Abteilung. Heute steht uns unser Konzern-Datenschutzbeauftragter, Jürgen Kempter, Frage und Antwort.

Die Cybersicherheits-Behörde des Bundes warnt seit dem Ukraine-Krieg verstärkt vor russischen Hackerangriffen. Wie schützt Ihre Abteilung 11.000 Burda-Mitarbeitende vor Attacken, wenn alle durch einen falschen Klick in einer Phishing-Mail zum Einfallstor für Kriminelle werden können?

Cybersicherheit ist nicht erst seit Beginn des Ukraine-Kriegs ein aktuelles Thema und die Kolleg:innen der iSecurity sind in diesen Tagen besonders aufmerksam, um mit BurdaSolutions unsere Daten und die IT-Infrastruktur vor Angriffen zu schützen und die Kolleg:innen zu sensibilisieren. Wir von Corporate Data Privacy sind immer dann mit eingebunden, wenn es um personenbezogene Daten geht und das ist oft. Ich kann nur wiederholen, was wir in allen Schulungen betonen, es kommt auf die Wachsamkeit jedes(r) Einzelnen an. Lieber einmal mehr nachgedacht oder beim ISO oder DSK nachgefragt als leichtfertig geklickt.

Ihr Beruf als Konzern-Datenschutzbeauftragter ist nicht nur relevant, sondern hat auch eine schicke Bezeichnung: CDPO, Corporate Data Privacy Officer. Was fasziniert Sie an dem Job?

Die stetig gestiegenen Anforderungen an den Datenschutz, verbunden mit den in den letzten Jahren bekanntgewordenen Bußgeldern in Millionenhöhe, haben die Aufmerksamkeit und Relevanz für den Datenschutz in Unternehmen verstärkt. Sie müssen nachweisen, dass der Datenschutz gut organisiert ist und gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. Das erfordert vermehrte Anstrengungen zum Schutz personenbezogener Daten. Wenn wir unsere Businessmodelle betrachten, ist es sicher kein Geheimnis, dass in allen Bereichen personenbezogene Daten von Konsument:innen, Geschäftspartner:innen oder Mitarbeiter:innen verarbeitet werden.

Es fasziniert mich, mit Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen (Jurist:innen, Techniker:innen, Marketingspezialist:innen u.a.) gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Ich sehe meine Aufgabe darin, gemeinsam mit meinem Team die datenschutzrechtlichen Anforderungen zu erkennen, daraus die für das Business notwendigen Schlussfolgerungen zu ziehen und die Kolleg:innen bei der Umsetzung der Anforderungen und bei konkreten Fragestellungen zu beraten. Und ich zeige die Grenze des Machbaren auf. Ein Job, der jeden Tag neue Herausforderungen mit sich bringt und ein Betätigungsfeld in welchem manches, sowohl rechtlich als auch technisch, noch im Fluss ist. Ein „schicker“ Titel ist da eher Nebensache.

Seitdem im Jahr 2018 die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) anwendbar wurde, gibt es in dem Markt kaum noch Personal. Womit locken Sie kompetente Bewerber:innen?

Mit einem spannenden Tätigkeitsspektrum. Hubert Burda Media hat so viele Facetten – von der journalistischen Kompetenz, unseren Online-Aktivitäten, dem E-Commerce Umfeld bis hin zu den technischen Bereichen. Wir sind also nicht vergleichbar mit einem rein produzierenden Industrieunternehmen oder anderen vermeintlich bekannteren Unternehmen mit einem eingeschränkten Produkt- oder Dienstleistungsportfolio. Außerdem haben wir hier bei Corporate Data Privacy ein großartiges, engagiertes Team sowie gute flexible Arbeitsbedingungen und diverse Weiterbildungsmöglichkeiten. Aber selbstverständlich stellen wir auch Anforderungen an potenzielle Kolleg:innen.

Auch der Datenschutz von Bewerbungsunterlagen unterliegt der DSGVO. Ist Social Monitoring erlaubt? Und was sind absolute No-Gos?  

Den Namen eines Bewerbers zu „googeln“ oder Informationen über Bewerber auf beruflichen Netzwerken wie Xing oder LinkedIn einzuholen, ist heutzutage sicher Standard und auch aus Datenschutzsicht nicht verwerflich. Oftmals geben Bewerber:innen ja selbst einen Link zu ihrem Profil auf einem beruflichen Netzwerk an. Ein absolutes No-Go ist die Recherche im privaten Umfeld eines Bewerbers. Auch das Rückfragen beim aktuellen oder einem früheren Arbeitgeber ohne ausdrückliche Einwilligung der Bewerber:in ist nicht zulässig. Am besten man stellt sich einmal selbst die Frage: „Würde ich wollen, dass jemand hinter meinem Rücken Erkundigungen einzieht und welches Licht wirft dieses Vorgehen dabei auf den zukünftigen Arbeitgeber oder zukünftigen Chef?“

Welche Daten fallen Ihnen bei Bewerbungsunterlagen als Erstes ins Auge?

Was immer auffällt ist, wenn es Ungereimtheiten wie zeitliche Sprünge oder gar Lücken im Lebenslauf gibt. Dabei ist es sicher kein Problem, wenn jemand einmal eine Auszeit nimmt oder sich im Laufe des Berufslebens neu orientiert. So etwas halte ich persönlich sogar für vorteilhaft. Aber es sollte erklärbar sein. Außerdem ist in den Anschreiben erkennbar, ob sich der Bewerber oder die Bewerberin auch mit dem Unternehmen, bei dem er oder sie sich bewirbt beschäftigt hat, oder ob da ein „Standardschreiben“ versandt wurde.

Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen, wenn ich Data Privacy Specialist oder Head of Data Protection werden will?

Die Bereitschaft, immer wieder Neues lernen zu wollen. Man sollte Spaß daran haben, offen, aber auch klar mit Menschen zu kommunizieren. Ein Großteil der Tätigkeit besteht darin, Sachverhalte zu erfassen, mit gesetzlichen Vorgaben abzugleichen und praktikable Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Die Kolleg:innen benötigen für ihre Arbeit im Datenschutz sowohl juristisches als auch technisches Wissen. Ein juristisches oder technisches Studium sind sicher hilfreich, aber auch Bewerber:innen mit einschlägiger Berufserfahrung im Datenschutz haben eine Chance.

Wie läuft der Auswahl- und Bewerbungsprozess bei Ihnen ab?

Da der Markt für Datenschutzfachleute ziemlich leergefegt ist, läuft viel über Direktansprache oder Empfehlungen. Dabei und bei der Vorauswahl geeigneter Bewerber:innen unterstützen uns die Kolleg:innen vom Recruiting Center sowie Corporate HR sehr. Dann erfolgt ein Erstgespräch mit den Bewerber:innen. Dabei geht es um ein erstes Kennenlernen, das Abklopfen der Erfahrungen und Skills, der Erwartungshaltung an den Job und eine erste Einschätzung, ob jemand ins Team passt. In weiteren Gesprächen erfolgt dann gemeinsam mit den Kolleg:innen ein vertieftes Kennenlernen. Auch bei diesen Gesprächen ist es hilfreich, eine Kollegin oder einen Kollegen aus dem Recruting Center dabei zu haben. Gerade mit der Vorstellung der Bewerber:innen im gesamten Team habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, zum einen erhält man als Führungskraft zusätzlichen Input und zum andern erleichtert das erste Kennenlernen den späteren Einstieg in den Job für beide Seiten. Im Rahmen der Zweitgespräche werden mit den Bewerber:innen auch gerne einmal fiktive Datenschutzfälle angesprochen, um zu verstehen, wie Kandidat:innen mit solchen Fragestellungen umgehen.

Womit kann man Sie im finalen Vorstellungsgespräch am besten überzeugen? 

Mit einer realistischen und ehrlichen Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, einer klaren Vorstellung von dem, was Bewerber:innen beruflich wollen oder nicht. Dazu gehören sicher auch gute Fragen zur zukünftigen Aufgabe und den Arbeitsbedingungen. Nur wenn beide Seiten die Karten auf den Tisch legen, kann man auch eine gute Entscheidung für eine(n) zukünftige(n) Kolleg:in oder als Bewerber:in für einen Arbeitgeber und das Team treffen.

Was ist Ihr top Tipp für Berufsanfänger?

Begegnen Sie den neuen Kolleg:innen auf Augenhöhe und scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen und auch Hilfe einzufordern. Sowohl Besserwisser als auch Duckmäuser haben es schwer. Und: Datenschutz im Unternehmen ist weder etwas für „Nerds“ noch für „Erbsenzähler“, sondern echt superspannend.

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Jürgen Kempter, Konzern-Datenschutzbeauftragter © HBM

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