Interview
27.02.2023

#Frag die Chefin: Holidaycheck

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Wer zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, hat bereits die erste Hürde im Bewerbungsverfahren überwunden. Wie kann man sich nun auf dieses Gespräch vorbereiten? Wie tickt der oder die zukünftige Vorgesetzte? Die Serie #FragdenChef beantwortet diese Fragen und gibt allen Interessierten einen Einblick in die Arbeit der Abteilung. Heute steht uns Uta Fesefeldt, Vice President Finance bei Holidaycheck, Rede und Antwort.

Wie sieht bei Holidaycheck der Recruiting-Prozess im Detail aus? Und werden, wie sonst auch bei Holidaycheck, alle Leute gleich entspannt geduzt?  

Unser Recruiting-Prozess sieht drei Steps vor. In einem ersten Gespräch mit dem/der Bewerber:in werden Motivation und fachliche Qualifikation geprüft. Im Regelfall folgt dann eine Case Study, um die fachlichen Kompetenzen und die Herangehensweise des/der Kandidat:in noch besser zu verstehen. Sind diese beiden Schritte gemeistert, geht es ins sogenannte Final Interview. Hier sprechen die Bewerber:innen jeweils nacheinander mit zwei Personen aus dem Fachbereich, einer Kollegin oder einem Kollegen aus dem Bereich People & Culture und einer fachfremden Person, dem sogenannten „Jedi“. In allen Gesprächen spielen unsere Unternehmenswerte eine große Rolle.

Die Aufgabe des Jedis ist es insbesondere auf den Fit zur Unternehmenskultur zu achten und als „Bar Raiser“ zu fungieren, um unseren fachlichen wie persönlichen Anspruch an Bewerber:innen immer im Blick zu haben. Nach den Gesprächen treffen sich alle Interviewer zu einem sogenannten „Debrief“, in dem besprochen wird, ob und wie der/die Bewerber:in uns wirklich besser machen würde. Unser Prozess ist tatsächlich recht aufwendig, aber Bewerber:innen haben dadurch die Chance, über die Gespräche einen sehr guten Einblick in das Unternehmen zu bekommen und viele Fragen zu stellen. Was uns immer wieder von Kandidat:innen widergespiegelt wird, ist, dass die Interviews sehr angenehm und wertschätzend sind und sich die Bewerber:innen dabei sehr wohl fühlen. Wir leben von Anfang an eine reine Duz-Kultur, so dass auch unsere Bewerber:innen bereits geduzt werden, damit sie spüren, wie der Umgang bei uns im Unternehmen auch tatsächlich ist.

Bei Holidaycheck gibt es einen sogenannten „Onboarding-Roundtrip“. Können Sie beschreiben, was das genau bedeutet? 

Kolleg:innen, die bei uns starten, nehmen in den ersten zwei Wochen am sogenannten Roundtrip teil. In diesen Sessions erfahren sie etwas über unsere Strategie, Business-Modelle und Unternehmenswerte. Darüber hinaus lernen neue Kolleg:innen sämtliche Abteilungen kennen, d.h. jedes Team stellt die Teammitglieder, Aufgaben und Herausforderungen seiner Abteilung vor und steht für Fragen zur Verfügung. Darüber hinaus werden teilweise kleine Aufgaben gestellt, wie z.B. „Gib eine Hotelbewertung auf unserer Webseite ab“ und Fun Facts dürfen natürlich auch nicht fehlen. Uns ist wichtig, dass neue Kolleg:innen schnell einen Überblick über das Gesamtunternehmen bekommen, ein erstes Verständnis darüber, welche Funktion einzelne Abteilungen haben und wer die Ansprechpartner:innen sind. Das soll unsere neuen Kolleg:innen dafür rüsten, Zusammenhänge zu verstehen, ein Netzwerk aufzubauen und schnell Teil des Gesamtteams zu werden.

Sie haben mit der Holidaycheck Group im Januar den Burda-Award in der Kategorie Unternehmertum gewonnen. Wie ist Holidaycheck in der Krise die Transformation gelungen, um das Unternehmen nachhaltig profitabel aufzustellen?

Nach dem Wegbrechen der Umsätze aufgrund der mit Covid-19 zusammenhängenden Reiserestriktionen ging es zunächst natürlich darum, die Liquidität zu sichern und Kosten einzusparen. Hierfür haben wir Kurzarbeit beantragt und alle Funktionen, die nicht absolut notwendig waren, um die Gesellschaften am Laufen zu halten, im übertragenen Sinne „nach Hause geschickt“ – es waren ja bereits fast alle im Home Office. Darüber hinaus haben wir uns jede Kostenposition angeschaut und haben mit unseren Geschäftspartner:innen Reduktionen, Stundungen oder Vertragsaufhebungen verhandelt. Als absehbar war, dass die Krise länger anhalten würde, waren wir leider auch gezwungen, uns von Mitarbeiter:innen zu trennen und haben einen Sozialplan erstellt, um negative Folgen bestmöglich abzufedern. Darüber hinaus haben wir uns um staatliche Unterstützung bemüht und glücklicherweise hat uns der Schweizer Staat mit einem Kredit dabei geholfen, die schwierigste Phase zu überbrücken. (Hinweis: Der Großteil des operativen Geschäftes der Holidaycheck liegt in der Schweiz.) Außerdem haben wir unsere niederländischen Geschäfte Meteovista und Weeronline verkauft und eine große Kapitalerhöhung durchgeführt, die insbesondere durch Burda als Großaktionär bestritten wurde.

Neben diesen Finanzmaßnahmen haben wir unsere Strategie überprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir unsere Ausrichtung verändern wollen. Zum einen wollten wir unsere Plattform, die viel Traffic und eine hohe Reichweite hat, besser nutzen und zum anderen wollten wir uns diversifizieren. Traditionell sind wir im Bewertungs- und Reisevermittlungsgeschäft tätig, das wir mit nicht unerheblichen Marketingausgaben, insbesondere für die Neukundenakquise, betrieben haben. Durch den Aufbau des Club-Konzeptes „Holidaycheck Premium“ haben wir angefangen, Kund:innen durch verbesserte Leistungen enger an uns zu binden. Durch smarteres Marketing und den weiteren Ausbau von SEO-Traffic haben wir unsere Marketingkosten deutlich reduzieren können und konnten im Jahr 2022 trotzdem viele Buchungen einsammeln. Zudem haben wir unseren eigenen Veranstalter Holidaycheck-Reisen weiterentwickelt. Ein ganz wichtiger Schritt war es, uns als Medienplattform zu positionieren, die Vermarktung unserer Webseiten durch innovative Formate zu pushen und neue Partnerschaften abzuschließen. All diese Maßnahmen haben bereits im Jahr 2022 positive Wirkung gezeigt und wir konnten das beste Ergebnis der Firmengeschichte erzielen!

Als Vice President sind Sie für die Finanzen der Holidaycheck verantwortlich. Das Gesicht der Finanzwelt ist immer noch vorwiegend von Männern geprägt und es gibt kaum weibliche Finanzvorstände. Wie schafft man es als Frau, sich in diesem Sektor zu behaupten und welchen Rat können Sie jüngeren Kolleginnen geben?  

Ich glaube, dass es grundsätzlich in den obersten Führungsfunktionen zu wenige Frauen gibt, unabhängig von der Funktion. Das ist schon deshalb bedauerlich, weil Diversität und das Einbinden unterschiedlicher Perspektiven zu besseren Entscheidungen und damit zu erfolgreicheren Unternehmen führt. Daher hoffe ich sehr, dass sich künftig mehr Frauen trauen, aber auch, dass sie dabei gefördert werden.

Ein hohes Engagement im Job mitzubringen ist sicherlich eine wichtige Voraussetzung, um voranzukommen. Ich habe immer viel Leidenschaft eingebracht und mir macht es einfach Spaß, mich mit komplexen Sachverhalten auseinanderzusetzen, ein breites Themengebiet abzudecken, mich fachlich stetig wieder weiterzuentwickeln und viele Bälle in der Luft zu halten. Ein wichtiger Aspekt ist sicherlich auch, über den eigenen Tellerrand zu schauen, zu verstehen wie das große Ganze funktioniert, wie Prozesse abteilungsübergreifend laufen und welche Schnittstellen es gibt es, um Mehrwert für das Gesamtunternehmen zu stiften. Darüber hinaus spielt mein Verantwortungsgefühl, nicht nur für meinen eigenen Job, sondern auch für mein Team und heute natürlich für die gesamte Organisation eine Rolle.

Neben diesen eher „harten“ Eigenschaften zeichnen mich eine Reihe von „weiblichen“ Eigenschaften aus, wie Einfühlungsvermögen und Empathie, d.h. ein großes Interesse an Menschen und ihren Perspektiven, die ich wertschätze. Es geht mir nicht darum, meine Meinung um jeden Preis durchzuboxen, sondern darum, gute Kompromisse zu finden. Mir macht es Spaß, Menschen zu entwickeln und ihnen zum Erfolg zu verhelfen. Und ich würde mich als sehr authentische Person beschreiben, d.h. ich bin mir und meinen Überzeugungen treu, stehe zu meinen Schwächen und habe gelernt Emotionalität als Stärke zu begreifen.

Daher kann ich meinen Kolleginnen nur raten: macht das, woran ihr Freude habt, mit Leidenschaft. Versucht nicht, Männern nachzueifern, sondern steht zu euch und euren weiblichen Eigenschaften und entwickelt daraus Stärken.

Sie haben bereits 2011 bei Hubert Burda Media angefangen – was macht Ihren Job hier so spannend?

Ich bin 2011 zu Holidaycheck gekommen, damals gehörte die Firma zur börsennotierten Tomorrow Focus AG, die im Jahr 2015 umstrukturiert und in die Holidaycheck Group umfirmiert wurde. Seit November 2021 sind wir nicht mehr gelistet und rücken, noch immer in Form einer Aktiengesellschaft, immer näher an Burda heran und das ist super, weil ich dadurch großartige Menschen kennengelernt habe und ich überzeugt bin, dass wir unsere Geschäfte gemeinsam noch besser weiterentwickeln können.

Warum ich nach elf Jahren noch immer dabei bin? Weil sich in dieser Zeit unglaublich viel bewegt hat. Als ich angefangen habe, war die Holidaycheck noch fast ein Start-up und hat sich über die Jahre zu einem professionellen Konzern entwickelt. Das war insbesondere in der Finanzfunktion sehr spannend zu begleiten, aber auch aktiv mitzugestalten. Darüber hinaus gab es immer wieder neue Themen und Projekte, bei denen ich etwas dazu lernen konnte. Auch wenn die Corona-Krise natürlich alles andere als schön war, war das für mich beruflich eine besondere Herausforderung, die man vermutlich nur einmal erlebt: unglaublich anstrengend und mit hohem Druck verbunden, aber auch ein tolles Gefühl, wirklich einen Unterschied machen zu können. In all den Jahren hat mir die Holidaycheck hervorragende Weiterentwicklungsmöglichkeiten geboten. Ich bin aktuell in der sechsten Funktion, d.h. ich habe über die Jahre immer mehr Verantwortung übernehmen dürfen. Und ich bin immer noch hier, weil die Holidaychecker ein großartiges Team sind - viele unglaublich nette Menschen, die mit viel Leidenschaft dabei sind!

Derzeit suchen Sie gut 25 neue Kolleg:innen. Warum ist Holidaycheck nicht nur für Urlaubsbuchungen, sondern auch als Arbeitgeber attraktiv?  

Zum einen ist es sicherlich das Team und die Unternehmenskultur, die Holidaycheck auszeichnen. Neue Kolleg:innen werden sehr unterstützt und schnell nicht nur ins direkte Team, sondern in die gesamte Organisation integriert, was wir durch Maßnahmen wie den Roundtrip unterstützen, aber bereits im Recruiting („Teamfit“) berücksichtigen. Zum anderen organisieren wir Company Events wie das Summer Summit, die Weihnachtsfeier oder dieses Jahr alternativ die Neujahrsparty, zu denen die Mitarbeiter:innen aller Standorte zusammenkommen und feiern. Wir stellen Budgets zur Verfügung, die es insbesondere standortübergreifenden Teams ermöglichen, im Rahmen von Workshops und Teambuilding an einem unserer tollen Standorte (die bayerische Hauptstadt München, das beschauliche Bottighofen am schönen Bodensee, die lebendige Stadt Warschau und das universitäre Poznan) zusammenzukommen.

Darüber hinaus legen wir großen Wert auf die Weiterentwicklung unserer Kolleg:innen. Zum einen sind die Führungskräfte aufgefordert, Mitarbeiter:innen regelmäßig Feedback zu geben und die Weiterentwicklung zu unterstützen. Wichtig ist dabei zu berücksichtigen, was für den individuellen Mitarbeitenden am meisten Sinn macht. Hierbei kann es sehr unterschiedliche Maßnahmen geben, d.h. wir bieten eine Reihe interner Trainings an und greifen in Teilen auch auf den Trainingskatalog von Burda zu. Wir fördern und fordern unsere Kolleg:innen aber auch „on the job“, durch die Übernahme neuer Themen oder Projekte, durch Coaching durch die Führungskraft oder einen internen Mentor; oder schicken Kolleg:innen auf Konferenzen, bei denen sie als Teilnehmer:in oder auch als Speaker auftreten. Einmal im Jahr finden sogenannte Talent Board Konferenzen statt, in denen die Contribution, also der Beitrag zum Team-/Unternehmenserfolg und der Value Fit aller Mitarbeitenden besprochen wird und Entwicklungsmaßnahmen abgeleitet werden. Wir nehmen uns somit viel Zeit für unser wichtigstes Asset, die Mitarbeiter:innen.

Ein Pluspunkt ist sicherlich auch, dass wir für ein so schönes Produkt wie „Urlaub“ arbeiten und von der ein oder anderen Vergünstigung im Bereich Reise profitieren können.

Worauf achten Sie bei Bewerbungsunterlagen und womit kann man Sie im finalen Vorstellungsgespräch am besten überzeugen?

Ich schaue mir natürlich an, inwieweit bereits berufliche Erfahrungen gesammelt wurden, die auf die ausgeschriebene Stelle einzahlen. Auch sind IT-Affinität und Auslandserfahrung Aspekte, die ich positiv bewerte. Zudem schätze ich, wenn Bewerber:innen bereits in unterschiedlichen Firmen oder Funktionen Erfahrungen sammeln konnten, sofern es sich natürlich um seniorige Kandidat:innen handelt. Dann achte ich auf eine gewisse Stringenz und Zielstrebigkeit im Lebenslauf. Gibt es Lücken? Auszeiten? Dafür kann es durchaus gute Gründe geben, sie sollten jedoch beim Gespräch erklärt werden. Darüber hinaus ist für mich das Anschreiben sehr wichtig. Hat sich der/die Bewerber:in zumindest etwas mit dem Unternehmen auseinandergesetzt und nimmt Bezug zur ausgeschriebenen Stelle oder ist es ein 0815-Schreiben? Und genau damit kann man mich auch im Vorstellungsgespräch überzeugen. Fragen zum Unternehmen und zum Business, die zeigen, dass sich der/die Kandidat:in Gedanken zur Holidaycheck gemacht hat, unsere Werte kennt und sich mit ihnen identifizieren kann und idealerweise sich selbst kennt – dann ist viel gewonnen!

Was sind Ihre top Tipps für Berufseinsteiger:innen?

Fragen, Fragen, Fragen. Nutzt die Onboarding-Phase, um möglichst viel Wissen aufzusaugen! Wissen von den Tätigkeiten, die ihr dann übernehmen werdet, aber auch Wissen über das, was eure Kolleg:innen tun. Und: Versucht euch ein Netzwerk aufzubauen. Das hilft euch, wenn ihr mal Unterstützung braucht, aber es ist einfach auch toll, um Spaß bei der Arbeit zu haben.

Lust auf Urlaub, z.B. vor einem Jobwechsel? Hier gehts zu Holidaycheck-Reisen.

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Uta Fesefeldt ist Vice President Finance bei Holidaycheck © HBM

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