Aenne Burda
29.04.2021

Hidden Sheroes

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In den 50er Jahren gründete Aenne Burda die legendäre Näh-Zeitschrift Burda Moden (heute Burda Style) und öffnete damit Frauen weltweit die Tür zur Mode. Eine schöne Geschichte, würde man meinen, aber doch eben: Geschichte. Weit gefehlt! Die energische Powerfrau ist so aktuell und präsent wie nie: Neben ihrem eigenen Spielfilm und Instagram-Magazin ist sie jetzt auch in moderner Streetart vertreten. Kunstdesignerin Ellinor Amini hat sie in Leipzig auf Ablagekästen der Deutschen Post visualisiert. Im Interview verrät sie, wie sie damit auf die „Unsichtbarmachung“ von Frauen in der Geschichtsschreibung aufmerksam machen möchte.

Worum geht es bei deinem Projekt „Hidden Sheroes“?

Bei den verborgenen Heldinnen geht es darum, vergessene Frauen der Geschichte wieder sichtbar zu machen - als Kunst im öffentlichen Raum. Viele Frauen haben im Laufe der Geschichte Großes geleistet. Doch das Phänomen der „Unsichtbarmachung“ der Frau ist in der Geschichtsschreibung sehr häufig vorgekommen.

Weil die meisten Geschichtsschreibenden männlich waren, haben sie oft einen einseitigen Blick in die Vergangenheit geworfen und es wurde primär von männlichen Taten und Werken berichtet. Handelnde Frauen waren nicht gern gesehen und deshalb häufig herausgestrichen, also unsichtbar gemacht. Viele dieser Frauen haben einen bestimmten Fachbereich nachhaltig beeinflusst, sind aber außerhalb dieses Interessengebietes weitestgehend unbekannt, obwohl sie unser heutiges Leben nachhaltig geprägt haben. Wer kennt beispielsweise die Frau der Meere, Elisabeth Mann Borgese? Sie hat das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen begründet und ihr verdanken wir die Gesetze, die heute auf See gelten, darunter viele Umweltschutzmaßnahmen.

Was kann eine junge Frau heute noch von Aenne Burda  und anderen Hidden Sheroes lernen?

Was würden wir wohl ohne Aenne Burda tun, wenn sie nach dem Krieg nicht Generationen von Frauen zum Selbernähen von modischer Kleidung verholfen hätte? Sie war eine mutige Visionärin, die sich aus der ihrer Zeit vorgegebenen Rolle der Frau und Mutter emanzipiert hat. Von ihrem Mut und Unternehmerinnengeist können wir heute noch viel lernen.

Die gleichberechtigte Aufarbeitung unserer Geschichte ist deshalb sehr wichtig für eine gleichberechtigte Gesellschaft. Nur knapp 17 % aller Biografien auf Wikipedia sind über Frauen! Und in unseren Geschichtsbüchern in der Schule sieht es nicht viel besser aus. Für heranwachsende Frauen, die ihre Rolle im Leben und der Welt erst noch finden müssen, ist es von großer Wichtigkeit, dass sie verschiedene Lebensentwürfe und Werdegänge kennenlernen, um neue Wege zu gehen, bzw. neue Wege zu schaffen, wo bisher keine vorhanden sind. Dabei können historische Frauen eine Vorbildfunktion einnehmen und als Inspiration und Motivation dienen.

Was hast Du mit Aenne Burda gemeinsam und in welchem Punkt unterscheidet Ihr Euch?

Ich kenne Aenne Burda leider nur aus der Literatur, aber uns verbindet unsere Liebe zu Stoffen und Mode. Sie war eine große Inspiration für mein Studium in Mode- und Textildesign. Außerdem glaube ich, wir haben beide keine Scheu, neue Wege zu gehen. Mit ihrer Vision hat sie Generationen von Frauen neues Selbstbewusstsein gegeben und das bewundere ich sehr! Kleider machen Leute und der erste Eindruck zählt immer, das hat sie früh erkannt. Was uns unterscheidet? Ich denke vor allem die Zeit, in der wir leben und die damit verbundenen Motive und Ziele der jeweiligen Generation. Aenne Burda hat in einer Zeit gelebt, in der Frauen vor dem Gesetz noch nicht so gleichberechtigt waren, wie wir heute. Das hat sie nachhaltig geprägt. Ich lebe glücklicherweise in einer Gesellschaft, in der alle Menschen die gleichen Rechte haben. Ich möchte mit meiner Kunst dazu beitragen, dass diese gesetzliche Gleichberechtigung auch in den Köpfen und in den Geldbeuteln aller Menschen ankommt.

Vom Stoffdesign zur Kunst im öffentlichen Raum – beides macht Kunst der Masse zugänglich. Was willst du Passant:innen mit deinen Hidden Sheroes mitgeben?

Die Frauenaktivistin Louise Otto-Peters hat gesagt: "Die Kunst gehört nicht nur den Auserwählten, sondern allem Volk, sie gehört hinein in das Leben." In der heutige Zeit findet Kunst oft in geschlossenen Räumen statt und grenzt damit viele Menschen aus, das finde ich schade. Die Hidden Sheroes sind deshalb im öffentlichen (urbanen) Raum. Sie sind uneingeschränkt und barrierefrei zugänglich und unabhängig von finanziellen Mitteln und Öffnungszeiten. Damit findet eine Demokratisierung von Kunst statt, denn Kunst sollte für alle da sein!

Das Kunstwerk endet aber nicht auf der Straße, sondern über die Webseite Hiddensheroes.de kann man interaktiv partizipieren und die spannenden Biografien der Sheroes nachlesen. So kann sich jede:r Betrachter:in bei Interesse weiterbilden und sich inspirieren lassen.

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Weitere Impressionen & Downloads

Vergessenen Frauen der Geschichte ein Gesicht geben - Aenne Burdas Konterfei ist Teil der Aktion von Kunstdesignerin Ellinor Amini (c) Simon Sarfati

Aenne Burdas Porträt, interpretiert für das Hidden Sheroes-Projekt (c) Ellinor Amini

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