BurdaVerlag
05.03.2026

„Mentoring ist keine Einbahnstraße": Co-CEO Manuela Kampp-Wirtz über gelebte Führung und Sichtbarkeit

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Der internationale Weltfrauentag steht in diesem Jahr unter dem Motto #GiveToGain – Geben, damit andere wachsen können und dabei selbst stärker werden. Kaum irgendwo wird dieses Prinzip so unmittelbar sichtbar wie im Mentoring: wenn Menschen ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihr Netzwerk teilen, damit andere schneller, mutiger und selbstbewusster ihren Weg gehen können. Auch im BurdaVerlag ist dies ein wichtiges Thema, das Manuela Kampp-Wirtz als Co-CEO sehr am Herzen liegt und zu dem sie im Interview persönliche Erfahrungen teilt und darüber spricht, wie wichtig es für die berufliche Weiterentwicklung ist, gefördert und gesehen zu werden. Doch wie geht gute Förderung eigentlich? Was braucht es, damit Karrieren – insbesondere von Frauen – wirklich vorankommen und wie können wir alle im Sinne von #GiveToGain selbst aktiv werden?

Liebe Manuela, du hast vor Kurzem erzählt, dass dich eine Chefin sehr gefördert und geprägt hat. Gibt es einen Rat von ihr, der dich bis heute begleitet?

Meine damalige Chefin hat einmal zu mir gesagt: „Bleib authentisch", gerade als Frau. Sie meinte damit, dass man sich nicht an bestehende, lange Zeit männlich geprägte Führungsbilder anpassen muss, um erfolgreich zu sein. Man muss nicht den schwarzen Hosenanzug tragen, wenn er sich nicht richtig anfühlt,  entscheidend ist, dass man sich selbst treu bleibt. Genauso hat sie mir vermittelt, dass Empathie, Zuhören und ein gutes Gespür für Menschen keine „weichen“ Eigenschaften sind, sondern echte Führungsstärken. Das hat mir früh geholfen zu verstehen, dass unterschiedliche Perspektiven und Führungsstile Teams besser machen und man nicht erfolgreicher wird, indem man sich verstellt und anpasst, sondern indem man authentisch bleibt

Das Motto des Weltfrauentags 2026 lautet #GiveToGain. Was bedeutet dieses Motto für dich persönlich? Was „gewinnt“ eine Mentorin deiner Erfahrung nach selbst durch das Geben?

Ich finde #GiveToGain ein großartiges Motto. In einer Welt, die uns täglich mit Schlagzeilen über Krisen, Konflikte und Unsicherheiten konfrontiert, in der es oft mehr um Abgrenzung und um „mehr für mich“ als um Gemeinschaft geht, ist „Give to Gain“ für mich ein bewusster Gegenentwurf, der auf Teilen, Fördern und echtes Miteinander setzt. Für mich persönlich bedeutet das Motto auch eine klare Führungsentscheidung: Wissen nicht zurückzuhalten, sondern weiterzugeben. Sichtbarkeit nicht für sich zu beanspruchen, sondern zu teilen und Chancen nicht als begrenzte Ressource zu sehen. Als Mentorin gewinnt man dabei immer auch selbst. Vor allem an Perspektive. Der Austausch mit jüngeren Kolleginnen oder mit Menschen in anderen Lebensphasen hält wach. Er hinterfragt Routinen, bringt neue Denkweisen, neue Fragen und neue Impulse. Gerade in einer Branche, die sich so dynamisch verändert wie unsere, ist das unglaublich wertvoll. Mentoring ist deshalb keine Einbahnstraße, sondern ein echter Dialog. Und vielleicht ist das der schönste Gewinn: Man entwickelt sich gemeinsam weiter.

Heute bist du selbst in einer Rolle, in der viele zu dir aufschauen. Wie lebst du Mentoring – im Alltag, in Meetings, in Entscheidungen?

Mentoring gibt es bei Burda z.B. im Rahmen des Traineeprogramms, bei dem ich regelmäßig als Mentorin für junge Kolleg:innen dabei bin oder bei uns im Verlag auch in Form des „Cross-Mentorings“, das wir dieses Jahr als Pilotprojekt starten und bei dem Kolleg:innen sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen. Mentoring darf aus meiner Sicht aber nicht nur ein organisiertes Programm sein, sondern ist eine Haltung im Alltag. Das beginnt für mich in ganz konkreten Situationen: Wen nehme ich als Führungskraft mit in ein wichtiges Meeting? Wen bringe ich als Kolleg:in aktiv ins Gespräch? Wessen Leistung mache ich sichtbar, auch dann, wenn die Person selbst vielleicht eher zurückhaltend ist? Mentoring zeigt sich oft in kleinen Entscheidungen, die große Wirkung haben.

Welche Eigenschaften sind dir als Mentorin wichtig?

Für mich sind vor allem drei Eigenschaften wichtig: 1. Zuhören können: Als Mentor:in geht es nicht darum immer sofort Lösungen zu präsentieren, sondern erst einmal zu verstehen. Oft liegt die stärkste Unterstützung darin, die richtigen Fragen zu stellen. 2. Ehrlichkeit, weil klares, konstruktives Feedback ein echtes Geschenk ist. Nur wenn wir offen miteinander sprechen, können wir wachsen. Und 3. die Bereitschaft, Wissen, Netzwerke und Sichtbarkeit zu teilen, weil Chancen nicht weniger werden, wenn man sie weitergibt.

Immer häufiger ist von Reverse Mentoring oder Peer-Mentoring die Rede. Inwiefern können gerade jüngere Kolleginnen auch dir „Mentorinnen“ sein?

Ich bin davon überzeugt, dass Lernen keine Frage von Hierarchie oder Alter ist. Gerade jüngere Kolleginnen bringen oft neue Perspektiven mit, sei es im Umgang mit Technologien, mit aktuellen Trends, mit neuen Arbeitsweisen oder auch mit Erwartungen an Führung und Zusammenarbeit. Sie hinterfragen Selbstverständlichkeiten, die wir vielleicht lange nicht mehr hinterfragt haben. Und genau das ist unglaublich wertvoll. Es zwingt einen dazu, die eigene Komfortzone zu verlassen und offen zu bleiben. In diesem Sinne können sie absolut Mentorinnen sein: indem sie Impulse geben, neue Denkweisen einbringen und uns daran erinnern, dass Entwicklung nie abgeschlossen ist. Am Ende ist Mentoring für mich kein Generationenmodell, sondern ein gegenseitiger Austausch auf Augenhöhe. Wir geben Erfahrung weiter und bekommen dafür neue Perspektiven zurück. Genau das ist für mich gelebtes „Give to Gain“.

Viele Frauen sind unsicher, wie sie eine Mentorin ansprechen oder ein Mentoring-Verhältnis gestalten sollen. Welche drei konkreten Tipps würdest du einer Kollegin im BurdaVerlag geben, die sich mehr Unterstützung oder ein Mentoring wünscht?

Meine drei konkreten Tipps sind:

1. Sei konkret und mutig.

Überlege dir vorab, wobei du dir Unterstützung wünschst. Geht es um Karriereplanung? Um Sichtbarkeit? Um Führungskompetenzen? Je klarer du formulierst, was du suchst, desto leichter machst du es der anderen Person, „Ja“ zu sagen. Und hab ruhig den Mut, direkt zu fragen! Wir haben so tolle Kolleginnen im Verlag, die ihr Wissen gerne teilen und sich ganz sicher eher geehrt als gestört fühlen.

2. Warte nicht auf ein offizielles Format.

Mentoring muss kein formalisiertes Programm sein. Es kann mit einem Kaffee in der Burda Bar beginnen. Mit einer Frage nach Feedback. Mit der Bitte, einmal bei einem Termin dabei sein zu dürfen. Oft entstehen die besten Mentoring-Beziehungen organisch.

3. Gestalte die Beziehung aktiv mit.

Mentoring ist keine Einbahnstraße. Bereite Gespräche vor, bring Themen mit, teile auch deine eigenen Perspektiven. Und gib Rückmeldung, was dir hilft. Je aktiver du selbst bist, desto wertvoller wird der Austausch für beide Seiten. Und vielleicht noch ein vierter Gedanke: Such dir nicht nur eine Mentorin. Unterschiedliche Menschen können dich in unterschiedlichen Fragen begleiten. Ein Netzwerk aus Sparringspartnerinnen ist oft wirksamer als die eine perfekte Mentorin.

Was ist deine Message an alle Frauen in Bezug auf das diesjährige Motto #GiveToGain?

„Give to Gain“ bedeutet für mich nicht nur, andere zu fördern, sondern auch, sich selbst zu erlauben, Unterstützung anzunehmen. Viele Frauen sind schon großartig darin, für andere da zu sein, Wissen zu teilen und Teams zusammenzuhalten, aber deutlich zurückhaltender, wenn es darum geht, selbst sichtbar zu werden oder Chancen aktiv einzufordern. Deshalb wünsche ich mir, dass wir beides tun: einander stärken und uns selbst mehr zutrauen. Teilt eure Erfahrungen. Öffnet Türen füreinander. Sprecht Empfehlungen aus. Aber habt genauso den Mut zu sagen: Ich möchte diesen nächsten Schritt gehen. Vielleicht ist genau das die Botschaft: Wir müssen nicht alleine erfolgreich sein. Wenn wir einander stärken, entsteht mehr als individueller Erfolg, nämlich ein Umfeld, in dem alle wachsen können.

Autor:in
Katharina Engel
PR Manager | Elle, Esquire, Harp. Bazaar, Instyle
katharina.engel@burda.com
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