Paris im Januar: 19 Burda-Volontär:innen feiern das Ende ihres viermonatigen Schulblocks an der BJS mit einem gemeinsamen Wochenende, bevor es zurück in die Redaktionen nach München, Offenburg und Berlin geht.
Aenne Burda, geboren als Anna Magdalene Lemminger, war eine außergewöhnliche Unternehmerin – ohne sie wäre Burda vermutlich nicht so schnell so erfolgreich geworden. In einer Zeit, in der von verheirateten Frauen kaum erwartet wurde, beruflich Karriere zu machen, verfolgte sie mit Ehrgeiz und Mut ihren eigenen Weg: den Aufbau einer Modezeitschrift.
Zum Volontariat an der Burda Journalistenschule gehört auch, die Geschichte des Verlags und seiner Gründer:innen kennenzulernen. Im Rahmen des BJS-Sommercamps besuchten die Volontär:innen deshalb das ehemalige Wohnhaus der Verlegerin Aenne Burda in Offenburg. Im Wohnzimmer lauschten sie den Erzählungen der Autorin Ute Dahmen, die die Biografie „Aenne Burda – Wunder sind machbar“ geschrieben hat.
In einem lockeren Dialog mit den Volontär:innen erzählte Ute Dahmen aus dem Leben ihrer Freundin Aenne. Die beiden lernten sich 1978 kennen und waren bis zu Aennes Tod im Jahr 2005 eng befreundet.
Aennes Leben war von Höhen und Tiefen geprägt. Sie wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf und träumte früh von einem besseren und schöneren Leben.
1929 lernte sie Dr. Franz Burda kennen, der damals die Druckerei seines Vaters übernahm. Nach ihrer Hochzeit feierte Franz unternehmerische Erfolge, während Aenne drei Söhne bekam und sich um Haushalt und Kinder kümmerte. Doch die Rolle der Hausfrau erfüllte sie nicht – Aenne wollte mehr und strebte nach einer eigenen Aufgabe.
Als sie Franz vorschlug, eine Modezeitschrift zu publizieren, stieß sie zunächst auf Ablehnung. Dann nahm ihr Leben eine unerwartete Wendung: Franz Burda hatte eine Affäre und gründete für diese Frau sogar einen Modeverlag, den er ihr zur Leitung übergab. Als Aenne davon erfuhr, war sie zutiefst verletzt. Gleichzeitig erkannte sie ihre Chance und stellte ihren Mann vor eine Entscheidung:
„Entweder du gibst mir den Verlag, oder ich lasse mich scheiden!“
Franz überschrieb den Modeverlag schließlich auf Aenne. 1950 erschien die erste Ausgabe von „Burda Moden“ in einer Auflage von 100.000 Exemplaren – und war restlos ausverkauft. Die Idee, dem Magazin Schnittmuster beizulegen, war eine besondere Innovation. So konnten Frauen modische Kleidung selbst nähen und aktuelle Trends für sich zugänglich machen.
Im zweiten Jahr stieg die Auflage bereits auf 1,5 Millionen Exemplare. Mit dem Erfolg der Zeitschrift wuchs auch der Verlag – und Aenne Burda wurde zu einer der prägendsten Unternehmerinnen ihrer Zeit.
Die Fragen der Volontär:innen gingen in ganz verschiedene Richtungen:
„Wie sah die Ehe von Aenne und Franz nach der Affäre aus?“
„Wie war Aenne als Chefin?“
„Was passierte mit Aennes Liebhaber in Sizilien?“
„Was war das Geheimnis ihres Erfolgs?“
Zu allen Fragen hatte Ute Dahmen spannende Antworten – ergänzt durch amüsante Anekdoten und persönliche Zitate der Verlegerin.
Nach rund zwei Stunden im gemütlichen Wohnzimmer ließ sie die Volontär:innen inspiriert zurück. Zu erfahren, wie sich Aenne Burda als Frau der Nachkriegszeit durchsetzte und zu einer Unternehmerin wurde, die eine der erfolgreichsten Modezeitschriften ihrer Zeit aufbaute, war beeindruckend.
„Mir ist im Kopf geblieben, dass Aenne total emanzipiert war – schon in ihrer Jugend.“
„Ich finde es sehr bewundernswert, dass sie sich genommen hat, was sie wollte.“
„Sie hat es geschafft, ihr Business in einer sehr konservativen Umgebung aufzubauen.“
„Ich finde es interessant, dass es immer wieder Spannungen zwischen ihr und ihrem Ehemann gab, sie aber trotzdem weiterhin zusammengeblieben sind und parallel ihre Karrieren aufgebaut haben.“
Für die Volontär:innen war es ein Abend voller spannender Einblicke, persönlicher Geschichten und einer Begegnung mit einer Frau, deren Lebensweg bis heute beeindruckt.