Cinema
20.08.2018

Leidenschaft pur

Cinema
20.08.2018

Leidenschaft pur

Philipp Schulze kam 1998 als Praktikant zu Cinema. Heute ist er Chefredakteur von Deutschlands großer Filmzeitschrift. Im Artikel spricht er über seine Leidenschaft für den Film, besondere Begegnungen, James Bond-Analysen und Gänsehaut: „Filmwissen kann man sich nicht aneignen. Man wächst damit auf.“

„Wie pinkelt 'n Eskimo?“, fragt Rocker Werner den ostfriesischen Hänfling in der Bikerkneipe Crome de la Crome und hält sich als Antwort eine Handvoll Eiswürfel in den Schritt. Langsam lässt er einen nach dem anderen zu Boden fallen. Stille. Dann bebt der Kinosaal vor Lachen. Das war 1985, mein erster Kinobesuch, „Otto – Der Film“ wurde zum erfolgreichsten deutschen Film aller Zeiten. Der Humor hat sich seitdem (zum Glück) verändert. Meine Leidenschaft fürs Kino dagegen nicht. Ein Ort, an dem man mit anderen Menschen gemeinsam lachen, weinen, mitfiebern und an exotische Orte reisen konnte. Wo gab es so etwas schon? Fortan war ich jeden Sonntag um 15 Uhr Stammgast in meiner heimischen Kino-„Schauburg“; zwischen biederen Versicherungsspots, hemmungslos fröhlichen Eiscreme-Jingles und treibenden Klängen irgendwo zwischen Giorgio Moroder und fiesem Synthie-Pop, die mich in „The World of Cinema“ entführten.

Meine erste Cinema-Ausgabe erstand ich 1984 für 3 DM auf dem Flohmarkt auf dem Stadtfest. Auf dem Cover: Roger Moore und Sean Connery. Das Titelthema: „Das Duell: Bond gegen Bond“. Sofort war ich angefixt von den Berichten über die neuesten Hollywoodfilme, deutsche „Perlen“ wie „Die tollen Tanten“ und den regelmäßigen Porträts aufstrebender Starlets wie Sophie Marceau und Désiree Nosbusch. Zu Hause glühte derweil der Fernseher. Abenteuerfilme, Komödien, Thriller, Horror – das klobige Miniteil musste alles zeigen. Filmwissen kann man sich nicht aneignen. Man wächst damit auf.

„Ich kam als Praktikant zu Cinema“

1998 kam ich dann als Praktikant zu Cinema, nachdem ich bereits in der Schule und im Studium meine Lehrer und Professoren mit James-Bond-Analysen in Hausarbeiten um den Verstand gebracht hatte. Und nach einer intensiven Zeit in Hollywood, bei den Oscars und Dinnerpartys im Polyester-Smoking fing ich dort schließlich 2003 als Redakteur an. 60 Filme und Serien im Monat, James Cameron als erster Interviewpartner, mit Peter Jackson bei den Dreharbeiten zu „Der Hobbit“ und am Bosporus mit James Bond. Die denkwürdigsten Erlebnisse meiner bisherigen Laufbahn? Von „Dracula“ Christopher Lee im Hamburger Vier Jahreszeiten eine private, wahrlich furchteinflößende Operneinlage serviert zu bekommen, Fußballfan Daniel Craig mit dem Ausscheiden des englischen Teams bei der Qualifikation für die EM 2008 zu ärgern und neben Sir Roger Moore Platz zu nehmen. Moores Tipps für junge Schauspieler: „Fallt nicht in die Kulissen und lasst euch in euren Vertrag schreiben, dass ihr sämtliche Anzüge behalten dürft.“ Ein Gentleman durch und durch: gewitzt, höflich, weitsichtig. Und eine Begegnung, die mich sowohl als Journalist als auch als Filmfan nachhaltig geprägt hat.

Mitte der 2000er traten schließlich Serien mit komplexen Charakterentwicklungen und mutigen Handlungssträngen endgültig aus dem Schatten Hollywoods heraus. Für jemanden, der „Magnum“ ebenso verschlungen hat wie „Twin Peaks“ und – jeder hat seine TV-Leiche im Keller – „Die Schwarzwaldklinik, ein regelrechtes Entertainment-Eldorado. Serien sind heute nicht selten Kinofilme in zehn Teilen und setzen die Traumfabrik unter Zugzwang. Ein Konkurrenzkampf, der beide Seiten beflügelt und uns zum Serien Magazin inspiriert hat.

Die Leidenschaft für große und kleine Geschichten teilen

Seit dem 1. April 2018 trage ich die redaktionelle Verantwortung als Chefredakteur von Cinema und dem Serien Magazin und mein Ziel ist es, unsere Leidenschaft für große und kleine Geschichten mit unseren Lesern und Usern zu teilen und zu feiern. In unserem Heft, in unseren Videoblogs, in unseren Podcasts, auf unserer Webseite oder in den sozialen Netwerken. Jeden Monat, jede Woche, jeden Tag.

Für Alfred Hitchcock war die Liebe zum Kino wichtiger als jede Moral. Nouvelle Vague-Ikone François Truffaut fand Filme zärtlicher als das Leben. Für jeden bedeutet das Kino etwas anderes. Wenn ich im Kino sitze, das Licht ausgeht und der Vorhang den Blick auf die Leinwand freigibt, bekomme ich: Gänsehaut.

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Weitere Impressionen & Downloads

Handshake mit Dwayne 'The Rock' Johnson © HBM

Die Mannschaft von Deutschlands großer Filmzeitschrift © HBM

Jeden Monat entsteht mit viel Leidenschaft das neue Heft © HBM

"Wir brennen für die gleiche Sache. Wir lieben Filme." © HBM

Philipp Schulze beim Golden Globe Award © HBM

Philipp Schulze mit Oscarpreisträger Forest Whitaker © HBM

Sein Name ist Schulze. Philipp Schulze. © HBM

Die Magie des großen Kinos © HBM

Philipp Schulze trägt seit April die redaktionelle Verantwortung für Cinema © HBM

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