Re:publica meets Super Illu
13.05.2019

Mehr Ossis in die Medien bitte!

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In Berlin ist vergangene Woche die Re:publica, Europas größte Digitalkonferenz zu Ende gegangen. Zum 13. Mal trafen Blogger, Politiker, Wissenschaftler, Unternehmer, Künstler und Aktivisten aufeinander, um drei Tage lang über aktuelle Fragen der digitalen Gesellschaft, Netzpolitik und Digitalkultur zu diskutieren. Super Illu war dabei.

Storytelling mit Tiefgang

2019 steht die Konferenz unter dem Motto „tl;dr“, der Internetabkürzung für „Too long; didn’t read“. Die Veranstalter erklären den Schwerpunkt mit der Tendenz, nur Überschriften und Anreißertexte zu lesen. Sie wollen nun der Gegenbewegung den Rücken stärken, einer Gegenbewegung die sich nach langen, tiefgehenden Geschichten sehnt. Dass es diese Sehnsucht gebe, erkenne man in der steigenden Nachfrage nach komplexen Artikeln, Podcasts und TV-Serien.

Kompass der Medienlandschaft

Wo ist Osten? Auf dem Panel „Mehr Ossis in die Medien bitte“, das gleich am Eröffnungstag stattfand, saß Katja Reim, stv. Chefredakteurin von Super Illu. Eingeladen zu dem Panel hatte Marieke Reimann, Chefredakteurin von Ze.tt, um über das strukturelle Ungleichgewicht deutscher Redaktionen zu sprechen. Adriana Lettrari, Gründerin des Netzwerks 3.Generation Ost, sowie Josa Mania-Schlegel, Reporter beim digitalen Magazin Krautreporter, komplettierten das Panel.

In den wichtigsten Redaktionen der Leitmedien sitzen kaum Menschen mit ostdeutschem Hintergrund. Das hat Auswirkungen auf die Berichterstattung und ist 30 Jahre nach dem Mauerfall ein Armutszeugnis für die deutsche Medienlandschaft, führte Reimann die mehr als 200 Besucher zum Thema hin. Westdeutsche seien Individuen, Ossis aber immer Ossis, sagte Riemann. Wenn überhaupt, werde überwiegend über sie als „Abgehängte“ und in einem eher negativen Kontext erzählt. In der Berichterstattung würden wirtschaftliche Probleme überwiegen, Geschichte und Kultur fänden hingegen kaum Beachtung. Dem stimmten die Diskutanten zu.

Schubladen zumachen und Scheuklappen ablegen

Man dürfe nicht nur die Defizite betrachten, sagte Adriana Lettrari. Sie selbst hätte sich gerade gegen die Veröffentlichung einer Geschichte entschieden, weil diese nichts Neues, geschweige denn etwas Positives hätte erzählen können. „Wir sollten nicht immer das Defizitäre reproduzieren.“ Es sei wichtig, die verschiedenen Seiten einer Geschichte aufzuzeigen, stimmte Katja Reim zu. Am aktuellen Beispiel, einem Nazi-Aufmarsch in Plauen am 1. Mai, verdeutlichte sie ihren Standpunkt: „Es heißt jetzt wieder: ‚Die Ossis marschieren‘. Aber Super Illu schreibt dazu, dass der Dritte Weg eine westdeutsche Bewegung ist. Das macht es nicht schöner, gehört aber zu den Fakten. Im Übrigen hat sich ein Großteil der Plauener dem Aufmarsch friedlich entgegengestellt.“

 

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