Interview
01.08.2018

„Mein Grundsatz lautet: Always stay humble“

Interview
01.08.2018

„Mein Grundsatz lautet: Always stay humble“

Der beste Weg, seine Karriere zu starten? Sich von Vorbildern, die schon erfolgreich in ihrem Job sind, etwas abschauen. In unserer Interview-Serie haben Volontärinnen der Burda-Journalistenschule die Chance dazu. Dieses Mal triff Louisa Markus Nina Zimmermann von BurdaStudios. Gemeinsam sprechen sie über die Start-Up-Szene in Indien, die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere und darüber, warum man als Führungskraft bescheiden bleiben sollte.

Nina Zimmermann ist Managing Director von BurdaStudios. Aus ihrer Heimatstadt London hat sie über verschiedene Stationen – darunter Hamburg und Darmstadt – den Weg zu Burda nach München gefunden. Bei BurdaStudios verantwortet sie unter anderem Bunte.de, die Affiliate-Plattform Tracdelight, die Influencer-Plattform Brands You Love und die Affiliate-Shopping-Plattform für Schmuck Prettique.

Louisa Markus hat nach ihrem Journalismus-Studium in Hamburg ebenfalls den Weg nach München zu Burda gefunden. Sie ist seit Oktober 2017 Volontärin bei Elle.de. Neben ihrem Job betreibt sie den Podcast „Louis, Who?“, bei dem es um digitale Entwicklungen in der Modebranche geht.

Als Managing Director von BurdaStudios stelle ich mir Ihren Arbeitstag sehr vollgepackt vor. Wie sieht denn ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Ich glaube, es gibt gar keinen typischen Arbeitstag bei uns. Grundsätzlich verbringe ich viel Zeit damit, mich mit meinen Mitarbeitern auszutauschen. Denn es ist immer eine große Herausforderung, genügend Zeit mit den verschiedenen Teams zu verbringen. Deshalb bin ich in vielen internen Meetings dabei und schaue, wie unsere Projekte laufen und was wir als nächstes gemeinsam anpacken.

Worauf legen Sie Ihren persönlichen Fokus im Berufsalltag?

Das Team und die People-Kultur haben bei mir oberste Priorität – damit beschäftige ich mich fast 50 Prozent meiner Zeit. Ich glaube nicht an starre Hierarchien, meine Mitarbeiter sollen von sich aus Entscheidungen treffen. Wir nennen das die „Ownership Culture“: Das ist eine Philosophie, bei der von den Praktikanten bis zum Geschäftsführer jeder im Rahmen seiner Aufgaben entscheiden kann. Für mich bedeutet gute Führung, dass ich durch mein Handeln dazu beitrage, dass wir als Team gemeinsam an einem Strang ziehen. Wenn jeder jeden Tag mit Begeisterung an unseren Zielen arbeitet und mit Freude zur Arbeit kommt, habe ich einen guten Job gemacht.

Wie hält man diese Begeisterung aufrecht?

Bei uns arbeitet niemand im stillen Kämmerlein an geheimen Projekten, ich glaube an Transparenz. Alle müssen wissen, was wir für Ziele haben und wieso jeder tut, was er tut – das ist ganz wichtig. Das motiviert. Und selbst wenn jemand das nicht so toll findet, soll er das äußern dürfen – wir pflegen eine gewisse Dissens-Kultur. Es gibt sehr viele Diskussionen bei uns und viele unterschiedliche Meinungen, aber am Ende zieht man doch am gleichen Strang.

Sie kommen ursprünglich aus England und sind dann aus beruflichen Gründen nach Deutschland gezogen. Warum?

Ich hatte keinen Masterplan – ich wollte einfach aus meiner Komfortzone heraus. Ich wollte gerne eine Zeit lang im Ausland arbeiten, um mein Deutsch zu verbessern. Der Umzug nach Deutschland war ein Versuch - und dann bin ich einfach geblieben. Mal gucken, wo es als nächstes hingeht (lacht).

Gerade in der Medienlandschaft schaut man oft nach London oder in die USA. Versuchen Sie, die dortigen Neuerungen für den deutschen Markt zu interpretieren?

Mein Umfeld ist sehr digital unterwegs und ich habe bisher immer in sehr internationalen Firmen gearbeitet – und es stimmt, man schaut oft in die USA, aber inzwischen blickt man auch vermehrt nach Asien, wenn es um Trends und neue Entwicklungen geht. Es gibt in sehr vielen Ländern spannende Entwicklungen. Klar, das Silicon Valley bleibt das Silicon Valley und hat einen weltweiten Ruf, aber ich war vor Kurzem in Indien und sehr erstaunt, was dort für eine großartige Startup-Kultur entstanden ist. Es ist eines der bevölkerungsstärksten Länder und gerade dort etablieren sich viele neue Unternehmen. Das zeigt mir, dass man gerne auch in andere Länder gucken darf und soll.

Was hat Sie daran gereizt, bei Burda zu arbeiten?

Ich bin in Start-Ups und großen Konzernen gewesen, ich habe also beide Seiten gesehen und beide Seiten haben ihre Vor- und Nachteile. Burda hat sich stark weiterentwickelt, es ist kein klassisches Verlagshaus mehr – die Mehrheit der Umsätze kommt heute aus dem digitalen Sektor. Diese Spannung zwischen dem Traditionellen und dem Neuen fand ich sehr interessant und herausfordernd. Gleichzeitig war es eine Bauchentscheidung, ich hatte einfach das Gefühl, dass es mit meinem Vorgesetzten gut passt und dass ich sehr gut mit ihm zusammenarbeiten werde. Zudem ist meine Erfahrung, dass man in Unternehmen immer auf die Unternehmenskultur schauen sollte und die Kultur bei Burda hat mich überzeugt.

Welche Eigenschaften sollte man Ihrer Ansicht nach für eine Führungsposition mitbringen?

Die Fähigkeit zuzuhören und eine gewisse Bescheidenheit. Der wichtigste Grundsatz für mich: Always stay humble! Man muss nicht immer alles wissen oder können, es geht auch darum, Menschen einzustellen, die manche Dinge besser können, als man selbst – so setzt man ein starkes Team zusammen. Und man braucht auf jeden Fall den Willen, Dinge zu Ende zu bringen und etwas bewegen zu wollen. Fortschritt ist wichtig, Stillstand ist keine Option. Eine weitere hilfreiche Eigenschaft ist, sich für Menschen zu interessieren und sie einschätzen zu können. Wenn ich Leute einstelle, trenne ich zwischen Skills und der Persönlichkeit - wobei Letzteres für mich immer überwiegt. Gerade junge Menschen haben gewisse Talente und Vorlieben, aber die fachlichen Skills kommen oft erst später. Das bedeutet für mich, der Charakter und das Auftreten sind wichtiger – alles andere können sie lernen.

Wie war es denn bei Ihnen, als Sie sich hier beworben haben – wie lief das ab?

Ich habe mich auf ein Praktikum beworben und sehr viel Mühe in das Anschreiben und das Aussehen meiner Bewerbung gesteckt. Nach einem Telefoninterview habe ich die Zusage bekommen – und nach meinem Praktikum wurde mir das Volontariat angeboten. Da habe ich sofort gedacht: „Ja, klar – das mache ich!“

Wollen Sie das, was Sie jetzt machen, auch in Zukunft gerne weitermachen – wissen Sie das schon?

Ja, das möchte ich. Ich habe Modejournalismus studiert und wusste schon lange, dass es beruflich in diese Richtung gehen soll. Mit sechs Jahren habe ich angefangen zu nähen und habe den Spaß an der Mode gefunden. Aber dann dachte ich irgendwann, dass mir der Design- und Herstellungsprozess von Kleidung zu lange dauert - so bin ich dann dazu gekommen, über Mode zu schreiben. Ich denke, dass ist auch für die Zukunft das Richtige für mich.

Wie sieht denn die Zukunft von Burda Studios aus?

Keine Ahnung! (lacht) Das ist das Spannende. Wir haben in den letzten zwei Jahren einiges geschafft – wir haben neue Plattformen gelauncht und sind jetzt mit einigen neuen Themen unterwegs. Ich weiß nicht, wo wir in fünf Jahren stehen. Aber wir haben eine Vision, an die ich glaube: Wir wollen unbedingt im digitalen Publishing Bereich ganz weit nach vorne – gerade mit Themen, die Frauen bewegen. Das ist der rote Faden, der sich durch BurdaStudios zieht, egal ob es sich um Mode, Schmuck oder Product Testing dreht. Wir müssen ständig überprüfen, wo unsere Kunden unterwegs sind – welche Angebote sie nutzen, wie sie sich verhalten. Dort, wo unsere Kunden sind, ist auch unsere Zukunft.

Neben Ihrem Beruf als Managing Director managen Sie auch eine Familie mit zwei Kindern. Wie bekommen Sie alles unter einen Hut?

Es hat viel mit Projektmanagement zu tun. Mein Umfeld hat mir oft gesagt, dass es nicht machbar ist und ich verrückt bin, aber ich hatte eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie es funktionieren kann. Und ich habe gelernt, dass eine der wichtigsten Dinge im Berufsleben ist, sich treu zu bleiben und zu sagen, was man will – beispielsweise eine gewisse Flexibilität und Zeit für die Familie. Ich versuche immer, rechtzeitig zu Hause zu sein, die Kids zu sehen und mich danach – das ist der Vorteil der Digitalisierung – nochmal an die Arbeit zu setzen. Den Tag über habe ich sehr viele Meetings, abends habe ich dann die Ruhe, an konzeptionellen Dingen zu arbeiten. Dazwischen ist immer Zeit für die Familie. Es ist alles eine Sache der Einstellung und man muss es zeitlich gut planen.

Haben Sie das Gefühl, dass sich in der Arbeitswelt etwas verändert und es heute möglich ist, eine Karriere UND eine Familie zu haben?

Ja und nein. Leider glaube ich, dass es noch immer sehr auf die Führungskräfte in einem Unternehmen ankommt. Es gibt immer noch Leute, die old-school unterwegs sind und weniger auf Leistung schauen, sondern eher darauf, wie lange man im Büro sitz – das finde ich schade. Insofern würde ich sagen, es bewegt sich schon etwas, aber es geht noch deutlich mehr. Ich finde es wichtig, die Akzeptanz zu fördern, dass Frauen Kinder und Karriere wollen. Darum versuche ich mich auch in Vereinen wie „Working Moms“ für solche Themen zu engagieren. Gerade junge Mütter wissen am Anfang oft nicht, wie man Job und Familie unter einen Hut bekommt, denn ist es nicht einfach. Da hilft der Austausch und Vorbilder, die zeigen, dass es geht.

Zum Abschluss: Welchen Tipp würden Sie Berufseinsteigern geben?

Gerade in der Anfangszeit sollte man so viel wie möglich lernen und über sich selbst herausfinden. Dann merkt man, was man richtig toll findet. Ich bin kein großer Fan davon, sich auf seine Schwächen zu konzentrieren – man sollte sich auf seine Stärken fokussieren. Man muss wissen oder herausfinden, worin man richtig gut ist und das andere zur Seite legen. Meistens ist es doch so: Wenn man richtig Spaß hat, wird man richtig gut.

Nina Zimmermann hat am Queen Mary College der University of London Euopean Studies studiert. Nach ihrem Studium hat sie ihre Karriere in Deutschland begonnen und war unter anderem in digitalen Rollen bei Bertelsmann, T-Online und Experteer – zuletzt als Mitglied der Geschäftsführung – tätig, bevor sie 2016 zu Burda wechselte.

Louisa Markus hat in Hamburg Modejournalismus und Medienkommunikation studiert und ist seit Oktober 2017 Volontärin an der Burda Journalistenschule. Ihre Stammredaktion ist Elle.de und mit zwei Kolleginnen von der Elle und der Instyle betreibt sie den Modepodcast „Louis, Who?“.

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Weitere Impressionen & Downloads

Voluntärin Louisa Markus und Nina Zimmermann, Managing Director von BurdaStudios, im Interview © Daniel Grund für Hubert Burda Media

Louisa Markus ist seit Oktober 2017 Volontärin bei Elle.de © Daniel Grund für Hubert Burda Media

Nina Zimmermann ist Managing Director von BurdaStudios © Daniel Grund für Hubert Burda Media

Gemeinsam sprechen Louisa Markus und Nina Zimmermann unteranderem über die Start-Up-Szene in Indien und die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere © Daniel Grund für Hubert Burda Media

Zwei starke Frauen - Impressionen des Interviews © Daniel Grund für Hubert Burda Media

Zwei starken Frauen: Impressionen des Interviews © Daniel Grund für Hubert Burda Media

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