Roman Miserre im Gespräch
14.08.2025

"Never quit on a bad day"

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Roman ist zurück! Nach 462 Tagen und mehr als 20 bereisten Ländern schlug er sein Zelt Mitte Juli wieder in München auf – aber nur zum Auslüften. Denn seine Weltreise hat nach mehr als 15 Monaten ihr (vorläufiges) Ende gefunden: „So eine Reise hat nur zwei harte Momente: das Losfahren und das Ankommen. Alles dazwischen ist Flow.“

Der ehemalige Geschäftsführer von Burda Procurement ist mit dem Fahrrad um die Welt gereist – allein. Nur mit Zelt, Kocher und einer großen Portion Neugier auf das Leben. Das oneBurda-Team hat ihn dabei – zumindest virtuell – ein bisschen begleitet. Anfang Juli ist er wieder in München angekommen. Grund für mich, ihn auf einen nicht-virtuellen Kaffee in der Burda Bar zu treffen.

Über das Losfahren haben wir bereits berichtet: Sein Abenteuer begann im April 2024. Kurz vor der Abfahrt wuchsen die Zweifel. Er fühlte sich plötzlich zu alt und zu unsportlich für so ein Abenteuer: „Ich dachte am Anfang wirklich, es geht bei so einer Reise um Fitness und Kilometer“, sagt er heute. Aber nach dem Aufbruch realisierte er schnell, dass entspannte 15km/h die perfekte Geschwindigkeit sind, die Welt zu entdecken. Die Bewegung wurde schnell zum Rhythmus, das Unbekannte zur Gewohnheit – und aus der Angst wurde Faszination. So viel, dass aus dem geplanten Jahr 15 Monate geworden sind. Über einige seiner Abenteuer haben wir hier berichtet.

Never quit on a bad day: Was Reisen und Führung gemeinsam haben

462 Tage, über 20.000 km, 23 Länder auf vier Kontinenten, das ist die eine Bilanz aus Romans Reise. Eine Reise, während der er nicht nur atemberaubende Landschaften gesehen und unterschiedlichste Menschen kennengelernt, sondern auch viel gelernt hat: über die Menschen, sich selbst, das Leben und, ja: über sich als Führungskraft.

Er nennt es „Reisen in die Welt und in sich selbst“. Das ist die andere Bilanz. Und eine seiner zentralen Erkenntnisse darin stammt von einem anderen Radfahrer: „Never quit on a bad day.“

Das sagte er ihm, als Roman während einer taffen Radl-Phase kurz vor dem Aufgeben war. Sein Geist schien übersättigt: „In Neuseeland war ich irgendwann mental so erschöpft, dass ich nur noch stur geradeaus gefahren bin. Ich habe nichts mehr gesehen, nichts mehr aufgenommen.“ Statt aber abzubrechen, hielt er auf den Rat hin inne, tauschte sein Fahrrad gegen einen Wanderrucksack und erwanderte die neuseeländische Imposanz einige Tage per Fuß und Kajak. Mit Erfolg: Seine inneren Energiespeicher luden sich auf, die Lust am Reisen kam zurück. „Man kann keine gute Entscheidung treffen, wenn man erschöpft ist. Manchmal muss man anhalten, eine Suppe essen, nachdenken, schlafen und die Umgebung ändern, bevor man wieder klar denken kann“, sagt er, und: „Ich glaube übrigens, das gilt auch für Führung: Sie muss diesen richtigen Rhythmus zwischen Angriff und Reflexion halten, darf keinesfalls nur den Druck erhöhen.“

Reduktion bringt Klarheit

„Es waren die härtesten 15 Monate meines Lebens – und die spektakulärsten. Das Leben auf der Straße war zwar an den wenigsten Tagen leicht, aber immer einfach“, erzählt mir Roman heute in der Burda Bar. Ein wichtiger Grund dafür war, dass er in dieser Zeit sehr minimalistisch lebte. Auf seinem Fahrrad hatte er nicht viel Platz für Gepäck, und so war jedes Teil gut überlegt. Neben Campingausrüstung und Werkzeug hatte er nur wenige Kleidungsstücke dabei, die er alle zwei Tage waschen musste. Wenn man ein Jahr lang aus vier kleinen Taschen lebt, begreift man, was wirklich zählt. Der Verzicht auf jeglichen Ballast steht für Roman seitdem für Klarheit und Fokus: „Reduktion ist kein Verzicht – sie wurde für mich zum Filter, um zu erkennen, was wichtig ist.“

Dem Zufall Raum geben

Manchmal strandete Roman irgendwo im Nirgendwo, einmal wurde er auf seiner Reise auch bestohlen. Doch gerade diese Momente führten nicht selten zu den eigentlichen Erlebnissen der Reise – und zu neuen Freundschaften: „Oft entstanden aus den unangenehmen Überraschungen die wertvollsten Begegnungen.“ Etwa in Foster, einem Küstenort vor Sydney in Australien. Dort stahl ihm jemand eine seiner Fahrradtaschen. Er war frustriert – bis ihn ein umstehender älterer Herr spontan zum Übernachten zu sich nach Hause einlud: „An dem Abend saßen wir zusammen und führten ein langes Gespräch, wie Glück und Unglück im Leben entstehen. Die gestohlene Tasche habe ich längst vergessen, aber zu Charly habe ich heute noch Kontakt.“

Berührende Begegnungen mit wildfremden Menschen hatte Roman auf seiner Reise fast täglich. „Wenn du als erschöpfter Radfahrer wo ankommst und um Hilfe fragst, bist du als Mensch sehr greifbar – dadurch öffneten sich viele Türen“, weiß er heute. Die Menschen sahen in ihm nicht einen anonymen Fremden, sondern den Reisenden, der offen ist und neugierig macht. Diese Authentizität schafft Vertrauen – im Abenteuer wie im normalen Leben.

Ankommen als der schwerste Teil

Nach mehr als einem Jahr des Flows erfolgte vor Kurzem der zweite disruptive Moment: das Ankommen. Am 12. Juli lenkte Roman seine „Miss Humblebee“, wie er sein Fahrrad getauft hat, nach 462 Tagen wieder dorthin, wo er losgefahren war. Dutzende Freunde und Familienangehörige, die ihm während seiner Reise dank einer eigens kreierten WhatsApp-Gruppe nie wirklich fern waren, empfingen ihn am Haidhausener Bordeauxplatz mit Sekt und Picknick.

Trotz des freudigen Empfangs waren die Tage nach dem Ankommen nicht einfach. Roman empfindet sie sogar schwerer als die Tage vor dem Losfahren: „Plötzlich sitzt du da, mitten in der wuseligen Großstadt, und weißt nicht, was du hier eigentlich sollst. Alles fühlt sich seltsam an – selbst das eigene Zuhause. An das Leben in geschlossenen Räumen und in geschlossenen Schuhen muss ich mich wieder gewöhnen.“ Die Reise hat ihn verändert. Vieles, was ihm vorher wichtig war, konnte er loslassen. „Auf so einer Reise bist du mit einem Schlag nicht mehr dein eigenes LinkedIn-Profil. Aber das Schöne ist: ich bin stolz und glücklich über den Menschen, den ich dahinter ein Stück neu kennen gelernt habe.“

Und wie geht’s weiter?

Roman weiß es noch nicht genau. „Ich bin noch im Flaniermodus“, sagt er lachend, auch möglich, dass er sich noch mal auf das Rad setzt. Doch eins hält er für wahrscheinlich: Irgendwann geht er wieder zurück aufs Spielfeld – in welcher Rolle auch immer: „Es gibt nichts Faszinierenderes, als mit einem Team auf ein Ziel zuzulaufen.“ Die gemeinsame Energie, die dadurch entsteht, sei ein großes Erlebnis - „fast so groß wie eine Radreise um die Welt.“

Romans Learnings fürs Leben – und fürs Arbeiten

Mach Pausen. Triff keine wichtige Entscheidung, wenn du gestresst bist.

Umarme den Zufall. Glück und Innovation brauchen einen Spielraum.

Sei authentisch. Nur wer sich als Mensch greifbar macht, schafft Vertrauen.

Sortiere konsequent Ballast aus. Was wirklich zählt, bleibt übrig.

Alter zählt nicht. Du bist so alt, wie die Risiken, die du eingehst. 

Nicht aufgeben – jedenfalls nie an einem schlechten Tag.

Neugierig geworden?

In seinem Komoot-Tagebuch können Sie Romans Abenteuer nochmal nachlesen – oder Sie lassen einfach die Eindrücke in den gesammelten Instagram-Stories auf sich wirken.

Autor:in
Jasmin Larmache
Editorial Team Lead
jasmin.larmache@burda.com
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Roman is back!

Nach Europa und Asien ging es für Roman nach Australien - hier in Brisbane

Dort gab es natürlich jede Menge tierischen Besuch © Roman Miserre

In Australien besuchte ihn seine Ehefrau Bettina © Roman Miserre

In einem Vorort von Sydney wurde Roman bestohlen - und lernte dadurch Charly kennen, der ihn zu sich nach Hause einlud. Die beiden haben immer noch Kontakt © Roman Miserre

Zeit für eine Pause: In Neuseeland erlebte Roman eine Art Sättigung und merkte, wie seine Kräfte schwanden © Roman Miserre

Also ließ er das Fahrrad für einige Tage stehen und erkundete die Gegend per Fuß und Kanu, um neue Kraft zu tanken © Roman Miserre

Emotionaler Moment: Am 6. Juli überquerte Roman erstmals seit vergangenem April die bayerische Landesgrenze © Roman Miserre

"Ausgeradelt" fühlt er sich aber noch nicht - es bleibt also spannend © Roman Miserre

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