BurdaPrincipal Investments
10.03.2022

"Quick Commerce wird zum Standard"

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Julian von Eckartsberg ist seit Oktober 2021 Managing Director Europe bei BurdaPrincipal Investments (BPI). In seiner Rolle ist er verantwortlich für Deals, die der Wachstumskapitalarm von Hubert Burda Media in Europa tätigt. So hat er auch das Investment in Arive von Anfang 2022 federführend begleitet. Der Express-Lieferdienst aus München ist der jüngste Portfolio-Neuzugang im Bereich der ‚Quick Commerce‘ Unternehmen von BPI. Im Gespräch gibt Julian von Eckartsberg Einblicke in den sehr dynamischen Bereich.

Julian, Sie sind seit knapp einem halben Jahr Managing Director Europe bei BPI. Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Was mich absolut beeindruckt hat, ist die Menge und die Qualität der Firmen, die bei uns reinkommen, der sogenannte ‚Deal Flow‘. Ich denke, dass wir fast 100 Prozent des für uns relevanten Deal Flows sehen, also der Firmen, die aktuell Geld von Investoren aufnehmen möchten und in Bereichen tätig sind, die wir als Investor für interessant halten. Die Qualität der Firmen im Markt ist wirklich extrem hoch, andererseits muss man als Investor in unserem Bereich auch sehr wählerisch sein. Jeden Tag verfolgen wir Firmen, die um Faktor zehn, fünfzehn oder zwanzig pro Jahr wachsen. Wir sagen aber trotzdem zu 95 Prozent der Firmen „leider nein“. Neben der Qualität der Firmen, hat mich aber auch der Hunger des Teams beeindruckt. Alle haben Lust, etwas zu bewegen und das macht Spaß!

Ein Unternehmen, dem Sie nicht abgesagt haben, sondern das seit Januar zum Portfolio gehört, ist Arive. Warum ist ‚Quick Commerce‘ ein Bereich, der für BPI und somit auch Burda immer wichtiger wird?

Das Thema ‚Quick Commerce‘ verordnen wir im Bereich der Logistik und es legt den Schwerpunkt auf besonders schnelle Lieferzeiten. Unser Fokus liegt hier besonders auf der ‚last mile‘, also der letzten Meile zu den Empfänger:innen, die möglichst schnell zurückgelegt werden soll – wie es Arive anbietet. Aus Burda-Sicht ist das sehr spannend, weil wir schon immer nah an den Konsument:innen sein wollten und es hier genau diesen direkten Touchpoint gibt, während er bei einem Versand von China nach Deutschland nicht vorhanden ist. Mittlerweile zählen mit dem deutsch-britischen Lieferdienst Zapp, dem Online-Lieferdienst für authentisches asiatisches Essen Hungry Panda und dem Logistikunternehmen Ninja Van aus Singapur bereits vier Unternehmen in diesem Bereich zu unserem Portfolio.

Welche Entwicklungen sehen sie bezüglich der ‚last mile‘ auf Seiten der Nutzer:innen und der Marken?

Unserer Hypothese nach können wir die Parallele zur Zalando Werbung vor zehn Jahren ziehen: Damals dachte auch jeder: ‚Schuhe im Internet? Die gibt es doch vor Ort. Und dann muss ich sie zurückschicken?‘ Man hat es fast als abwegig abgetan – als Quatsch. Es hat sich aber das Nutzerverhalten nachhaltig verändert und man kann sich dieses Modell gar nicht mehr wegdenken. Und beim Thema ‚last mile delivery‘ denken wir in eine ähnliche Richtung: Die ‚same day delivery‘ wird mittlerweile zum Standard und eigentlich muss es immer noch schneller gehen. Nutzer:innen gewöhnen sich so sehr daran, dass alles fast sofort ankommt, dass es am Ende des Tages einen Wettbewerbsunterschied darstellen wird, ob man als Marke diese Schnelligkeit bedienen kann oder nicht. Schon heute sind viele traditionsreiche und tolle Marken, insbesondere aus dem Premium- und Luxussegment, online abgeschlagen und genau auf dieses Segment fokussiert sich Arive. Wir glauben, dass Arive das Potenzial hat, eine globale Plattform zu bauen, die es diesen Marken ermöglicht, ihren Kund:innen auch in der Online-Welt ein exklusives und hochwertiges Shopping-Erlebnis zu bieten. Hier spielt natürlich auch die Digitalisierung eine wichtige Rolle, die in allen Bereichen während der Pandemie an Bedeutung gewonnen hat. Ganz spezifisch im e-Commerce zeigt sich, dass sich auch die Firmen, die es schon länger gibt, neu aufstellen wollen und nach Möglichkeiten suchen, mit einer Lieferung innerhalb von 30 Minuten oder zumindest einer zeitnahen Zustellung ihren Kund:innen ein neues Kauf- und Markenerlebnis bieten zu können.

Welche Herausforderung ergibt sich hier besonders?

Ein ganz wesentlicher Punkt ist das Lager: Das muss natürlich so aufgestellt sein, dass es überhaupt möglich ist, innerhalb dieser engen Zeitslots nach Eingang der Bestellung die Ware aus dem Lager zu holen und pünktlich zu liefern. Eine besondere Rolle kommt hierbei der Software zu, über die das Zusammenspiel aus Sortierung im Warenhaus, der Vorbereitung der Produkte und schließlich der ‚last mile delivery‘ optimiert wird. Beim letzten Schritt, also der eigentlichen Lieferung, können eine digitale Routen- und Kapazitätsplanung dabei unterstützen, eine wirtschaftliche Auslastung der Fahrer:innen zu erzielen.

Ein eher kritisches Thema, das mit der ‚last mile delivery‘ verbunden ist, sind die teilweise umstrittenen Arbeitsbedingungen, insbesondere für die Fahrer:innen. Ist das ein Aspekt, den Sie bei Ihren Investments besonders im Auge haben?

Grundsätzlich sollte es natürlich nicht passieren, dass bei einem Unternehmen schlechte Arbeitsbedingungen herrschen! Denn das ist für alle Beteiligten schädlich: Für die Kund:innen, das Unternehmen und die Branche insgesamt. Und auch aus Investorensicht ist es sehr wichtig, dass so etwas nicht passiert. Für uns ist es deshalb absolut relevant, wie mit dem Thema umgegangen wird, welche Bedingungen vorherrschen und wie man das Modell mit dem Bedarf übereinbringen kann.  Hinsichtlich Bezahlung gibt es viele Ideen und Konzepte, die vom reinen Stundensatz abweichen, zum Beispiel die Fahrer am Erfolg zu beteiligen. In der Tat ist eines unserer ‚Quick Commerce‘ Portfolio-Unternehmen gerade dabei, eine solche Beteiligung für all seine Mitarbeiter:innen einzuführen. Außerdem sind natürlich auch Regeln, wie Pausenzeiten, streng nachzuhalten. Für uns ist das ein wichtiges Thema bei der Investmententscheidung und zentrale Punkte werden im Zuge der Beteiligung entsprechend festgehalten.


 

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