Ehrenamt
04.08.2016

„Unbezahlbares Geschenk“

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Ich hatte mir vorgenommen, keine Nachrichten mehr anzuschauen. Die Bilder von kilometerlangen Flüchtlingsströmen erschreckten mich und machten mich traurig.

Diese Strategie funktionierte ein paar Wochen, bis ich wieder vor dem Fernseher saß und mir die Nachrichten anschaute.

Am nächsten Morgen sendete ich eine E-Mail an die örtliche Caritas und bot mich als ehrenamtliche Helferin an. Nach der Absolvierung von Modulen bei denen Wissen rund um das Asylverfahren, Gesetzen und Hintergründe der derzeitigen Situation vermittelt wurden, stieg ich ein.

Unbekümmerte Stunden schaffen

Seitdem betreue ich nach meiner Arbeit als Marketing- und Communications Manager bei BurdaSolutions Kinder zwischen 8 und 18 Jahren aus Syrien, Afghanistan und Irak. Im örtlichen Jugendhaus bringen wir deutsche und ausländische Kids zusammen. Wir spielen, kochen und reden mit Händen und Füssen mit ihnen und schenken ihnen ein paar leichte und unbekümmerte Stunden. Das größte bei der Arbeit: Wenn Flüchtlingskinder gemeinsam mit deutschen Kindern spielen und man das Gefühl hat, Integration geht voran. Wir sind ein offener Jugendtreff, d. h. die Religion und die Gesinnung sind irrelevant. Wir Betreuer lernen auch ein bisschen syrisch und begrüßen die Kids in ihrer Sprache, wenn sie zu uns in den Jugendtreff kommen: Marhaba! Das zaubert ein Lächeln und ein Funkeln in ihre Augen, ein unbezahlbares Geschenk.

In unserer Kleinstadt gibt es ca. 25 Ehrenamtliche, die sich für Flüchtlinge einsetzen: Deutsche unterrichten geflüchtete Frauen in der deutschen Sprache, während andere Helfer auf ihre kleinen Kinder aufpassen; Mitglieder von örtlichen Sportvereinen integrieren Kinder in ihre Trainingsstunden, ein Wanderführer zeigt Interessierten die Region oder das örtliche Kino strahlt Filme ohne Sprachbarrieren aus. Es gibt zahlreiche Angebote, gesteuert wird dies von der örtlichen Caritas.

Der eigenen Stimme folgen

Das Feedback auf meine Arbeit in meinem Umkreis ist gemischt. Dass ich mich für die Kids einsetze, finden alle toll. Danach kommt oft ein Aber. Wie ich damit umgehe? Am Anfang habe ich diskutiert und versucht, mein Gegenüber umzustimmen und ihn von meiner Meinung zu überzeugen. Mit Zahlen und Fakten. Unter Einbezug von Gesetzen. Sachlich. Ruhig. In mir drinnen hat es getobt, ich war aufgewühlt und sauer. Diese Menschen flüchten vor dem Krieg. Sie haben Gewalt gesehen und erlebt. Sie haben eine lange Reise hinter sich. Sie haben alles zurückgelassen und fangen von 0 an. Sie kommen in ein fremdes Land. Sie verstehen unsere Sprache nicht. Die Kultur ist eine komplett andere. Sie würden gerne mit einem „Aber“ kontern? Ich diskutiere nicht mehr. Ich mache einfach weiter und der Kontakt zu ihnen bereichert mein Leben ungemein.

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