Interview-Serie
27.06.2023

Unterwegs mit… Robert Pölzer

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Im Rahmen unserer Reportage-Serie „Unterwegs mit…“ begleiten wir spannende Burda-Kolleginnen und Kollegen in ihrem Arbeitsalltag, der oft alles andere als „alltäglich“ ist. Heute: Bunte-Chefredakteur Robert Pölzer, der für die Juni-Ausgabe des Medienmagazins Turi2 Edition selbst mal aufwändig ins Rampenlicht gerückt wurde.

Es ist zwei Uhr mittags, Robert Pölzer sitzt in Anzug, T-Shirt und Oxford-Lederschuhen in seinem lichtdurchfluteten Eckbüro und ist gut gelaunt. Gleich kommt der Verleger und Medienjournalist Peter Turi, um ihn zum 75. Bunte-Jubiläum für die Juni-Ausgabe der Turi2-Edition zu interviewen. Zweieinhalb Stunden lang, Fotoshooting inklusive. Ein Rollentausch für Deutschlands mächtigsten People-Journalisten, der mit den Kolleginnen und Kollegen der Bunte-Redaktion Woche für Woche exklusive, gesellschaftlich relevante Storys findet, über die ganz Deutschland spricht. Heute steht er zur Abwechslung mal selbst im Fokus. Der Promi-Chef als Promi.

Während Robert Pölzer am PC noch schnell ein paar Storys freigeben muss, betrachte ich seinen Schreibtisch. Da liegen der poetische Bestseller „Der Prophet“ von Khalil Gibran, die CDs „The Playboy Session“ von John Munich und „Live at the Whisky a Go Go“ von Otis Redding sowie eine Repair-Creme für geschmeidige Hände. Daneben steht ein glamouröses Schwarz-Weiß-Bild seiner Frau Vivien und rechts davon ein Familienbild mit Ehefrau, Tochter Vivienne, 17 und Sohn Erik, 12. An der Wand rechts darüber hängt eine historische Bunte-Ausgabe mit Coverstar Kaiserin Farah Diba, die am Geburtstag von Robert Pölzer erschienen ist: am 1. Juli 1961. Er ist 61 Jahre alt. Und er sieht eindeutig jünger aus.   

Als Peter Turi mit seinem Fotografen Johannes Arl im sechsten Stock der Arabellastraße 27 ankommt, geht’s gleich los mit dem Fotoshooting in der Bunte-Lounge. Und Robert Pölzer muss modeln. Bunte lesend auf dem Sofa, sinnierend im Sessel für ein Close-up. „Passt das so?“, fragt der Medienprofi und gibt sich alle Mühe, den Wünschen des Fotografen, der sich buchstäblich für eine besondere Perspektive vor ihm auf den Boden wirft, gerecht zu werden. Nächstes Set: eine Wand in den Bunte-Büros, wo Robert Pölzer stolz die Cover zeigt, die er seit 2016 als Bunte-Chef verantwortet hat. Dann geht’s zum nächsten Raum, in dem kniehohe roten Bunte-Buchstaben stehen, die das Team fürs Foto um ihn herum in die Luft hält. Finale des Shootings: Robert Pölzer wird „spontan“ vom „Paparazzo“ im Fahrstuhl erwischt. Er spielt seine Rolle bestens und hat mit seinem jungenhaft verschmitzten Lächeln sichtlich Spaß daran. Und ja: Der Fotograf hat heute ein Foto für ihn.

Medienprofi und Menschenfreund

Beim anschließenden Turi-Interview in seinem Büro gestikuliert Robert Pölzer viel mit seinen Händen und nimmt sich Raum für seine Gedanken und Zeit zum Überlegen, bevor er antwortet. Seine Stimme klingt warm, beruhigend und vertrauenerweckend. Ein Menschen-Flüsterer.

Er stellt sich allen Fragen: bequemen wie unbequemeren rund um die Marke und das Produkt Bunte. Zum veränderten Medienkonsum der Jugend (seine Kids interessieren sich nur für TikTok), zur Herausforderung, die Auflage im Printgeschäft stabil zu halten (Bunte ist weiterhin mit Abstand stärkster Titel im People-Segment mit aktuell 326.114 verk. Exemplaren und  2,78 Mio. Leser:innen), zu Gewinnrückgängen (u.a. durch Wegfall von Verkaufsstellen im Einzelhandel, steigende Papierpreise und Transportkosten), zu KI (versus authentischem Journalismus), zu Social Media (geschönten Selfies/Storys versus der journalistischen Qualität, die die wahren Geschichten zeigt und einordnet) zu Sonderausgaben und wichtigen neuen Erlösquellen (u.a. Events, Podcasts, Leserreisen, Reiseführern und jüngst „Bunte – live“ in der Sat.1-Vorabendshow „Volles Haus“.)

Wenn man Robert Pölzer beim Reden zuhört, fällt eines auf: seine Bescheidenheit und seine Bodenständigkeit. „Man darf nicht der Versuchung verfallen, dass man Persönlichkeit und Amt vermischt. Wenn ich hier nicht der Chef wäre, würden Sie mich nicht interviewen wollen“, sagt er zu Peter Turi und beweist damit, dass ihm der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen ist. Als Kind wollte der Spross aus einer kreativen Künstlerfamilie zunächst Fußballer werden, dann Musiker, genauer: Bassist. Und er spielte in vielen Bands. Doch weil sein Vater als Redakteur bei der Jugendzeitschrift Popcorn arbeitete und immer umsonst Platten bekam und gratis zu Konzerten gehen konnte, bewarb auch er sich für ein Volontariat im Journalismus. Er wurde Chefredakteur von Neue Revue, Neue Woche und Freizeit Spaß und vor allem Freizeit Revue, bis er 2016 von Patricia Riekel den Chefsessel bei Bunte übernahm. Und heute sieht er sich hier als Dirigent, der sein Team orchestriert.

„Ich moderiere nur, die Redaktion macht die Arbeit“, sagt der Bunte-Chef und meint es auch so. Was ihm dabei wichtig ist: „Die Exklusivität. Wir wollen nach Möglichkeit nur selbstrecherchierte Geschichten im Blatt haben.“ Sein Credo: „Der People-Journalismus hat nur eine Chance, wenn die inhaltliche Qualität stimmt. Es geht um Authentizität, Glaubwürdigkeit und Fairness im Umgang mit den Persönlichkeiten.“ Welches berühmte Schicksal ihm persönlich besonders nahe geht? „Das Schicksal von Franz Beckenbauer. Eine Lichtgestalt, die die Kraft verliert, das ist tragisch“, sagt er mitfühlend.

Und auch er lernt als Chefredakteur Ü60 jeden Tag Neues über Stars und Sternchen dazu, wie er schmunzelnd zugibt. „Harry Styles zum Beispiel kannte ich gar nicht.“ Und wenn Robert Pölzer selbst bei Sat.1 in Köln vor der Kamera steht, um in „Bunte - live“ über angesagte Persönlichkeiten und Adelige zu plaudern, bereitet sich der verantwortungsbewusste Journalist akribisch einen ganzen Tag lang darauf vor, wie er Peter Turi erzählt. Und auch der ist am Ende seines Interviews mit dem Bunte-Gespräch mehr als zufrieden.

Manager statt Machtmensch

Jedes seiner Bunte-Editorials rundet der 61-Jährige mit einer selbsterdachten Lebensweisheit ab, über 360 hat Robert Pölzer schon geschrieben. Sein liebster Spruch – oder sagen wir besser Lebensmotto? „In der Ruhe liegt die Kraft.“

Fragt man Kolleg:innen nach Robert Pölzer, hört man viel Positives. „Er ist immer fair, hört aufmerksam zu und sorgt für eine harmonische Atmosphäre – auch, wenn bei einem Thema mal die Emotionen hochkochen“, sagen einige, die ihm nahestehen. Auch wenn sich manche wünschen, er könnte alle redaktionellen Sparmaßnahmen heroisch abwehren, wie der Drachentöter, der heilige Georg, Schutzpatron von Richard Löwenherz, die als Skulptur auf seinem Schreibtisch steht - ein Geschenk seiner Frau.

Dennoch: Nach Franz Josef Wagner, dem Enfant Terrible des Boulevardjournalismus und Patricia Riekel, der Promi-Diva der Münchner Schickeria, ist Robert Pölzer ein Gegenpol, ein Ruhepol, der der Redaktion guttut. „Ich sehe meine Rolle eher als Verantwortung“, sagt er. Der gebürtige Augsburger ist kein Mensch der Extreme, er hat etwas Ausgleichendes. Statt großer Dramen gibt’s in seiner Redaktion zielführende Diskussionen. Er ist nicht herrisch, sondern höflich. Er ist nicht laut, sondern leise. Statt bei Society-Events sitzt er lieber am Schreibtisch. Trotz gesundem Konkurrenzkampf fördert er Teamdenken und unterstützt den Nachwuchs. Statt langer Nachtschichten gibt es effiziente Abläufe ohne Schlusstage open end. Abends fährt Robert Pölzer mit dem Elektroauto zu seiner Familie an den Starnberger See, doch in seinen Gedanken ist er trotzdem immer bei neuen spannenden Themen für unsere Bunte.

Work-Family-Balance und Natur pur

„Der Vorteil meines Jobs ist, dass ich längst nicht so viel unterwegs bin wie meine Kolleginnen und Kollegen. Darum habe ich öfter Zeit für meine Familie“, erklärt der People-Journalist anderntags beim oneBurda-Interview. Kleiner Haken: „Die Kinder warten natürlich nicht, bis ich da bin. Die verbringen ja auch viel Zeit mit Freunden und Hobbys.“ Eines davon ist Fußball. Pölzer selbst durfte als Kind mit Franz Beckenbauer im Sommercamp spielen. Der Zeitungsartikel darüber steht gerahmt auf einem Schrank im Büro, Autogramm inklusive. Heute ist es sein Sohn Erik, der neben ihm auf der Tribüne lautstark die Spieler des FC Bayern anfeuert, die kleinen Fäuste glücklich in den bayerischen Himmel gestreckt.

Wieder daheim am Starnberger See geht Robert Pölzer in seiner Freizeit gerne mit Latino, dem bayerischem Gebirgsschweißhund der Familie spazieren, kocht mit viel Genuss und gutem Wein, hört Soulmusik der 60er und 70er Jahre oder plant den nächsten Andalusien-Urlaub, seiner zweiten Heimat. Und neulich hätte er sich – fast – in einem Fitnessstudio angemeldet, zumindest hat er es besichtigt. Ein Fitnessarmband trägt er immerhin schon.

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Weitere Impressionen & Downloads

Robert Pölzer am PC bei der Artikel-Abnahme © Johannes Arlt/Turi2

Robert Pölzer mit dem Bunte-Logo beim Turi-Shooting © Johannes Arlt/Turi2

 

Das Licht muss stimmen. PR-Kollegin Franziska Hippe assistiert © Johannes Arlt/Turi2

 

Für einne besondere Perspektive kniet sich Fotograf Johannes Arlt auch mal auf den Boden © Johannes Arlt/Turi2

 

Robert Pölzer zeigt die Bunte Coverwand © Johannes Arlt/Turi2

 

Die Bunte Fotowand © Johannes Arlt/Turi2

 

Paparazzo-Wettstreit mit Johannes Arlt © Johannes Arlt/Turi2

Voller Einsatz für das perfekte Bild © Johannes Arlt/Turi2

Erwischt! Bunte-Chefredakteur Robert Pölzer wird vom „Turi-Paparazzo“ Johannes Arlt im Aufzug abgelichtet © Johannes Arlt/Turi2

 

Robert Pölzer beim Interview mit Journalist und Verleger Peter Turi © Johannes Arlt/Turi2

Blättern in einer alten Ausgabe mit Gina Lollobrigida © Johannes Arlt/Turi2

Robert Pölzer zeigt das Jubiläums-Shooting mit Promis © Johannes Arlt/Turi2

 

Journalist Peter Turi interviewt Robert Pölzer © Johannes Arlt/Turi2

V.l.: Johannes Arlt, Peter Turi, Robert Pölzer, Angelika Otto (Corporate Communications), Franziska Hippe (Brand PR) © Johannes Arlt/Turi2

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