Interview
13.02.2024

Vom Audio-Blog zur Hyperpersonalisierung – Wie sehen die Podcasts der Zukunft aus?

None

Ob Fashion-Podcasts mit der Stimme von Viktoria Beckham oder Podcasts, in denen historische Figuren ihre eigene Geschichte erzählen - dank KI bald Realität? Burda-Experte Peter Kasza zeigt, wie die Podcast-Landschaft der Zukunft aussieht.

Der Ursprung des Podcasts: Wie kams dazu?

Bevor wir uns den aktuellen Entwicklungen zuwenden, werfen wir zunächst noch einen Blick zurück. Obwohl Podcasts erst Mitte der 2000er Jahre ihren Boom erlebten, reicht der Ursprung des Audiomediums bis in die 1980er Jahre zurück. Damals noch unter dem Namen: Audioblogs. Auch damals wollten Menschen schon ihre Gedanken mit anderen teilen, und zwar auf eine andere Art und Weise als durch den klassischen Text. Mit dem Aufkommen von Internetzugängen und tragbaren digitalen Audioplayern wie dem iPod etablierte sich Podcasting Ende der 2000er Jahre zunehmend. Inzwischen sind Podcasts nicht mehr wegzudenken, sondern zu einem zentralen Bestandteil unseres Alltags geworden.

Podcast-Markt: Aus der Masse herausstechen  

Allein auf der Streaming-Plattform Spotify gibt es mittlerweile mehr als 3,6 Millionen Podcasts zu den unterschiedlichsten Themen: Mode, Kriminalität, Geschichte, Nachrichten, Medien - die Liste ist endlos. „Umso schwieriger ist es für neue Podcaster, in diesem überfüllten Markt hervorzustechen. Professionalität, Regelmäßigkeit und qualitativ hochwertige Inhalte sind unabdingbar, um sich in der Podcast-Landschaft zu behaupten“, erklärt Peter.

KI im Podcasting: KI als kleiner Helfer  

Um diesen hohen Anforderungen gerecht zu werden, ist KI für viele in der Podcast-Branche zu einem wichtigen Werkzeug geworden. Was früher mühsam von Hand erledigt werden musste und viel Expertenwissen erforderte, kann heute von verschiedenen KI-Tools übernommen werden. Ein Großteil der Produktion wird heute durch KI unterstützt. Dinge, die früher Tage gedauert haben, können heute in wenigen Stunden erledigt werden, erklärt Peter: "Ob es darum geht, den Podcast zu schneiden oder einen Videoausschnitt als Teaser für Social Media zu erstellen - die meisten Podcaster greifen mittlerweile auf den KI-Helfer zurück. Sie sparen Kosten und natürlich auch Zeit, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Den Inhalt“.  

Synthetische Stimmen und Personalisierung: KI verändert Podcasts 

Doch es bleibt nicht bei unterstützenden Maßnahmen. KI hält mehr und mehr Einzug in die Podcast-Welt. Ein zentrales Beispiel: der Einsatz von synthetischen Stimmen. Also Stimmen von Personen, die es gar nicht gibt. So könnte in einem Geschichtspodcast eine Person aus der Vergangenheit zu Wort kommen und ein bestimmtes Ereignis aus ihrer Sicht erzählen. „Früher musste man für solche Beiträge immer externe Sprecher:innen buchen. Mit einer KI-Stimme kann man heute fast jeden zu jedem erdenklichen Thema sprechen lassen“, sagt Peter. Ob George Clooney im Coffee Talk oder Victoria mit ihren Stylingtipps. Doch auch wenn solche Möglichkeiten technisch umsetzbar sind, ist Vorsicht geboten. Denn das Recht auf die eigene Stimme bleibt weiterhin bei der Person. Ohne die entsprechenden Rechte geht da erstmal nichts. „Außerdem lassen sich Podcasts dank solcher Möglichkeiten inzwischen ganz einfach in verschiedene Sprachen übersetzen, sodass man mit dem eigenen Podcast viel mehr Menschen erreichen kann als früher.“ Für viele eröffnen solche Innovationen ganz neue Horizonte. Allerdings wird KI in diesem Bereich noch sehr vorsichtig eingesetzt, wie Peter berichtet. 

Podcasts und Authentizität: KI wird nicht zum Massentrend 

Denn auch die KI stößt bei Podcasts an ihre Grenzen. Was schließlich macht Podcasts für uns so spannend? Das Gefühl, einem intimen und intensiven Gespräch zu lauschen. Doch genau dieses natürliche und authentische Gefühl geht bei synthetischen Stimmen und KI-gesteuerten Gesprächen schnell verloren. „Authentizität ist das A und O. Künstliche Intelligenz ist nicht die Lösung für alles und kann auch nicht bei jedem Podcast erfolgreich eingesetzt werden“, betont Peter und ergänzt: „Gerade Personality-Podcasts leben davon, dass die Person persönliche Momente aus ihrem Leben teilt. Podcasts sind ein sehr authentisches Medium und leben genau davon“. 

Und selbst wenn sich die Technologie weiterentwickelt und Wege gefunden werden, damit zwei KI-gesteuerte Stimmen ein Gespräch führen und künstlich „Ähms“ und „Öhms“ hinzufügen können, wird KI in Podcasts kein Massenphänomen werden, meint Peter. „Podcasts leben von Menschen, ihren Geschichten und Emotionen. Auch wenn die neueste Technologie die KI immer menschenähnlicher macht, wird sie uns nicht ersetzen“.

PDF
Passend zu diesem Artikel
Immediate Media
So lässt sich ein Podcast-Publikum begeistern
Immediate Media
So lässt sich ein Podcast-Publikum begeistern

Podcasts sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Weltweit gibt es aktuell über 5 Mio. Podcasts. Wie man aus der Masse heraussticht, verrät Ben Youatt, Leiter Podcasts bei Immediate Media in London.

Interview
Durststrecke in der Gründung: Zahlt sich der lange Atem immer aus?
Interview
Durststrecke in der Gründung: Zahlt sich der lange Atem immer aus?

Über zwei Jahre hat Simon Bründl, an der Gründung der Non-Profit Organisation „LifeTeachUs“ gearbeitet. Doch der Durchbruch blieb aus. Irgendwann stand er vor der Entscheidung: Weitermachen oder Aufgeben?

Interview
"Scheitern gehört dazu"
Interview
"Scheitern gehört dazu"

Als Gründerin der Elternplattform Netmoms kam Tanja zu Waldeck zu Burda. Heute ist sie CEO von BurdaForward. Was hilft ihr, als Unternehmerin erfolgreich zu sein?