Playboy
04.10.2016

Wie ist es eigentlich,… Hugh Hefner zu treffen?

Playboy
04.10.2016

Wie ist es eigentlich,… Hugh Hefner zu treffen?

Wer zu Hugh Hefner will, hat erst mal einen großen Stein aus dem Weg zu räumen. Nein, das ist nicht ganz korrekt. In Wahrheit muss der Gast nur in einen riesigen Felsbrocken sprechen, der direkt neben dem Außentor der Playboy-Villa auf dem Boden liegt, wie vom Himmel gefallen. Und zwar mitten rein in die noblen Holmby Hills, eine der feinsten Wohnlagen in Los Angeles. In dem Felsen befindet sich, gut versteckt, eine Gegensprechanlage. Und wenn man ordnungsgemäß angemeldet ist beim prominenten Hausherrn, öffnet sich wie von Geisterhand das gusseiserne Eingangstor und macht den Weg frei zu einer kurvenreichen Auffahrt. Im Schritttempo rollt der Gast vorbei an freilaufenden Flamingos und an Hinweisschildern, die jeden Ankömmling bitten, auf das Füttern von Bunnys zu verzichten. Und nach einigen Metern wird der Blick frei auf das Herzstück der parkähnlichen Anlage: Hefs Villa, berühmt geworden unter dem Namen „The Playboy Mansion“.

Das Gebäude, das Hugh Hefner 1971 für eine Million Dollar erwarb und seither bewohnt, wechselte im Sommer 2016 für sagenhafte 100 Millionen Dollar den Inhaber. Der Käufer ist ein griechischer Investment-Milliardär, praktischerweise Hugh Hefners direkter Nachbar. Der Verkauf ist jedoch an die Bedingung geknüpft, dass der neue Eigentümer dem heute 90 Jahre alten Playboy-Gründer ein lebenslanges Wohnrecht einräumt.

Zuerst betreten Gäste die Eingangshalle des im neugotischen Tudorstil erbauten Stadtschlosses. Geschultes Personal geleitet die Ankömmlinge vorbei an einer mondänen Treppe, die zu den Privatgemächern von Hugh Hefner führt. Der obere Bereich ist für Fremde tabu. Von Hef selbst ist weit und breit noch nichts zu sehen. Durch den angrenzenden Living Room, eine Art Privatkino voll gigantischer Ledersofas, gelangt man von der Eingangs-Lobby in die Bibliothek, ein mit Büchern und Bildern vor dunklen Holzwänden dekoriertes Erkerzimmer. Hefners persönliche Assistentin bittet hier höflich, auf einem der schweren Sessel Platz zu nehmen – man sage dem Herrn des Hauses nun Bescheid, dass die Gäste eingetroffen seien. Und nach wenigen Minuten dann ist er da: gemächlichen Schrittes. Und auf ganz leisen Sohlen. Gekleidet in einen seidenen, rubinroten Morgenmantel. Von der Gestalt kleiner und zierlicher, als man es erwartet hätte.

Ich begegnete Hefner an jenem 1. Februar 2011 zum ersten Mal. Mein Kollege Philip Wolff und ich waren mit dem legendären Bunny-Boss zum Interview verabredet. Aus Anlass seines bevorstehenden 85. Geburtstags. Dafür hatten wir uns auf den Weg gemacht, von München nach L.A. – für ein exklusives, wenn auch nur halbstündiges Gespräch. Das war zumindest vereinbart. Möglicherweise hatte Hugh Hefner dann aber doch so viel Spaß an der Gesellschaft und den neugierigen Fragen der beiden deutschen Redakteure, dass aus den geplanten 30 Minuten mehr als eine Stunde wurde. Vielleicht war es aber auch nur Hefs Höflichkeit geschuldet, dass er die zwei Weitgereisten nicht schon nach kurzer Zeit wieder vor die Tür setzte. Hatten Sie ihn doch gleich bei der Begrüßung mit einer bayerischen Lederhose aus feinstem Hirschleder beschenkt. Hefs Reaktion beim Anblick des Mitbringsels: ein langes, lautes, donnerndes Lachen.

Nachdem die beiden Fragensteller sich in der Sitzgruppe um den Interviewpartner drapiert hatten, bedeutete Hef einem von uns, mir, näherzukommen. Noch näher. Ich berührte mit den Lippen fast sein Ohr. Hefner litt zu diesem Zeitpunkt bereits unter starker Schwerhörigkeit. Dann aber die Überraschung: Der 85-Jährige erwiderte all unsere Fragen mit einer Schlagfertigkeit und Leichtigkeit, die so gar nicht zu seiner körperlichen Fragilität passen wollte. Hefner hatte sichtlich Spaß an dem Interview und lieferte uns, den beiden Repräsentanten der „German Edition“, pointierte, geistreiche und druckreife Antworten. Und: Er entpuppte sich als äußerst interessierter und neugieriger Gesprächspartner. So erkundigte er sich ausführlich nach den Entwicklungen und Herausforderungen der deutschen Ausgabe.

Als wir uns nach einem ausführlichen Rundgang über das Areal – inklusive sagenumwobener Grotte („What happens in the Grotto, stays in the Grotto!“), Playmate-Unterkünften, Zoo, Tennisplätzen und „Game House“ – verabschiedeten, sprachen wir minutenlang kein Wort. Spürten wir wohl beide, einen besonderen Moment in unserer beruflichen Vita erlebt zu haben. Dann aber versicherten wir uns doch noch schnell, dass die Worte des Playboy-Gründers auch tatsächlich auf unserem Aufnahmegerät zu hören waren – und wir nicht in der Hitze des Gefechts vergessen hatten, den Record-Button zu betätigen. Wir drückten auf Wiedergabe und stellten erleichtert fest, dass Hef laut und deutlich auf unserem Band zu vernehmen war. Uns fiel ein Felsbrocken vom Herzen, der wohl so groß und schwer war wie der Stein am Eingangstor zur Playboy Mansion.

Und so machte ich mich erleichtert auf zu meinem nächsten Termin: Im Restaurant des Beverly Hills Hotel wartete bereits die nächste Begegnung: ein Mittagessen mit Nastassja Kinski. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte…

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Zuerst betreten Gäste die Eingangshalle des im neugotischen Tudorstil erbauten Stadtschlosses

Wir blicken in Hefners Wohnzimmer, eine Art Privatkino mit gigantischen Ledersofas. Der obere Bereich ist für Fremde tabu

Von der Eingangs-Lobby gelangt man in die Bibliothek, ein mit Büchern und Bildern vor dunklen Holzwänden dekoriertes Erkerzimmer

Das Gebäude, das Hugh Hefner 1971 für eine Million Dollar erwarb und seither bewohnt, wechselte im Sommer 2016 für sagenhafte 100 Millionen Dollar den Inhaber

In einer Art Höhle verbirgt sich ein sagenumwobener 'Grotto Hot Tub'

Im Schritttempo rollt der Gast vorbei an freilaufenden Flamingos und an Hinweisschildern, die jeden Ankömmling bitten, auf das Füttern von Bunnys zu verzichten. Und nach einigen Metern wird der Blick frei auf das Herzstück der parkähnlichen Anlage: Hefs Villa, berühmt geworden unter dem Namen „The Playboy Mansion“

Als wir uns nach einem ausführlichen Rundgang über das Areal: Playmate-Unterkünfte, Zoo, Tennisplätze und ein „Game House“

Pamela Anderson, die bereits 13 Mal das Playboy-Cover zierte, posiert mit Florian Boiton im Playboy-Club, Köln

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