Focus Inner Circle digital
27.05.2020

Wie schützen wir die Risikogruppen?

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Zwischen Freiheit, Sicherheit, Vorsicht, Mut, Vernunft und Schutz – die Debatte um die Lockerungen der Corona-Einschränkungen berührt die Grundwerte unserer Gesellschaft. Wie schützen wir die Risikogruppen und ermöglichen gleichzeitig einen geordneten Neustart des Landes? Wie können Unternehmen dabei helfen? Und wie sieht die richtige Politik für diese Phase der Pandemie aus? Darüber diskutierten am Donnerstag, den 14. Mai, die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, Caritas-Direktorin Ulrike Kostka und Deichmann-Chef Heinrich Deichmann vor mehr als 18.000 Zuschauern.

Lockerungen als politisches Wettrennen

Ulrike Kostka hat eine klare Haltung zur aktuellen Lockerungspolitik der Bundesregierung. Die Direktorin der Caritas ist keine typische Systemkritikerin. Doch seit ein paar Wochen ist sie vor allem eins: genervt. „Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass das Ganze zu einer Art politischem Wettrennen geworden ist“, sagte sie. Es gehe nur noch darum, welcher Ministerpräsident am schnellsten die meisten Lockerungen verkünden könne. Bei politischen Entscheidungen zu Lockerungen fehle oft der Praxisbezug, meinte Frau Kostka. Auf den „Hauruck-Beschluss“, die Pflegeheime zum Muttertag für Besucher zu öffnen, seien zum Beispiel viele nicht vorbereitet gewesen. "Es hat uns dafür an Grundvoraussetzungen wie Schutzkleidung und -masken gefehlt.“

Die Verantwortung der Unternehmen

Heinrich Deichmann sieht eine soziale Grundverantwortung bei Unternehmerinnen und Unternehmern. „Diese Krise war seit dem Zweiten Weltkrieg die größte Herausforderung für unser Unternehmen“, sagte Deichmann. Trotz Verlusten entschied er sich kurz nach Wiederöffnung seiner Läden dazu, eine Million Schutzmasken an die Caritas zu spenden und so zu helfen. „Ich bin dankbar, dass wirtschaftliche Unternehmen von selbst die Initiative ergriffen und teilweise ihre Produktion umgestellt haben“, pflichtete Katrin Göring-Eckardt bei. Auch hier habe es eine Weile gedauert, bis die Regierung den Unternehmen Unterstützung zusichern konnte. Etwa in Form einer Abnehmergarantie, kritisierte die Grünen-Politikerin.

Sonderregeln für Risikogruppen

Für die Zukunft wünscht sich die Fraktionsvorsitzende eine schnellere, vor allem aber eine besser abgestimmte Kommunikation der Bundesregierung. Ulrike Kostka mahnte zudem, die Risikogruppen bei den Lockerungen nicht zu vergessen: „Wir können nicht die einen in häusliche Quarantäne stecken, während wir den anderen schon wieder alles erlauben.“ Als Übergangslösung schlug sie spezielle Zeiten vor, zu denen sich Senioren, Vorerkrankte und andere Risikogruppen in Geschäften oder an öffentlichen Orten aufhalten dürfen. Von dem Rest der Bevölkerung erwarte sie vor allem eines: Rücksicht.

Auf dem Youtube-Kanal des Focus können Sie die Diskussion auch nachträglich verfolgen. Der nächste Focus Inner Circle digital findet am kommenden Donnerstag, den 28. Mai mit CDU-Innenexperte Philipp Amthor statt. Die Live-Debatte wird um 20 Uhr auf dem Youtube- und Facebook-Kanal des Focus übertragen.

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Ulrike Kostka, Heinrich Deichmann und Katrin Göring-Eckardt diskutierten live beim Focus Inner Circle digital wie ein geordneter Neustart in Deutschland aussehen kann © Hubert Burda Media

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