Bunte.de
25.09.2023

"Wir wollen als Team das Beste aus KI herausholen"

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Im September beleuchten wir die verschiedenen Facetten von Künstlicher Intelligenz und zeigen, wo die Chancen, aber auch Risiken liegen. Dazu sprechen wir mit Macherinnen und Machern aus den verschiedensten Bereichen. Bunte.de-Chefredakteurin Alina Bähr berichtet von ihren ganz persönlichen Erfahrungen – von Skepsis bis Begeisterung.

Was war Dein erster Eindruck als Bunte.de-Chefredakteurin, als Du KI – bzw. ChatGPT – zum ersten Mal getestet hast?

Ich kann mich noch gut an diesen Moment erinnern. Ein Kollege hatte mir das Tool auf der letzten BurdaForward-Weihnachtsfeier gezeigt. Im ersten Moment war ich gleichermaßen etwas verstört und fasziniert. Und ich habe mich dann noch in der Nacht hingesetzt und die ersten Prompts geschrieben. Als Journalistin bin ich von Beruf aus neugierig und deswegen hat die Faszination letzten Endes auch überwogen.

Was war Dein erster Prompt?

Ich habe das Tool Texte über meine eigene Person verfassen lassen, von denen etwa 80 Prozent gestimmt haben, aber 20 Prozent waren totaler Murks. Es gibt eine sehr erfolgreiche Radrennfahrerin, die so heißt wie ich und ChatGPT hat unsere Karrieren durcheinander gewürfelt. Eine gewisse Vorsicht ist bei den ChatGPT-Ergebnissen durchaus angebracht.

Wie schnell haben sich die Mitarbeitenden bei Bunte.de auf die neuen Herausforderungen und Chancen durch generative KI eingestellt? Gab es anfangs mehr Zurückhaltung oder Begeisterung?

Zu Beginn gab es durchaus etwas Skepsis. Es war eine unbekannte Variable. Man kann dann weiter argwöhnisch sein oder sich mit einem offenen Verstand ins große Unbekannte stürzen. Ich habe deshalb dafür plädiert, diese neue Technik anzunehmen, sie auszuprobieren und für uns als Team das Beste aus solchen Tools herauszuholen. Wenn man sich durch KI die Arbeit erleichtern kann, macht der Umgang damit wirklich Sinn. Unser Team ist sehr jung, motiviert, neugierig und offen dafür, neue Entwicklungen auszuprobieren.

Wie hat sich die Arbeit von Bunte.de-Journalist:innen durch den Einsatz von KI, insbesondere ChatGPT, konkret verändert?

ChatGPT, Deepl Write & Co. nutzen wir täglich. Wir haben in einem Best Case vom Entertainment-Team verfasste Texte für Bunte.de und Focus online mithilfe von KI für die jeweils andere Marke uniquisiert. Ein:e Redakteur:in braucht für das händische Umschreiben und SEO-Optimieren eines Textes je nach Aufwand 10 bis 15 Minuten – mit KI bin ich in zwei Minuten durch. Es folgt ein KI-basierter Grammatik- und Rechtschreibcheck und anschließend überprüft ein Teammitglied final, ob alles korrekt ist. Das machen wir mittlerweile sehr erfolgreich und haben diesen Prozess fest im redaktionellen Alltag verwurzelt.

Auch bei der Kuration von Podcasts oder dem Abtippen und Übersetzen von Interviews benutzen wir zeitsparende KIs. Mittlerweile erstelle ich auch unseren Dienstplan mit AI, was mir gute zwei Stunden einspart. Man kann also immer überlegen: Welche Tätigkeiten muss ich wirklich selbst machen und wo kann mich die KI unterstützen? Und wenn ich einen guten Teil davon an die KI delegieren kann, habe ich viel mehr Zeit, um mich um aufwändigere redaktionelle Themen zu kümmern.

Apropos Redaktion: ChatGPT ist rund um die Uhr verfügbar, braucht keine Pausen, wird nicht krank, macht keinen Urlaub und will kein Gehalt. Warum sollte man noch Redakteur:innen einstellen, wenn ChatGPT umsonst arbeitet?

Ich habe keine Angst, dass die Maschine den Menschen ersetzt. Gerade im redaktionellen Bereich ist es unabdingbar, dass ein:e Kolleg:in die von KI erstellten Texte noch einmal kontrolliert, optimiert und verifiziert. Zum Beispiel weiß ChatGPT nach wie vor nicht, dass Charles König von England ist und lässt einen immer noch glauben, dass Queen Elizabeth regiert – und am Leben ist. Der Datensatz hört im Herbst 2021 einfach auf. Daher braucht es jemanden, der ein solides journalistisches Wissen hat, diese Fehler sieht und korrigiert. Von der KI erstellte Texte müssen gründlich redigiert werden. Solch ein Tool kann keine Redakteurin ersetzen, die seit Jahren im People-Journalismus tätig ist. Es ist vielmehr eine Ergänzung im redaktionellen Alltag.

Was glaubst Du, welche neuen Jobs durch KI im People-Journalismus entstehen können?

Sie sind schon entstanden: Wir haben in meinem Team eine Stelle für eine KI-Reporterin geschaffen. Meine Kollegin Vanessa beschäftigt sich mit der Frage, wie wir KI für die Marke Bunte.de nutzen können. Wir experimentieren da gerade viel und sie bringt starke Impulse ins Team – für viele von den oben genannten Punkten hat sie den Anstoß gegeben.

Bunte.de hat sagenhafte 13,47 Millionen Unique User und steht für Aktualität und Exklusivität. Wie passen Exklusivität und KI-generierte Texte zusammen?

Im Onlinebereich hat Exklusivität für mich nicht die oberste Priorität. Eine Meldung kann sich innerhalb von Minuten über sämtliche Plattformen hinweg verbreiten und ist für alle zugänglich. Aber wir haben dafür eine exklusive Haltung, die wir transportieren. Die Marke Bunte.de hat immer einen positiven Ansatz. Wir möchten den Menschen, die wir begleiten, Wertschätzung entgegenbringen. Zudem bieten wir seit etwa zwei Jahren nicht nur prominenten Personen eine Bühne, sondern auch faszinierenden Persönlichkeiten, die etwas bewegt haben und die wir daher ebenso gerne begleiten. Menschen, die nicht unbedingt im Rampenlicht stehen, aber die es verdienen, durch ihre Taten ins Rampenlicht gerückt zu werden. Das ist es, was für uns zählt: spannende Storys mit echten Menschen. Und KI ist in diesem Prozess nur eine weitere Säule, auf der wir stehen. Aber nicht die einzige.

 

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Focus Online-Chefredakteur Florian Festl und Bunte Online-Chefredakteurin Alina Bähr im Gespräch mit Angelika Otto (HBM) © HBM

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