Print macht stark
29.10.2019

Ein Text sieht gedruckt einfach besser aus

Print macht stark
29.10.2019

Ein Text sieht gedruckt einfach besser aus

„Ein Text sieht gedruckt einfach besser aus“, findet Focus-Kolumnist Jan Fleischhauer. Das ist aber nur einer der Gründe, warum Print für ihn ein besonderes Medium ist und bleibt. Mehr erzählt er im Interview.

Herr Fleischhauer, was sind Ihre liebsten Print-Momente? 

Ich glaube an Print, schon zu Distinktionszwecken. Wer morgens in der U-Bahn eine Zeitung oder Zeitschrift auf den Knien hat, wirkt gleich ungemein weltläufiger als der Nachbar, der angestrengt auf seinen Handy-Bildschirm starrt. Was hilft außerdem am zuverlässigsten gegen den Virenstrom des schwervergrippten Gegenüber? Einfach die Zeitung hochhalten, wenn er niest. Habe ich mir nicht ausgedacht. Stand so in der Empfehlung eines Arztes, der neulich zu den besten Tipps zur Abwehr von Erkältungskrankheiten befragt wurde.

Sie sind als Journalist auf vielen Medienkanälen zuhause. Wenn Sie einen Beitrag produzieren: Was ist für Sie persönlich das Besondere am Medium Print? 

Ein Text sieht gedruckt einfach besser aus. Gegen eine schön gestaltete Doppelseite kommt kein Online-Angebot der Welt an. Jedenfalls habe ich noch keines gesehen, das mit Print mithalten könnte. Man kann Gestaltung überflüssig finden. Aber dann sind auch milliardenschwere Wirtschaftszweige wie die Modeindustrie oder die Designbranche überflüssig.

Vorschau auf eine vollständig technologisierte Medienwelt in 20 Jahren. Welche Rolle spielen Vollblutjournalisten? Oder sieht die Welt vielleicht ganz anders aus? 

Menschen erzählen einander seit 140.000 Jahren Geschichten. Vielleicht kommt das zu einem abrupten Ende, weil der Computer den Homo sapiens auch im Unterhaltungsgeschäft aussticht. Ich bezweifele allerdings, dass dies noch zu meinen Lebzeiten passieren wird. Es fällt ja schon vielen Menschen schwer, genuin witzig zu sein. Aber, bitte, ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen: Wenn der Algorithmus so lustig ist wie Ricky Gervais, weiß ich, dass es Zeit ist, die Koffer zu packen.

Was hat sich an der Arbeit eines Journalisten aus Ihrer Sicht bis heute am meisten verändert? Was müssen Medienschaffende selbst tun, damit es hochwertigen Journalismus in 100 Jahren noch gibt? 

Um mit dem Letzten zu beginnen: Sich auf das besinnen, was sie am besten können. Der einfachste Weg, jemanden dazu zu bewegen, dass er einem zuhört, ist ihm zu sagen: „Pass auf, ich erzähle Dir eine Geschichte.“ Das funktioniert immer, vorausgesetzt natürlich, man weiß als Journalist, was man tut. Hat sich die Arbeit von uns Medienleuten sehr verändert? Ich glaube nicht. „Nichts interessiert den Menschen so sehr wie der Mensch“, hat Rudolf Augstein einmal gesagt. Dabei ist es bis heute geblieben.

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