Print macht stark
23.10.2019

Ich habe über 1600 People-Geschichten geschrieben

Print macht stark
23.10.2019

Ich habe über 1600 People-Geschichten geschrieben

Sie ist der Seismograph der Gesellschaft, beobachtet aus der Mitte des Geschehens und bietet Stars und Sternchen, Royals, Politikern, Sportlern und Wirtschaftslenkern eine Bühne: Bunte. Europas größtes People-Magazin erreicht jede Woche über vier Millionen Leser. Die Neugierde an anderen Menschen hält die Gesellschaft zusammen. Das weiß auch Tanja May, stellvertretende Chefredakteurin bei Bunte, die seit 19 Jahren ein Auge darauf hat, wer gerade die Klaviatur der Aufmerksamkeit gekonnt spielt, wo sich das Liebes-Karussell der Society weiterdreht, wer in der Gesellschaft gescheitert ist – und wer es nach einer Krise wieder nach oben schafft. „In Bunte ist für jeden Leser etwas Spannendes dabei“, sagt die leidenschaftliche Reporterin.

Welche Besonderheiten verbinden Sie mit Magazinen?

Zuerst einmal die Haptik. Geschichten sowie Foto-Strecken auf hochwertigem Magazin-Papier wirken anders, fühlen sich in der Hand besser an. Zudem liefern Magazine im Gegensatz zu anderen journalistischen Formaten viel mehr Hintergrundwissen. In einem Magazin findet sich für jeden Leser zumindest eine Geschichte, die ihn fesselt – oftmals wird er aber auch auf neue Themen außerhalb seines Kosmos‘ aufmerksam. Für mich ist Bunte lesen wie ein Mini-Urlaub, ein kurzes Abschalten vom Alltag und ein vorübergehendes Eintauchen in die Welt der Schönen, Reichen und Mächtigen. Entweder man freut sich oder leidet mit den Menschen, über die wir schreiben. Vor allem unsere Schicksalsgeschichten zeigen, dass Geld allein nicht der Garant für Glück und Gesundheit ist. Das macht vielen Menschen Mut und gibt Kraft.

Was können und müssen wir als Medienschaffende selbst verändern, damit es hochwertigen Journalismus auch noch in 50 Jahren gibt?

Verlage müssen Geld in gute Journalisten und Reporter investieren. Es ist unabdingbar für eine hochwertige Berichterstattung, dass ein Reporter vor Ort ist, sich einen Eindruck von den Geschehnissen macht und persönlich mit den Menschen redet. Nur so entsteht beim Lesen das Gefühl, nah an dem Menschen zu sein, über den berichtet wird. Auch gute exklusive Fotos sind für hochwertige, journalistische Beiträge essenziell.

Wie lange dauert es, um eine Geschichte zu realisieren?

Als Reporterin ist es für mich am Schwierigsten, Menschen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen oder kein neues Projekt haben, welches beworben werden soll, für ein Gespräch zu gewinnen. Über einen neuen Film oder ein neues Buch möchte jeder in Bunte reden, über Steuerhinterziehung, Fremdgehen oder Jobverlust nicht. Die Kunst ist es, eben genau diese Geschichten so zu recherchieren, dass sie am Ende den Weg in Bunte finden. Das kann teilweise Wochen, Monate oder Jahre dauern. Es hat beispielsweise zehn Jahre gedauert, bis mir der Immobilienpleitier Jürgen Schneider und seine Frau ihr erstes Interview nach dem Gefängnis gegeben haben. Im Idealfall lässt sich eine Geschichte innerhalb einer Woche realisieren. Wenn ich das ein- bis dreistündige Interview geführt habe, lese ich mir alle Fakten durch, lasse es sacken und schreibe dann meinen Artikel. Je nach Textlänge dauert das zwei bis drei Stunden. Aber es gibt auch Geschichten, die wir aus Respekt vor der Privatsphäre nicht publizieren. Über den Gesundheitszustand eines Menschen würden wir nur in Zusammenarbeit mit dem Betroffenen berichten.

Wie viele Geschichte haben Sie in Ihrer bisherigen Laufbahn publiziert?

Mein Anspruch an mich selbst ist es, jede Woche mindestens eine – im Optimalfall exklusive – Geschichte in Bunte zu veröffentlichen. Manchmal sind es aber auch mehr. In meinen 19 Jahren bei Bunte habe ich laut Archiv rund 1600 Geschichten veröffentlicht.

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