Print macht stark
30.10.2019

Zeitgeist zum Anfassen

Print macht stark
30.10.2019

Zeitgeist zum Anfassen

„Gib den Lesern nicht, was sie glauben, sich zu wünschen. Gib ihnen, was sie noch gar nicht wissen, dass sie es sich wünschen!“ Dieses Motto der legendären Diane Vreeland hängt bei Kerstin Schneider, Chefredakteurin von Harper’s Bazaar, an der Wand hinter ihrem Schreibtisch. Schon als Kind entdeckte sie ihre Leidenschaft für Mode und Design. Heute übersetzt die Chefredakteurin Zeitgeist in hochwertige Bilder und Geschichten – immer mit dem Blick fürs Besondere. Wieviel (Team-)Arbeit hinter einer perfekten Inszenierung steckt, wie die Redaktion Instagram nutzt, und warum sie findet, dass Print-Redakteure lange schon Influencer sind, erklärt Kerstin Schneider im Interview.

Frau Schneider, wann haben Sie Ihre Leidenschaft für die Mode entdeckt?

Da meine beiden Großmütter immer sehr viel Wert auf gute Kleidung legten, wurde mir das sehr früh vermittelt. Tasche, Handschuhe und Schuhe waren immer perfekt aufeinander abgestimmt und wurden teilweise extra angefertigt. Mein Lieblingsspielzimmer war der Kleiderschrank meiner Großmutter.

Was an Ihrer Arbeit begeistert Sie heute am meisten?

Der kreative Prozess, der zuerst in meinem Kopf stattfindet und sich dann weiter gemeinsam mit einem Team in ein konkretes Produkt verwandelt – etwa in eine Modestrecke, eine Kunstgeschichte oder sogar in ein ganzes Heft. Und ganz wichtig für meine Leidenschaft in diesem Beruf: Die Reaktionen der Leserinnen, wenn Sie uns bestätigen, wie großartig sie unsere Geschichten und Bilder finden. 

Mode lebt von der perfekten  Inszenierung. Wie muss man sich ein Shooting hinter den Kulissen vorstellen?

Ein Modeshoot ist nie glamourös. Oft ist es kalt, es kann regnen, ein Equipment muss von A nach B getragen werden… Ein Shooting ist harte Arbeit und im besten Fall perfektes Teamwork. Jeder im Team spielt dabei eine wichtige Rolle. Meine Rolle ist es, eine kreative Vision zu vermitteln, sodass daraus wunderbare Fotos entstehen.

Was muss eine Geschichte haben, damit sie es in Harper’s Bazaar schafft?

Sie liegt im Zeitgeist, vermittelt Wissen und – ganz wichtig – unterhält dabei ihre Leser. Dann ist sie perfekt für Harper’s Bazaar.

Wie muss man sich den Weg einer Modestrecke vorstellen?

Jede neue Modesaison beginnt mit den Schauen in Paris, Mailand, London und New York. Die Inszenierung, die Musik und die Stimmung der Show spielen dabei eine wichtige Rolle. Anschließend besuche ich die Showrooms, um die Kollektionen aus der Nähe anzusehen. Man tauscht sich mit den Designern und den Einkäufern aus. Parallel zur Show lege ich mir außerdem in meinem iPhone einen Ordner mit meinen Favoritenlooks an. Zurück in der Redaktion spreche ich mit unserem Features Director über Ausstellungen und Filme, die in der nächsten Saison erscheinen. All diese Inspirationen fließen dann in die Strecken ein, die wir aufwändig produzieren. Übrigens geht die „Karriere“ einer Modestrecke dann noch weiter. Denn viele unserer Geschichten werden von anderen Bazaar-Ausgaben übernommen, wie z.B. Japan, China, Polen oder Brasilien.

Wie wichtig ist heute Instagram?

Natürlich wichtig. Wir machen ja selbst erfolgreich Posts und Storys, teils unmittelbar von den Schauen. Und viele unserer Modestrecken werden nach Erscheinen vom gesamten Team auf Instagram geteilt, also nicht nur von mir, sondern auch von den Fotografen, Models, Designern und Hair- and Make-up-Artists. So konnten wir mit einer Geschichte schon mal über zwei Millionen Menschen auf Instagram erreichen. Wir sind also durchaus selbst Influencer – waren es schon, als es den Begriff noch gar nicht gab! Instagram ist ein flüchtiges Medium. Ein Magazin hat einen viel längeren Haltbarkeitswert. Es wird gesammelt, immer wieder in die Hand genommen.

Wie würden Sie das Verhältnis zu Influencern beschreiben?

Ich bin mit vielen internationalen Influencern befreundet. Wir tauschen uns aus, schließlich bewegen wir uns im selben Metier. Das ist kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Ich beobachte dabei immer häufiger, dass sich auch die Arbeit des Influencers verändert. Viele meiner Influencer-Freunde kreieren inzwischen ihre eigenen Kollektionen, machen Konzepte für Kampagnen – und sie fragen mich häufig, ob sie nicht für Harper’s Bazaar arbeiten könnten. In einem Magazin stattzufinden, ist für sie wie ein Ritterschlag.

Noch eine abschließende Frage: Welcher Shoot ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Shoots mit Stars sind immer etwas ganz Besonderes. Erstaunlicherweise sind Stars oft recht unsicher, da ist es wichtig, ihr Vertrauen gleich beim Kennenlernen zu gewinnen, Respekt und Einfühlungsvermögen zu zeigen. Besonders beeindruckt hat mich Winona Ryder, die sich vor der Kamera vollkommen verwandelte. Und zuletzt auch unser November-Covershoot mit Cindy Crawford. Auch die Arbeit mit Helmut Newton werde ich nie vergessen. Er erwartete, dass man perfekt vorbereitet war – inklusive Requisiten. Er hat das getestet! Ich war perfekt vorbereitet  – und er der schnellste Fotograf der Welt. In einer halben Stunde war ein Motiv geshootet.
 

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Weitere Impressionen & Downloads

Modeshooting für Harper's Bazaar © Robert Fischer

Brie Larson-Illustrationen in Harper's Bazaar © Lauren Tamaki

Kunstvoll gestylt in Harper's Bazaar © Paul Rousteau

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