Wirtschaftswunderfrau
Aenne Burda

Schnitt für Schnitt zum Erfolg

Am 3. November 2005 starb Aenne Burda im Alter von 96 Jahren in ihrer Heimatstadt Offenburg. Eine Woche später folgte ein Trauerzug durch die Stadt, angeführt von einem 600er Mercedes-Pullmann mit dem Sarg der Verlegerin, gefolgt von 50 schwarzen Limousinen mit Trauergästen wie Wolfgang Schäuble, Hans-Dietrich Genscher, Günther Öttinger, Filmproduzent Arthur Cohn, Modedesigner Karl Lagerfeld, Verlegerin Friede Springer. 200 Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft waren in die 60.000-Einwohner-Stadt Offenburg gekommen, um von Aenne Burda Abschied zu nehmen. Sie verbeugten sich vor einer Frau, die die „Welt am Sonntag“ 1979 noch vor Mildred Scheel und Hildegard Knef als „erfolgreichste Frau der Bundesrepublik“ bezeichnet hatte.

Auch die Nachrufe auf die Verlegerin überboten sich mit Superlativen:

Jahrhundertfrau. Ikone des 20. Jahrhunderts. Königin der Kleider. Erfolgreichste Unternehmerin der Nachkriegsgeschichte. Symbolfigur des Wirtschaftswunders. DIE deutsche Wirtschaftswunderfrau.


„Sie hatte eine Grandezza, wie man sie heute leider nicht mehr kennt.“

Udo Jürgens, Komponist und Sänger (1934-2014)


Der Name Aenne Burda ist untrennbar verbunden mit „Burda Moden“. Das Schnittmuster-Magazin erreichte in Spitzenzeiten eine Auflage von über 4 Millionen Exemplaren und wurde in 120 Ländern weltweit verkauft.

Doch wie war es der Eisenbahnertochter Anna Magdalene Lemminger aus der badischen Provinz gelungen, das erfolgreichste Modeimperium der Welt zu schaffen?

1909 im Kaiserreich geboren, wuchs Anna Magdalene als mittleres von drei Kindern auf. Der Vater erst Heizer, später Lokomotivführer, die Mutter streng katholisch und sparsame Wirtschafterin. Die Familie lebte in einer Straße unter ihresgleichen, bescheiden und unauffällig. Allein Tochter Anna fiel durch Streitlust und eisernen Willen auf. So setzte sie durch, nicht wie ihre Geschwister und die anderen Eisenbahnerkinder die gewöhnliche Volksschule zu besuchen, sondern die Klosterschule, eigentlich höheren Töchtern vorbehalten. Dass sie die Einzige war, die sich keine Schuhe mit Ledersohlen leisten konnte, sondern genagelte Sohlen trug, so dass sie vor der Klasse ermahnt und nach Hause geschickt wurde, traf sie tief. Dieses Erlebnis verfestigte den Wunsch, ein besseres Leben zu führen.

Franz Burda war ein Visionär, besaß einen Doktortitel und machte ihr einen Heiratsantrag

Eine Chance bot sich, als sie 1929 Dr. Franz Burda kennenlernte. Noch war er nicht reich, konnte nicht einmal die Rechnungen des städtischen Elektrizitätswerks pünktlich bezahlen, die sie als Lehrmädchen einzufordern hatte. Doch Burda hatte große Pläne mit der verschuldeten Drei-Mann-Druckerei seines Vaters. Er war ein Visionär, besaß einen Doktortitel und machte ihr einen Heiratsantrag. 1931 wurde Hochzeit gefeiert und Anna ließ ihren Vater einen Kredit über 10.000 Mark aufnehmen, um ein standesgemäßes Fest auszurichten und eine gut bürgerliche Wohnungseinrichtung zu finanzieren.

Ehemann Franz hatte nicht zu viel versprochen. Er feierte unternehmerische Erfolge mit einer der ersten Rundfunkzeitschriften Deutschlands, indessen Anna drei Söhne zur Welt brachte, Hausfrau und Mutter war. "Da träumt man nicht viel", erinnerte Aenne Burda später, "da lebt man sehr in der realen Welt."

Im Mai 1945 war Anna Burda 35 Jahre alt, ihre Buben 5, 9 und 13. Gerne hätte sie im Unternehmen ihres Mannes mitgearbeitet, doch das wollte Franz Burda nicht. Er druckte im Auftrag der französischen Militärregierung Schulbücher und Briefmarken und erhielt bald Lizenzen, Zeitschriften zu verlegen. Als ein französischer Freund ihr vorschlug, eine Modezeitschrift zu publizieren, stieß sie bei ihrem Mann auf taube Ohren. Umso schlimmer, als der Franzose sie 1949 erneut ansprach: „Du, dein Mann hat meine Idee geklaut!“


„Sie war eine Frau ihrer Zeit, und das war keine einfache Zeit.“

Karl Lagerfeld, Modeschöpfer (1933-2019)


Tatsächlich hatte Franz Burda im 18 Kilometer entfernten Lahr einen Modeverlag gegründet und seine ehemalige Sekretärin Elfriede Breuer mit dessen Leitung betraut. Doch dem nicht genug. Elfriede Breuer, so musste Anna Burda erfahren, war seit Jahren die Geliebte ihres Mannes und Mutter seiner unehelichen Tochter, geboren bereits im Jahr 1940, nur wenige Monate nach der Geburt des jüngsten Burda-Sohnes Hubert.

Das kam einem K.-o.-Schlag gleich. Ihre Ehe, ihre Träume – in Trümmern. Doch sie wollte keine Besiegte sein. Sie wollte die Niederlage in einen Sieg ummünzen. Und dafür forderte sie Reparationszahlungen: „Entweder du gibst mir den Verlag – oder ich lasse mich scheiden!“

Am 28. Dezember 1949 wurde die betrogene Ehefrau alleinige Inhaberin des Modenverlags Änne Burda. Die junge Verlegerin wechselte ihren Vornamen von Anna zu Aenne. Das neu gewonnene Verlagshaus war eine ehemalige Wirtschaft. Ein zweistöckiger Bau mit einer schmutzigen Fassade, von der der Putz bröckelte. Hier saß Aenne Burda – mit 48 Mitarbeitern und 200.000 Mark Schulden, die die Vorgängerin hinterlassen hatte.

Der Grafikdesigner und Autor Kurt Weidemann, der lange Jahre an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste gelehrt hat, schrieb einmal: „Was in den Hinterhöfen entstanden ist, hat das Bedürfnis in den Vordergrund zu kommen. Je hinterhöfiger, desto vorwärtsdrängender. Noch dazu, wenn man etwas macht, das nicht vorrangig für sich selbst, sondern für die Schau- und Besitzlust anderer bestimmt ist.“

Aenne Burda wollte Frauen schön und selbstbewusst machen

Aenne Burda entwickelte den persönlichen Ehrgeiz, eine erfolgreiche Unternehmerin zu werden – und sie wollte Frauen zu einem neuen Selbstbewusstsein verhelfen. Sie beobachtete ihre Geschlechtsgenossinnen auf der Straße in ihren praktischen und unschönen Nachkriegskleidern aus Stoffen, die schon zweimal aufgetrennt und wieder zusammengenäht worden waren.

Doch Anfang 1950 zeigte Ludwig Erhards Bestreben zur Liberalisierung der Wirtschaft noch keine Wirksamkeit, geschweige denn war von einem Wirtschaftswunder zu sprechen. Konfektionsware war so gut wie unerschwinglich. Aber es gab Stoffe, die die Ladenbesitzer vor der Währungsreform gehortet hatten. Die Frauen träumten von Christian Diors „New Look“, weiten Röcken und schmaler Taille statt Kittelschürze und Kopftuch, von Seidenstrümpfen statt Wollsocken.

Aenne Burda verstand das. Doch schön zu sein bedeutete für sie mehr als nur oberflächliche Dekoration. Aenne Burda glaubte an die Macht der Schönheit. Ihr Ziel war es, die deutsche Frau schön und selbstbewusst zu machen. Hatte diese auch kein Geld, sich Designermode zu kaufen, so doch das Geschick, selbst zu nähen. „Burda Moden“ lieferte die Schnitte.

Im Januar 1950 erschien die erste Ausgabe mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren zu einem Stückpreis von 1,40 Mark. Diese erste „Burda Moden“ war mehr als bedrucktes Papier. Sie war bei allen Orden und Ehrungen, die Aenne Burda später erhalten sollte, ein Beleg, der sie als Verlegerin auszeichnete. Und mehr noch: es war eine Siegerurkunde – über ihren Mann, die Kleinstadt, das Eisenbahnermilieu.


„Wichtig ist vor allen Dingen der Glaube an sich selbst und an die eigene Kraft.“

Aenne Burda (1909-2005)


„Vom Nähen habe ich nichts verstanden, aber ich habe verstanden, dass nur eine Schneiderin Schnitte machen kann“, erklärte sie ihr Rezept. Bereits 1950 holte sie eine junge Redakteurin von der Textilwerkstätte in Nürnberg in ihr Team: Irene Baer, 21 Jahre alt, Löwin wie Aenne, ehrgeizig wie Aenne. Von Anfang an bis zu ihrem frühen Krebstod 1978 sollte Irene Baer die rechte Hand der Verlegerin sein. Gemeinsam gelang es den beiden Frauen, das defizitäre Blättchen der Vorgängerin zur weltweit erfolgreichsten Modezeitschrift zu entwickeln. Irene Baer wurde Aenne Burdas Stellvertreterin und erste Chefredakteurin von „Burda Moden“.

Der wirtschaftliche Aufschwung 1951/52 markiert den Beginn des Wirtschaftswunders. Aenne Burda hatte die auf ihrem Verlag lastenden Schulden getilgt und konnte es sich sogar leisten, 1952 den Neubau einer Familienvilla in Offenburg zu finanzieren. Im gleichen Jahr begann der Verlag mit der Produktion von Einzelschnittmustern, die in Kaufhäusern angeboten wurden. Burda-Schnitte boten die perfekte Passform, da sie regelmäßig systematisch an den Durchschnitt des deutschen Frauenkörpers angepasst wurden. „Burda Moden“ erschien jetzt in elf europäischen Staaten, ein Jahr später kamen die USA, Kanada, Argentinien und Brasilien hinzu. 1953 brache sie ihr erstes „Burda Modesonderheft“ auf den Markt. Diese Modesonderhefte, die zweimal jährlich erschienen und ab Folge 29 „Burda International“ hießen, sind die schönsten Magazine, die unter ihrer Ägide entstanden. Aenne Burda scheute keine Kosten und engagierte Top-Fotografen wie den Zürcher Rolf Lutz, den Pariser Guy Arsac oder den Berliner Rico Puhlmann.


„Aenne Burda war immer grundehrlich, sie sagte, was sie dachte, und sie dachte, was sie sagte.“

Arthur Cohn, Filmproduzent und Oscar-Preisträger (geb. 1927)


Auflage, Umsätze und Mitarbeiterzahl des "Burda Modeverlags" wuchsen. So charmant sie auch lächeln konnte – „hart sein, härter sein als jeder Mann“ – das war Aenne Burdas Devise. Konkurrenzfirmen wie „Ihre Mode“, „Geo-Moden“, „Praktikus/ Susann“ oder „Beyer Moden“ kaufte sie einfach auf. Sie brauchte mehr Platz für ihr expandierendes Unternehmen und beauftragte den Architekten Egon Eiermann mit dem Entwurf ihre erstes Verlagsgebäudes, das 1955 fertiggestellt wurde. Mittlerweile verkaufte sie ihr Magazin „Burda Moden“ in mehr als 60 Ländern.


„Sie hatte Zähigkeit, Liebenswürdigkeit, Charme und das Temperament einer Anna Magnani.“

Uli Richter, Modeschöpfer (geb. 1926)


Wie viele Bundesbürger hatte auch Aenne Burda in den 1950er Jahren eine Italien-Sehnsucht gepackt – allerdings genügte ihr nicht die Adria. Sie reiste nach Sizilien, nach Taormina. Das Fischerdorf war zu jener Zeit ein Treffpunkt der internationalen Film- und Homosexuellenszene, eine Welt, die Aenne Burda nicht kannte, aber faszinierte. Weit weg von zu Hause, konnte sie in Taormina ungestört eine nie gekannte Freiheit genießen. Sie verliebte sich in den Sizilianer Giovanni Panarello, mit dem sie 30 Jahre lang eine große Liebesgeschichte verbinden sollte. Doch auch in den zwei Monaten, die Aenne Burda von 1955 an jährlich in Taormina verbrachte, vergaß sie ihr Geschäft nicht und hielt regelmäßig Kontakt zu ihren Mitarbeitern. 

In einer Zeit von Autowunder, Fräuleinwunder, Wirtschaftswunder erlebte Aenne Burda, dass "Wunder machbar sind". "Ich habe Geld verdient", sagte sie, "wie Blätter auf den Bäumen wachsen." 1957 erreichte die verkaufte Auflage von "Burda Moden" eine halbe Million. Zwei Jahre später erweiterte sie ihr Verlagsgebäude um ein Drittel. Aenne Burdas Elan war nicht minder bemerkenswert als ihr Hang zu Wutausbrüchen. Sie konnte schreien, toben, mit Aschenbechern und Telefonen werfen, wenn ihr etwas oder jemand nicht passte. Peinlich war ihr das nie. Auch im Alter betonte sie immer wieder: „Ich habe Burda groß gemacht. Nicht die mit ihrer Druckerei (womit sie das Unternehmen ihres Mannes meinte). Ich mit Schreiben und Auf-den-Putz-Hauen. Ich.“


„Aenne war ein Naturtalent. Sie handelte stets aus einem sicheren Gefühl heraus, klar und ohne zu zögern. Keine Zweite in Deutschland hat aus dem Nichts ein solches Unternehmen geschaffen. Sie ist die Wirtschaftswunderfrau!“

Berthold Beitz, Manager (1913-2013)


Und „Burda Moden“ expandierte weiter, 1961 mit einem eigenen Fotostudio, zwei Jahre später mit einem Kochstudio. 1965 erreichte die Auflage von "Burda Moden" eine Million Exemplare. Der Verlag publizierte Kochbücher und Sonderhefte für Kinder, Puppen, Babys, Wäsche, Wintersport, Strickmode, Fasnacht und bereits seit 1959 auch für Vollschlanke. Den Deutschen ging es gut. Die Männer trugen ein Wohlstandsränzlein, die Frauen im Durchschnitt Größe 42. Löste die Ölkrise 1973 eine Wirtschafts- und Finanzkrise in allen westlichen Industrieländern aus, blieb der Modeverlag davon unbehelligt und die Druckauflage des Schnittmusterblatts überstieg im gleichen Jahr erstmals die Zwei-Millionen-Grenze. Ein Jahr später bezog Aenne Burda mit ihren 380 Mitarbeitern ein neues Verlagsgebäude.

Andy Warhol kam aus New York nach Offenburg, um Aenne Burda zu fotografieren

1973 lud Hubert Burda den Pop-Art-Künstler Andy Warhol nach Offenburg ein. Er sollte Aenne und Franz Burda porträtieren, zwei Jahre später folgten die Söhne Franz, Frieder und Hubert –„The three Gentlemen“. Warhol fotografierte Aenne Burda im Garten der Villa in der Offenburger Schanzstraße mit einer Polaroidkamera. „Mutter, schau mal wie Hollywood!“ forderte Hubert Burda mit Augenzwinkern auf die Hollywood-Schaukel auf. Aenne Burda reagierte, Warhol drückte ab und hielt den Moment in einem wunderbaren Porträt fest.

Dieses Warhol-Porträt ist der krönende Abschluss von Aenne Burdas Zeit als Wirtschaftswunderfrau, auch wenn sie 1987 in der Sowjetunion ihr zweites kleines Wirtschaftswunder erlebte: „Burda Moden“ in Moskau.


„Aenne Burda wartete nicht darauf, dass ihr eine Chance präsentiert wurde. Sie suchte sie, sie erkannte sie und sie ergriff sie.“

Hans-Dietrich Genscher, Politiker (1927-2016)


Am 3. März 1987 berichtete die Weltpresse über Aenne Burda. Mit „Burda Moden“ erschien erstmals eine westliche Zeitschrift in russischer Sprache in der Sowjetunion. Das Ereignis wurde mit einer Modenschau im Säulensaal des Moskauer Gewerkschaftshauses gefeiert. Topmodels wie Christy Turlington und Monica Schnarre präsentieren „Burda Moden“-Schick auf dem Laufsteg, Clowns des Moskauer Staatszirkus’ und Tänzerinnen des Bolschoi-Theaters gehörten ebenfalls zur Schau. Ein Joint Venture des Verlags Aenne Burda mit dem sowjetischen Außenhandelsverlag „Vneschtorgisdat“ ermöglichte das Projekt. Triumphaler Höhepunkt für die Verlegerin: ein Empfang bei First Lady Raissa Gorbatschowa am 4. März 1987 auf den Moskauer Leninhügeln. „Aenne Burda zog auf ihre Weise und mit ihren Möglichkeiten den Eisernen Vorhang ein Stück zur Seite“, zollte Hans-Dietrich Genscher, von 1974 bis 1992 deutscher Außenminister, der Unternehmerin Respekt.

Am 18. Oktober 1988 öffneten die sowjetische Regierungszeitung „Iswestija“ und die Verlagshäuser Aenne Burda und Hubert Burda ein neues Kapitel in der internationalen Zusammenarbeit: Ab Januar 1989 bot sich für westliche Firmen und Dienstleistungsunternehmen zum ersten Mal die Möglichkeit, in der „Iswestija“ Anzeigen zu veröffentlichen. Burda hatte das Exklusivrecht für die Akquisition von Anzeigen in der ganzen Welt. Die „Iswetija“, die vom Präsidium des Obersten Sowjet herausgegeben und täglich in einer Auflage von zehn Millionen Exemplaren in zwei Ausgaben publiziert wurde, erreichte dreißig bis vierzig Millionen Leser.

1994 übergab Aenne Burda ihren Verlag an Sohn Hubert. "Burda Moden" wurde in die Burda Verlagsgruppe integriert. Seit 2010 ist München Sitz von "Burda Moden", das mittlerweile Burda Style heißt. Heute ist es das World Wide Web, das die Userinnen von Burda Style verknüpft. Der neue Name zollt Tribut an die Internationalität von Magazin, das heute in 18 Sprachen in über hundert Ländern vertreten ist.


„Aenne Burdas Geradlinigkeit, Sinnlichkeit, ihr Pioniergeist und ihre Bereitschaft, für ihre Ideen zu kämpfen, waren für uns Frauen Vorbild und Inspiration gleichermaßen.“

Gabriele Strehle, Modeschöpferin (geb. 1951)


In einer Zeit, in der es noch keine Computer und kein Internet gab, hatte Aenne Burda bereits ihr weltweites Netz gesponnen und ein Network für Frauen gegründet. Die Liebe zur Mode war der Faden, der sie alle verband. Seit 70 Jahren schneidern sie rund um den Globus nach Schnitten von „Burda Moden“ bzw. Burda Style. Kein Modeschöpfer kann mit einer solchen Vielfalt aufwarten: Seit der Gründung des Verlags 1949 wurden in „Burda“-Magazinen jährlich zirka 1500 Schnitte veröffentlicht, das sind nahezu 100.000 Entwürfe.

Chronik über Aenne Burda

1909 geboren am 28. Juli als Anna Magdalene Lemminger, Tochter von Lokomotivführer Franz Lemminger und seiner Frau Maria, in Offenburg
1916 Einschulung in der Mädchen-Volksschule Offenburg
1918 Wechsel an die Klosterschule „Unserer Lieben Frau“ in Offenburg
1919 Erste Heilige Kommunion
1926 Mittlere Reife an der Klosterschule
1927 Abschluss der einjährigen Höheren Handelsschule
  Kaufmännische Lehre beim Elektrizitätswerk Offenburg
1930 Verlobung mit Verleger und Buchdrucker Dr. Franz Burda
1931 Hochzeit am 9. Juli
1932 Sohn Franz wird am 24. Mai geboren
1936 Sohn Frieder wird am 29. April geboren
1940 Sohn Hubert wird am 9. Februar geboren
1949 Gründung des Modenverlags Aenne Burda
1950 Erste Ausgabe von „Burda Moden“ erscheint mit 100.000 Exemplaren (Januar)
1952 Beginn der Einzelschnittmuster-Produktion
1953 Bau des neuen Verlagsgebäudes in Offenburg, Architekt: Egon Eiermann
  Die erste Ausgabe von „Burda International“ erscheint
1954 Kauf des Titels „Geo-Moden“ (90.000 Auflage)
1955 Kauf des Titels „Praktikus/ Susann“ (50.000 Auflage)
1956 Silberne Hochzeit von Aenne und Franz Burda
1957 Die verkaufte Auflage von „Burda Moden“ eine halbe Million Exemplare
1962 Bau eines eigenen Fotostudios
1963 Gründung eines eigenen Kochstudios
  Kauf des Titels „Beyer-Moden“ (300.000 Auflage)
1965 Die Auflage von „Burda Moden“ erreicht eine Million Exemplare
1968 Die verkaufte Auflage von „Burda Moden“ erreicht 1,5 Millionen Exemplare
1970 Die Schnittmusterproduktion erreicht die 5-Millionen-Grenze
1971 Burda Kochbücher erscheinen
1974 Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes
  Die erste Ausgabe von „Spaß an Handarbeiten“ erscheint
  Ein neues Verlagsgebäude in Offenburg wird im Juli fertig und bezogen
  Die Mitarbeiterzahl beträgt jetzt 380
1977 „Carina“ wird auf den Markt gebracht
1979 Ehrenring der Stadt Offenburg
1980 Die erste Ausgabe von „Anna“ erscheint
1981 Aenne und Franz Burda feiern Goldene Hochzeit
1984 Verleihung des Bayerischen Verdienstordens
1985 Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
1986 Tod von Senator Franz Burda am 30. September
  Die erste Ausgabe von „Verena“ erscheint
1987 Die erste russisch-sprachige Ausgabe von „Burda Moden“ erscheint im März
1988 Die erste Lizenzausgabe von „Burda Moden“ in Ungarn erscheint im Oktober
1989 Mit einer weltweiten Auflage von über 4 Millionen und Übersetzungen in 17 Sprachen ist „Burda Moden“ die größte Modezeitschrift der Welt
  Neben „Burda Moden“ gibt es eine Vielzahl periodisch erscheinender Hefte, Specials und Bücher, insgesamt ca. 70 Millionen Druckerzeugnisse im Jahr; dazu werden weltweit ca. 10 Millionen Einzelschnitte verkauft
  Die Verlagshäuser Aenne Burda und Hubert Burda übernehmen in der westlichen Welt den weltweiten Anzeigenverkauf für die russische Regierungszeitung „Iswestija“
  Die Mitarbeiterzahl beträgt jetzt 570
  Jakob-Fugger-Medaille der bayerischen Verleger
  Ehrenbürgerwürde der Stadt Offenburg
  Verleihung Carl-Friedrich-von-Rumohr-Ring
1990 Karl-Valentin-Orden
1991 Gründung der Aenne-Burda-Stiftung zur „Förderung von Kunst und Kultur, des Umwelt- und Denkmalschutzes, der Altenhilfe und hilfsbedürftiger Personen“
1994 Der Verlag Aenne Burda wird in die Hubert Burda Media integriert
  Goldenes Ehrenzeichen des Landes Salzburg
1995 „Burda Moden“ erscheint in China
1999 Stiftung der Skulptur „Freedom – Male/ Female“ von Jonathan Borofsky in Offenburg
2001 Eröffnung des „Aenne-Burda-Stifts“ in Offenburg
  Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern
2004 Anlässlich des 95. Geburtstages benennt Aenne Burdas Heimatstadt Offenburg eine Allee nach ihrer Ehrenbürgerin
2005 Tod von Aenne Burda am 3. November  

 

Literatur zu Aenne Burda

  • Aenne Burda – Verlegerin des guten Geschmacks. Ihre Lieblingsrezepte aus Baden, Elsass und der Welt. J. P. Bachem Editionen, 2021, ISBN 978-3751012638
  • Aenne Burda – Kindheit und Jugend in Offenburg. Ute Dahmen, Petrarca, 2018, ISBN 978-388978151
  • Kluge Geschäftsfrauen. Claudia Lanfranconi, Antonia Meiners, Insel, ISBN 2013, 978-3458359593
  • Aenne Burda – Wunder sind machbar. Ute Dahmen, Petrarca, 2009, ISBN 978-3871150036 (Vorlage für den Film „Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau“)
  • Aenne Burda. Die Macht des Schönen. Judith Betzler, Econ, 1999, ISBN 3430111943

Filme zu Aenne Burda

  • Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau. TV-Drama, Deutschland 2018, Buch und Regie: Francis Meletzky, Produktion: SWR, Erstausstrahlung: 5. und 12. Dezember 2018.
  • Aenne Burda – Eine Frau erobert die Welt. Dokumentation, Deutschland, 2009, 45 Min., Buch und Regie: Dora Heinze, Produktion: SWR, Erstausstrahlung: 23. Juli 2009.
  • Aenne Burda. Mode für Millionen. Dokumentation, Deutschland, 1999, 45 Min., Buch und Regie: Kathrin Pitterling, Produktion: NDR, Erstausstrahlung: 28. November 1999.