Hubert Burda

Verleger, Unternehmer, Vordenker

Ein Leben zwischen Kunst, Medien und Innovationen: Hubert Burda hat sich als Unternehmer, Verleger, digitaler Vordenker, Kunsthistoriker und Chefredakteur weltweit einen Namen gemacht. Der geschäftsführende Komplementär der Hubert Burda Media Holding steht heute für die Erfolgsgeschichte seines Medienkonzerns. Das Unternehmen, das zu 100 Prozent im Besitz der Familie Burda ist, meldete für das Geschäftsjahr 2019 einen bereinigten Außenumsatz von 2,79 Milliarden Euro. Als Hubert Burda im Januar 1987 den Offenburger Verlag seines Vaters übernahm, wurde noch ein Umsatz von 500 Millionen DM ausgewiesen. 2010 hat er die operative Unternehmensführung an den Vorstandsvorsitzenden Paul-Bernhard Kallen übergeben. Am 9. Februar 2020 wurde Hubert Burda 80 Jahre alt. Er ist verheiratet mit Maria Furtwängler, die gemeinsamen Kinder Jacob Burda (30) und Lisa Furtwängler (28) halten an der Konzernholding seit 2017 jeweils 37,5 Prozent.

„Media is Art“

Zwölf Jahre lang, von 1974 bis 1986, war Hubert Burda Redakteur von Bunte. Zuerst als Urlaubsvertretung für seinen Vater und Bunte-Erfinder „Senator“ Franz Burda, dann als teuer bezahlter Lehrling eingesetzt, leitete er schließlich ab 1976 als voll verantwortlicher Chefredakteur das Blatt. Wie eine Redaktion funktioniert, davon hatte der junge Redakteur bereits eine gewisse Ahnung, seit er während eines Aufenthalts in den USA in verschiedenen „editoral staffs“ amerikanischer Magazine Erfahrungen gesammelt hatte. Auch unter dem Einfluss, den der New Yorker Pop-Art-Künstler Andy Warhol auf Hubert Burda hatte, entwickelte sich Bunte konsequent von einem Symbol der Wirtschaftswunderzeit zum ersten deutschen People-Magazin  mit einer wöchentlichen Auflage von 1,4 Millionen Exemplaren im Jahr 1978.

„Als Chefredakteur von Bunte verfolgte ich vor allem zwei Prinzipien, die ich auch auf meinen Agenturreisen betonte: Bunte steht für ‚pursuit of happiness – worauf mich Bazon Brock gebracht hatte – und ‚Media is Art, die Idee Andy Warhols“, erinnert Hubert Burda in seinem Buch „Die Bunte Story“. 

Mit Focus schrieb Hubert Burda Publizistikgeschichte

Als Verleger versteht es Hubert Burda, sich in unterschiedlichen, nur scheinbar gegensätzlichen Welten zu bewegen: in der Welt des Journalismus, der Verlags- und Druckerwelt – genauso wie in der Betrachtung der bildenden Kunst und der Literatur. Dass die Motive der einen Welt auf die andere anregend wirken können, ist seine Erfahrung. Die Bedeutung der Macht der Bilder gegenüber dem bloßen Text erkannte er zunächst in der Beschäftigung mit Malerei und Skulptur. Diese Erkenntnis übertrug er auf das Feld der Informationsmedien. Damit erfasste er neue Möglichkeiten, die durch Bilder und Grafiken in Printmedien, vor allem aber in den digitalen Netzen, eröffnet werden. Mit der Gründung des Nachrichtenmagazins Focus schrieb er 1993 deutsche Publizistikgeschichte und erzielte einen beispiellosen wirtschaftlichen Erfolg. Durch die Einführung eines neuen News-Designs mit Grafiken und Charts war es möglich, komplexe Inhalte schneller zu vermitteln. Damit vollzog sich ein Phänomen, das der Kunsthistoriker Gottfried Boehm mit dem Begriff des „Iconic Turn“ kennzeichnete, und das von Hubert Burda in das allgemeine Bewusstsein gehoben wurde.

„Wo immer sich Kom­mu­ni­ka­ti­on verändert, verändern sich Fundamente der Ge­sell­schaft“, pflegt Hubert Burda Walter Benjamin zu zitieren.

Als digitaler Visionär Chancen frühzeitig genutzt

Bereits 1994, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, wagte Hubert Burda mit „Europe Online“ seine erste News-Plattform im Internet, die er kurz darauf wieder einstellte. Mit den Erfahrungen im Rücken folgte kurz darauf Focus Online, 2020 das erfolgreichste Newsportal Deutschlands und seine größte digitale Tageszeitung. Hubert Burda hatte als einer der Ersten im Verlagsgeschäft die umwälzenden Chancen der digitalen Medienrevolution erkannt und für sein Haus genutzt.

Auf sein Betreiben öffnete sich Hubert Burda Media früher als andere diesem Markt (Gründung von Focus Online 1996, Beteiligung an der Tomorrow Focus AG 2001) und begann, sein Unternehmen konsequent auf den digitalen Wandel auszurichten.

Er schreibt in seinem Buch „Landwege – Seewege“ über die Transformation der Medien:

„Die Landwege sind nicht verschwunden, als die neuen Seewege von Europa aus den Globus entdeckten und zu beherrschen anfingen. Neben den neuen Seewegen behaupteten sich die alten Landwege, indem sie sich der neuen Situation anpassten und ihre eigene Bedeutung und Notwendigkeit erkannten. Beide begannen sich zu ergänzen. Ähnlich ist es heute mit den traditionellen Medien und den sozialen Netzen.“

Mit dem Auf- und Ausbau eines wachstumsstarken Portfolios von Digitalunternehmen machte er den Konzern zu einem der führenden digitalen Medienunternehmen Europas. 2005 rief er die Konferenz Digital Life Design (DLD) ins Leben, die wichtigste Innovationskonferenz und Austauschbörse der digitalen Welt in Europa. 

Burda baut Unternehmen

Zum Zeitschriftenportfolio Burdas zählen neben vielen anderen FocusFreundinInstyle und Bunte. Zum Portfolio von Hubert Burda Media gehören auch eine große Zahl von erfolgreichen Internetfirmen, wie das soziale Netzwerk Xing, das Ärzteportal Jameda, das E-Commerce-Unternehmen Cyberport, das Reiseportal Holidaycheck, sowie Focus Online, das bei BurdaForward beheimatet ist, dem führenden digitalen Publisher in Deutschland. 2018 übernahm Burda das Medienunternehmen Immediate Media, eines der größten Medienunternehmen in UK, und die dazugehörige Zeitschrift Radio Times.

Der Erfolg einer Idee

Das Unternehmen Hubert Burda Media steht heute auf sehr soliden Füßen – auf der einen Seite steht das starke und hochprofitable Verlagsgeschäft, auf der anderen das wachstumsstarke Geschäft mit digitalen Plattformen. In beide hat Hubert Burda in den vergangenen Jahrzehnten investiert, und in beiden Geschäftsfeldern sieht er die Zukunft des Unternehmens. Hubert Burda lebt vor, dass ein Medienhaus mit Zukunft eine Unternehmenskultur braucht, die Leidenschaft für Innovation mit Tradition und Engagement verbindet.

„Über den Erfolg einer Idee entscheidet nicht die Größe des Unternehmens, sondern sein innovativer Geist“, so Hubert Burda.

Von den „Notizen zur digitalen Revolution“ bis zu „Landwege Seewege“

Hubert Burda hat in letzter Zeit drei Bücher veröffentlicht: „Notizen zur Digitalen Revolution 1990-2015“ beschreibt den Lernprozess, den der Autor seit 1990 durchmachte und der ihn dazu brachte, den Print-Verlag mit einem dynamischen digitalen Unternehmen zu einem multimedialen Konzern zu vereinen. In seinem Buch „Digitale Horizonte“ dokumentiert Hubert Burda 13 Reden von 1990 bis 2010 über seine Visionen der digitalen Zukunft. Mit „Landwege Seewege“ ist kürzlich der letzte Band seiner Trilogie zur digitalen Revolution erschienen. Darin veröffentlicht der Verleger persönliche Tagebuchgedanken, die den digitalen Wandel der Medien und der Gesellschaft innerhalb eines Vierteljahrhunderts skizzieren.

Kunst als Passion der Familie Burda

Das Unternehmen fußt in seinen Wurzeln auf dem Druckereigeschäft – schon früh hat Burda das vierfarbige Tiefdruckverfahren zu höchster Qualität geführt und es Anfang der 70er-Jahre mit dem Bau einer Tiefdruckerei in den USA internationalisiert. Die Abbildung der Welt in Farbe ist ein Markenzeichen von Burda: Bunte heißt wie sie heißt, weil die 1948 von Senator Franz Burda gegründete Zeitschrift sprichwörtlich die bunte Welt zeigte.

Mit Ernst Ludwig Kirchner, Ernst Heckel und August Macke waren einige der Lieblingskünstler des Senators zuletzt in der Ausstellung „Die Bilder der Brüder“ im Museum Frieder Burda (Baden-Baden) zu sehen. Sie markieren den Beginn der Kunstsammlung des „Senators“ Anfang der 50er Jahre. Hubert Burda hat sich als Sammler der Concept Art zugewandt. Er arbeitete mit verschiedenen Galeristen, Kunstkennern und Kunsthändlern zusammen, zum Beispiel mit Konrad Fischer, Franz Dahlem, Heiner Friedrich oder Alfred Schmela. Im Bestand seiner Sammlung finden sich unter anderem Werke von Andy Warhol, Joseph Beuys und Julian Schnabel. Ihr Umfang umfasst rund 2.000 Werke zeitgenössischer Künstler, hinzu kommen Werke der Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts.

Treffen von Hubert Burda mit Dichtern und Freunden

Für Hubert Burda war Francesco Petrarca, der große Humanist und Vorläufer der Renaissance, in seiner Zerrissenheit der erste „moderne“ Mensch. Zu den Preisverleihungen in seinem Namen traf man sich von 1975 bis 1995 meist in italienischen Städten, die mit seiner Biografie zu tun hatten. An diese Tradition knüpfte der Literatentreff ab 2010 wieder an und vergab den Petrarca-Preis bis einschließlich 2014 an internationale Autoren. Daneben gab es den Hubert Burda Preis für junge osteuropäische Lyrik: Mit der Auszeichnung wurden junge Dichtertalente gefördert, die in ihren Werken das neu aufbrechende Leben in Osteuropa spiegeln und ihm so eine Stimme verleihen. Von 1999 bis 2009 wurde außerdem der „Hermann-Lenz-Preis“ in Erinnerung an den Schriftsteller an den Orten seines Schaffens vergeben. Der „Europäische Übersetzerpreis“ wurde 2005 von der Kulturstiftung der Stadt Offenburg und der Hubert Burda Stiftung ins Leben gerufen. Er dient dem Abbau kultureller Barrieren und unterstützt den literarischen Austausch im Zeichen der europäischen Einigung. 

Engagement und Ehrungen von Hubert Burda

Hubert Burda war von 1997 bis 2016 Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und ist heute dessen Ehrenpräsident. 1991 gründete er den European Publishers Council (EPC) und tritt auf nationaler und internationaler Ebene für die Interessen der Verleger ein. Die von ihm gegründete Hubert Burda Stiftung identifiziert seit 2000 unter der Leitung von Dr. Christa Maar in Wissenschaft, Kultur, Kunst, Medien und Gesundheitsvorsorge wichtige Zukunftsthemen und transferiert sie in die Öffentlichkeit. Zur Würdigung ehrenamtlichen Engagements in Offenburg und in der Ortenau stiftet Hubert Burda den Senator-Ehrenamtspreis. Nach dem Tod seines ersten Sohnes Felix Burda gründete Hubert Burda gemeinsam mit dessen Mutter Christa Maar 2001 die Felix Burda Stiftung zur Darmkrebsprävention. Seither wurden bei 180.000 Menschen Krebsvorstufen entdeckt und entfernt, 80.000 Todesfälle an Darmkrebs verhütet und 40.000 Darmkrebsfälle im meist heilbaren Frühstadium entdeckt.

Für seine verlegerischen und unternehmerischen Leistungen erhielt Hubert Burda zahlreiche Ehrungen. Unter anderem wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz und der Jakob-Fugger-Medaille ausgezeichnet. Für seine Förderung des europäischen Kompetenzzentrums für Jüdische Studien in Heidelberg wurde Hubert Burda zum Ehrensenator der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg ernannt. 2012 wurde er zum Offizier der französischen Ehrenlegion. Seit 2019 ist er Ehrenbürger der Stadt München.

Zur Person Hubert Burda

  • geboren am 9. Februar 1940 als Hubert Dietrich Burda in Heidelberg, Sohn des Verlegerehepaares „Senator“ Franz Burda (1903-1986) und Aenne Burda (1909-2005)
  • Brüder: Franz Burda junior (1932-2017), Frieder Burda (1936-2019)
  • Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Soziologie an der Ludwig- Maximilians-Universität in München (1960-65), Promotion zum Dr. phil. mit der Arbeit „Die Ruinen in den Bildern Hubert Roberts“ (1966)
  • in erster Ehe verheiratet mit der Kunsthistorikerin Christa Maar (1967-1972); der am 25. November 1967 geborene Sohn Felix Burda, der ebenfalls in Kunstgeschichte promoviert wurde, verstarb 2001 im Alter von 33 Jahren an Darmkrebs
  • seit 1991 verheiratet mit der Ärztin und Schauspielerin Maria Furtwängler-Burda
  • die gemeinsamen Kinder Jacob Burda (30) und Lisa Furtwängler (28) halten an der Konzernholding seit 2017 jeweils 37,5 Prozent

Literatur zu Hubert Burda

  • Hubert Burda: Als es noch High & Low gab – Ein Rückblick ins 20. Jahrhundert, München 2020

  • Hubert Burda: Kunst und Medien 2020, München 2019, ISBN 978-3889781567

  • Hubert Burda: Landwege Seewege, München 2017
  • Hubert Burda: Digitale Horizonte. Strategien für neue Medien, München 2016, ISBN 978-3871150982
  • Hubert Burda: Notizen zur digitalen Revolution 1990 – 2015, München 2014, ISBN 978-3871150463
  • Hubert Burda: Die BUNTE Story. Ein People-Magazin in Zeiten des Umbruchs, München 2012, ISBN 978-3570552216
  • Hubert Burda: In medias res. Zehn Kapitel zum Iconic Turn, München 2010, ISBN 978-3770551255
  • Festina Lente – Festschrift für Hubert Burda zum 70. Geburtstag, München 2010, ISBN 978-3871150098
  • Hubert Burda: Mediale Wunderkammern (hrsg. von Wolfgang Ullrich), München 2009, ISBN 978-3770548026
  • Rainer Braxmaier: Zwischen Pop und Pantheon – Hubert Burda, die frühen Jahre, München 2009, ISBN 978-3871153
  • Rainer Braxmaier: Poeten, Maler, Petticoats – Hubert Burda und seine Freunde, München 2005, ISBN 3871154520